Fegefeuer in Ingolstadt

Fegefeuer in Ingolstadt. v.l. Edmund Telgenkämper, Christian Löber, Cigdem Teke, Anna Maria Sturm, Marc Benjamin

© Julian Röder

Theater
10er Auswahl

Fegefeuer in Ingolstadt

von Marieluise Fleißer
Münchner Kammerspiele

Premiere 8. Februar 2013

  • 1h 40, keine Pause
  • Mit englischen Übertiteln

Publikumsgespräch am 8. Mai im Anschluss an die zweite Vorstellung
Hebbel am Ufer / HAU1
mit dem Ensemble und Christoph Leibold (Jury)
Moderation Vasco Boenisch

Theater im Vollplayback. Hört sich grausam an. Ist es auch. Aber nicht im ästhetischen Sinne. Diesbezüglich ist Susanne Kennedys Inszenierung große Gruselkunst. Grausam ist vor allem, wie sie von der Entstellung der Seelen erzählt. Kennedy stellt Fleißers Figuren stockstarr in einen beklemmend engen, neonlichtnüchternen Raum, den sie als flackernde Videoaufzeichnung auf sich selbst projiziert. So beginnen die Wände zu zittern und das ganze Zimmer ein Eigenleben zu führen. Fleißers „Fegefeuer“: ein Fiebertraum, in dem die Menschen zu Zombies mutieren. Sie tragen zu enge Pullover, zu knappe Kleider, zu kurze Hosen. Ihre Gesichter sind wächsern. Ihre Sprache hat sich von den verkrampften Körpern gelöst. Es dauert eine Weile, bis man als Zuschauer begreift: Sämtliche Dialoge kommen vom Band, vorgetragen in gekünsteltem Ton, und werden von den Schauspielern lippensynchron mitgesprochen. Die Aufführung gleicht einer irritierenden Installation. Wer hätte gedacht, dass Marieluise Fleißers kritischer Volksstück-Klassiker noch so verstören kann?

www.muenchner-kammerspiele.de

Regie Susanne Kennedy
Bühne Lena Müller
Kostüme Lotte Goos
Sounddesign Richard Janssen
Licht Jürgen Kolb
Dramaturgie Jeroen Versteele
Ton Katharina Widmaier-Zorn, Martin Sraier-Krügermann
Videogestaltung Ikenna Okegwo, Marie-Lena Eissing

Protasius Marc Benjamin
Mutter Roelle Heidy Forster
Berotter Walter Hess
Roelle Christian Löber
Clementine Anna Maria Sturm
Olga Çiğdem Teke
Gervasius Edmund Telgenkämper