Georges Aperghis

„Aperghis hat zweifellos die Freiheit erworben, wie ein Akrobat auf dem Seil zu tanzen und dabei den Sturz zu riskieren. Doch im Gegensatz zu einigen anderen weiß er, dass der Akrobat im Falle eines Sturzes nicht in die Leere fällt, sondern auf weitere Seile, mit deren Hilfe er umso besser wieder emporschnellen kann!! Mit der Gefahr kann man verhandeln, man kann mit ihr spielen und sie zu einem Fluchtpunkt machen, der sich am Horizont abzeichnet. Bei ihm ist sie allzeit präsent und tritt jedes Mal wieder in den Vordergrund, wenn unvorhergesehene Elemente eingeführt werden, wobei es ihm nicht darum geht, die konventionelle Komplexitätskette zu unterbrechen, sondern neue Ausdrucksformen zu finden.“ Mit diesen Worten charakterisiert der Philosoph Félix Guattari den griechischen Komponisten Georges Aperghis.

Aperghis wurde 1945 in eine Athener Künstlerfamilie geboren. Im Wesentlichen Autodidakt schwankte er lange Zeit zwischen Musik und Malerei. Die Entscheidung für die Musik fiel 1963, als Aperghis nach Paris zog, wo er seither lebt. Während seine ersten Werke noch deutlich unter dem Einfluss seines Landsmanns Iannis Xenakis stehen, den Aperghis in Paris erstmals traf, fand er rasch zu einer freieren, selbstständigen Sprache. Sein Schaffen lässt sich in drei große, fließend ineinander übergehende Bereiche einteilen: das musikalische Theater, die Konzertmusik und die Oper.

Mit einer Schauspielerin verheiratet entdeckte Aperghis Mitte der 1970er Jahre das experimentelle Theater als wesentliche künstlerische Ausdrucksform für sich. In zahlreichen, oft das Absurde streifenden Bühnenwerken löste Aperghis die Grenzen zwischen Musik und theatraler Aktion auf und erprobte das aktive Einbeziehen des Publikums in die Aufführung und die Arbeit mit Laien. Schwerpunkt dieses musikalischen Theaters war das 1976 gegründete „Atelier Théâtre Et Musique“ (ATEM), das seinen Sitz in Bagnolet bei Paris hatte und das Aperghis bis zum Jahr 1997 leitete.

Vor allem in den letzten beiden Jahrzehnten konzentrierte sich der Komponist auf die zweite Säule seines Schaffens, die Konzertmusik, mit einer Fülle von Kompositionen verschiedenster Vokal- und Instrumentalbesetzungen vom Orchesterwerk bis zum Solostück, wobei Aperghis seit den 1980er Jahren auch die Möglichkeiten der elektronischen Musik nutzt. Mit acht seit 1973 entstandenen Werken bildet die Oper, die sich von seinem musikalischen Theater insbesondere durch das Fehlen der Publikumsbeteiligung abhebt, den dritten bedeutsamen Schaffensstrang im Œuvre von Georges Aperghis.

Bei den Berliner Festspielen war Georges Aperghis im Rahmen von MaerzMusik – Festival für Zeitfragen 2015 und zuletzt 2018 mit der Uraufführung seines Werkes „Migrants“ für 2 Stimmen und großes Ensemble zu Gast.

www.aperghis.com

Stand: Juli 2020

Georges Aperghis

© Xavier Lambours

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