Musik + Film

Die Weber

Musik + Film

Die Weber

Die Weber. [Ausschnitt]

© Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung

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Als Gerhart Hauptmann 1892 im aufstrebenden wilhelminischen Kaiserreich mit dem Drama „Die Weber“ über den Schlesischen Weberaufstand des Jahres 1844 an die Öffentlichkeit gehen wollte, wurde umgehend ein Aufführungsverbot erteilt. Mit diesem Drama richtete Gerhart Hauptmann einen unverstellten Blick auf seine Gegenwart, auf die elende Situation der arbeitenden Bevölkerung, auf ihre Lebens- und Gemütszustände und ihre einfache, aufrichtige und unmissverständliche Sprache.

Auch in der Weimarer Republik verlor der Stoff nicht an Brisanz. So traf Friedrich Zelnik, eher bekannt als Regisseur von kommerziellen Unterhaltungsfilmen, mit seiner Verfilmung des Dramas den Nerv der Zeit und überraschte Kritik und Publikum mit einer der besten Hauptmann-Adaptionen der deutschen Filmgeschichte. Dieser Film – beeinflusst von Eisenstein und Pudowkin, aus der Feder der Drehbuchautoren Fanny Carlsen und Willy Haas, visuell mitgestaltet von Georg Grosz und gespielt mit exzellenten Schauspielern – kommentiert die wirtschaftliche und soziale Instabilität in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre, die der Nationalismus bald für sich zu instrumentalisieren wusste.

Erst mit Johannes Kalitzkes sinfonischer Orchestersuite „Die Weber“ ist 2011 eine auf den neu restaurierten Film zugeschnittene Begleitmusik entstanden. Sie ist mehr als nur eine Illustration des cineastischen Handlungsablaufs: Johannes Kalitzke positioniert seine Musik zum Film als kritisch beobachtendes und deutendes Auge – im Fokus die Dialektik des Widerstands. Mit Anspielungen auf genretypische Elemente und historisch konnotierte Topoi, wie Marschklänge, Arbeiterlieder und einem breiten Spektrum an instrumentalen und konkreten Klängen wird das im Film dargestellte Drama der Weber in einen bedrückend klingenden Albtraum verwandelt. Bedrängnishaft und grotesk durchlebt der Zuhörer den Verlust menschlicher Moral.

Johannes Kalitzke
Die Weber
Musikzyklus (2012) zum gleichnamigen Stummfilm von Friedrich Zelnik (1927)
nach dem Drama „Die Weber“ (1893/1894) von Gerhart Hauptmann

Ensemble Modern
Johannes Kalitzke, Musikalische Leitung
Norbert Ommer, Klangregie

Auftragswerk Theater Augsburg, Augsburger Philharmoniker, Ensemble Modern, Wiener Konzerthaus und Wien Modern
Mit Unterstützung der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung