Reise ans Ende der Nacht

Reise ans Ende der Nacht. v.l. Götz Argus, Bibiana Beglau

© Matthias Horn

Theater
10er Auswahl

Reise ans Ende der Nacht

von Louis-Ferdinand Céline
Deutsch von Hinrich Schmidt-Henkel in einer Bearbeitung von Frank Castorf mit Auszügen aus Heiner Müllers „Der Auftrag“
Residenztheater, München

Premiere 31. Oktober 2013

  • 4h 30, eine Pause
  • Mit englischen Übertiteln

Publikumsgespräch am 9. Mai im Anschluss an die Vorstellung
Haus der Berliner Festspiele, Bar
mit dem Ensemble und Peter Laudenbach (Jury)
Moderation Christine Wahl

Célines Roman ist in seinem wütenden Nihilismus und der zerfetzt aggressiven Sprache ein literarischer Schock. Castorfs Inszenierung lässt sich auf diese Schockwirkungen ein, sie ist das Gegenteil der inflationären Romanadaptionen, die Literatur mit ihrem Plot verwechseln. Sein Umgang mit der Romanvorlage ist so assoziativ wie Célines Umgang mit der Wirklichkeit. Die flackernden Bilder der Inszenierung, das Stilmittel der heißlaufenden Hysterie, Castorfs Desinteresse an ordentlicher Erzählökonomie in Aleksandar Denićs verwinkeltem Bühnen-Labyrinth übersetzen Célines Erzählweise in Theater. Célines Satz „Man ergibt sich dem Lärm wie dem Krieg“ scheint Ferdinand Bardamu, so klar und genau wie überhitzt expressiv gespielt von Bibiana Beglau und Franz Pätzold, durch die Höllen des frühen 20. Jahrhunderts, durch Weltkrieg, die Verbrechen des Kolonialismus in Afrika und einen brutalisierten Fabrik-Kapitalismus zu katapultieren: die Entdeckung eines nur an der Oberfläche amoralischen Jahrhundert-Romans für das Theater.

www.residenztheater.de

Regie Frank Castorf
Bühne Aleksandar Denić
Kostüme Adriana Braga Peretzki
Licht Gerrit Jurda
Live-Kamera Marius Winterstein, Jaromir Zezula
Video Stefan Muhle
Dramaturgie Angela Obst

Capitaine Frémizon, Monsieur Henrouille, Le père Götz Argus
Ferdinand Bardamu Bibiana Beglau
Engel der Verzweiflung, Sasportas, La femme du Directeur de la Compagnie Pordurière du Petit Congo, Sophie Fatima Dramé
Lola, Madelon, Madame Henrouille, La fille Britta Hammelstein
Léon Robinson, Directeur de la Compagnie Pordurière du Petit Congo, Le fils, Debuisson Aurel Manthei
Ferdinand Bardamu, Léon Robinson Franz Pätzold
Molly, La cliente Katharina Pichler
Professeur des Écoles du Congo, La grand-mère Henrouille, La mère Michaela Steiger
Sergeant Alcide, Docteur Baryton Jürgen Stössinger