Theater
10er Auswahl

Maria Stuart

von Friedrich Schiller
Thalia Theater, Hamburg

Premiere 24. Februar 2007
Maria Stuart

Maria Stuart. Werner Wölbern, Peter Jordan, Paula Dombrowski

© Arno Declair

  • 2h, keine Pause

Vergangene Termine

Publikumsgespräch
Moderation Tobi Müller
Mi 14. Mai 22:00

Die Wut über die Äußerungen des deutschen Innenministers, Folter als Waffe im Kampf gegen den Terror nicht länger ausschließen zu wollen, war für Stephan Kimmig der Auslösereiz, Schillers „Maria Stuart“ als analytische Studie über Staatsterrorismus zu inszenieren. Susanne Wolff spielt die gefangengesetzte schottische Königin; mit Kabelbindern an einen elektrischen Stuhl gefesselt befindet sie sich im Hinterzimmer eines lichten Bungalows: der Transparenz, Bürgernähe und Aufgeklärtheit suggerierenden Machtzentrale der englischen Königin Elisabeth (Paula Dombrowski). Ineinandergeschachtelte Beton- und Glaswände gewähren Durchsichten und camouflieren doch die Gewaltstrukturen, Staatsbeamte verstecken Todesurteile in unscheinbaren Aktenmappen, und selbst die Bäume im Innenhof sind nur noch Insignien der unterworfenen Natur. Stephan Kimmig erzählt das Historiendrama als Polit-Thriller und hat es dafür so weit von seinem idealistischen Überbau befreit, dass man die Konstruktion der zynischen Machenschaften und die Logik der Staatsgewalt in ihrer ganzen Härte durchschaut. Zugleich zeigt er glasklar, wie man Menschen zu Mördern macht, indem man Verantwortung atomisiert und dadurch jedes Verbrechen anonymisiert. Im Kampf gegen die Terroristin Maria Stuart macht sich der Staat selbst terroristische Methoden zueigen und setzt seine Legitimität aufs Spiel. So rückt uns in Kimmigs luzider und eminent politischer Sichtweise Schillers Tragödie beunruhigend nah, als ebenso brisante wie verstörende Anatomie eines Justizmordes.

Besetzung

Regie Stephan Kimmig
Bühne Katja Haß
Kostüme Anja Rabes
Musik Michael Verhovec
Video Helena Ratka
Licht Matthias Vogel
Dramaturgie Juliane Koepp

Paula Dombrowski Elisabeth
Susanne Wolff Maria Stuart
Werner Wölbern Leicester
Helmut Mooshammer Shrewsbury
Peter Jordan Burleigh
Asad Schwarz-Msesilamba / Christoph Rinke Davison, Aubespine
Christoph Bantzer Paulet
Daniel Hoevels Mortimer