Olivier Messiaen, 1986

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Olivier Messiaen

Olivier Messiaen (1908 – 1992) zielt in seinem Schaffen zuerst auf die klangsinnliche und emotionale Überwältigung des Hörers. Gleichzeitig beruht seine Musik, die so rauschhaft wirken kann, auf rational kalkulierenden, von der Mathematik inspirierten Methoden. Rhythmen und Harmonien leitet Messiaen mit addierenden Verfahren aus kleinsten Strukturelementen ab. Für seine Musik hat sich Messiaen von zahlreichen, ganz verschiedenartigen Quellen anregen lassen. Besonders prägend sind dabei ein persönlich gefärbter, mystischer Katholizismus und die Faszination für die akustische Welt der Vogelrufe.

Messiaen wurde am 10. Dezember 1908 in Avignon geboren. Die Neigung zur Musik und seine schöpferische Begabung traten früh hervor und wurden vom literarisch-künstlerisch bestimmten Elternhaus gefördert. 1931 begann Messiaen seine Laufbahn als Organist an Sainte Trinité, einer der großen Pariser Kirchen. Er versah dieses Organistenamt dann bis zu seinem Tode, also über 60 Jahre lang. Natürlich komponierte er auch für sein Instrument und neben der Orchester- und der Klaviermusik bildet die Musik für die Orgel eine der tragenden Säulen seines Œuvres. Unabhängig von seinen Erfolgen als Organist machte sich Messiaen allmählich auch einen Namen als Komponist. Sein Schaffen vor 1949, in dem sich noch deutliche Anklänge an Debussy und Ravel vernehmen lassen, kulminiert in der monumentalen „Turangalîla-Symphonie“ (1946 – 1948).

Ab 1941 gab Messiaen Theoriekurse am Pariser Conservatoire und zog mit seinem unkonventionellen Ansatz avantgardistisch gesonnene Studenten wie den jungen Pierre Boulez an. Obwohl Messiaens Theorien in hohem Maße auf ihn persönlich zugeschnitten sind, wurde er zu einem der einflussreichsten Kompositionslehrer seiner Epoche. In seinem eigenen Schaffen brachten die „Quatre Etudes de rhythme“ für Klavier (1949 – 1950), mit denen Messiaen der entstehenden seriellen Musik entscheidende Impulse gab, einen radikalen Umschwung von überschwänglicher Opulenz hin zu strenger Konstruktivität. In den folgenden, maßgeblich von Vogelgesängen inspirierten Werken wie dem Klavierzyklus „Catalogue d’Oiseaux“ (1956 – 1958) nahm er allmählich Elemente seines früheren Schaffens wieder auf und fand so zu seinem charakteristischen, unverwechselbaren Stil. Choralartige Melodien, die oft in extrem ruhiger Bewegung erscheinen, dissonanzgehärtete Klangfelder von nicht mehr durchhörbarer Komplexität und andere heterogene Elemente fügt er zu unregelmäßigen Mosaiken zusammen, die den Hörer vor allem durch ihre klanglichen Wirkungen bezwingen.

In der letzten beiden Lebensjahrzehnten entstanden vor allem christlich inspirierte Werke. 1975 nahm Messiaen, inzwischen ein weltberühmter Komponist, die Arbeit an der Oper „Saint François d’Assise“ auf, die im November 1983 uraufgeführt wurde. Danach konnte er 1991 mit „Éclairs sur l’Au-Delà“ als der letzten abgeschlossenen Komposition ein weit ausgreifendes Orchesterwerk beenden. Der Komponist starb am 28. April 1992 in Paris.

Stand: Juni 2019

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