Diskussion

Diskussion II

Second Life im Live-Format – Theater auf der Suche nach neuen Orten

Vergangene Termine

Live-Übertragung auf MW und KW
So 25. Mai 0:05 Sendung auf UKW

Raus aus dem Guckkasten. Weg vom gesprochenen Raum, hinein ins Reale. In Fabriken. In Kirchen. Mehr als 75 Jahre ist diese Forderung Artauds an das Theater jetzt alt. Inzwischen haben wir „alles“ gesehen, und doch suchen Theatermacher noch immer nach Formen, Orten oder Geschichten, die über bereits erprobte Muster und Methoden hinausgehen. Zwar ist das Überraschende und Neue selten geworden, bestimmen Wiederholungen in allen Variationen das Programm. Doch es gibt auch die Momente des Staunens, wenn das Ungewöhnliche gewöhnliche Erwartungen übertrifft.

Beim diesjährigen Theatertreffen kann man einer Gruppe von Darstellern begegnen, die tagelang in einer abgewrackten Containerstadt leben und spielen. „Die Erscheinungen der Martha Rubin“ – eine „Nonstop-Performance-Installation“ vom Schauspiel Köln – lädt die Zuschauer ein, bis zu zwölf Stunden lang mit ihnen zu wohnen, zu essen und zu sprechen. Das dänisch-österreichische Performance-Duo SIGNA hat der Web 2.0-Welt Leben eingehaucht und den Zuschauer kurzerhand vom Konsumenten zum Inhalt erzeugenden „User“ umprogrammiert.

Ist hier die Suche des Theaters nach neuen Orten zu einem Ende gekommen? Oder ist diese virtuelle Variante nur eine Zwischenstation in der Theater-Entwicklung?

Die Geschichte des Theaters scheint auf den ersten Blick für ein neugieriges Weitersuchen zu sprechen. Denn das Nachdenken über den Ort und den Raum des Theaters ist fast so alt wie das Theater selbst. Die Bühne als Ort des Schauens. Hier verschmilzt der besondere Ort mit einem bloß imaginierten. Theater ist so gesehen Raumkunst. Und modernes Theater erst recht. Nur werden die Grenzen des szenischen Raums im modernen Theater immer häufiger verschoben. Oder das Theaterspiel wird, wie seit den siebziger Jahren, an immer ungewöhnlichere Orte verlegt. Klaus Michael Grüber zeigte Goethes „Faust“ in der Kirche des Pariser Hôpital Salpêtrière und Hölderlins „Hyperion“ in den kalten Winternächten des leeren Berliner Olympiastadions. Christoph Marthaler fand in den Beelitzer Heilstätten einen beklemmend passenden Ort für seine Inszenierung „Schutz vor der Zukunft“.

Die Diskussion will die Bedeutung neuer Orte für das Theater untersuchen. Wie werden die Interfaceräume das moderne Theater verwandeln? Was wird aus dem Theater in einer virtuellen Welt? Und was aus unserer Imagination?

Es diskutieren
Amelie Deuflhard Intendantin Kampnagel, Hamburg
Michael Simon Bühnenbildner
Elisabeth Schweeger Intendantin schauspielfrankfurt
Ulrich Khuon Intendant Thalia Theater, Hamburg
Stefan Keim Theaterkritiker und Mitglied der Theatertreffen-Jury
Moderation Susanne Burkhardt und Jürgen König

In Zusammenarbeit mit Deutschlandradio Kultur