Yassin al-Haj Sale

© Mies Rogmans

Yassin al-Haj Saleh

 

Yassin al-Haj Saleh, geboren 1961, ist ein syrischer Autor, Intellektueller und ehemaliger politischer Gefangener. 1980 wurde der damals 19-jährige Yassin al-Haj Saleh, Medizinstudent an der Universität von Aleppo, vom Hafez al-Assad-Regime wegen seiner Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei Syriens festgenommen. Er verbrachte 16 Jahre und 14 Tage (vom 7. Dezember 1980 bis 21. Dezember 1996) im Gefängnis. 1994 verurteilte ihn der Staatssicherheitsgerichtshof zu 15 Jahren Haft, ohne Anhörung von Zeugen oder irgendeiner Verteidigung. Nach Ablauf seiner Haftzeit machten die Sicherheitskräfte eine Bereitschaft zur Kooperation zur Bedingung seiner Entlassung. Als er sich weigerte, verbrachten sie ihn für ein weiteres Jahr in das berüchtigte Tadmur-Gefängnis. Nach seiner Freilassung kehrte er an die medizinische Fakultät zurück und schloss sein Studium im Jahr 2000 ab, übte aber den Beruf eines Arztes nie aus; stattdessen begann er zu schreiben und wurde zu einem der wortführenden Autoren Syriens.

Seit dem Jahr 2000 schreibt Yassin al-Haj Saleh für verschiedene arabische Zeitungen und Zeitschriften außerhalb Syriens über Politik, Gesellschaft und Kultur. Seine Beiträge werden regelmäßig in den Zeitungen „Al-Hayat“ und „Al-Qds Al-Arabi“ und dem syrischen Online-Magazin „al-Jumhuriya“ veröffentlicht. Außerdem ist er Autor und Herausgeber von sechs Büchern über Syrien: „The Syria From Under Shades: Insights from Within the Black Box“ (2009), „The Myths of the Successors: a Critique of Contemporary Islam and a Critique of the Critique“ (2011), „Salvation, o Guys: 16 Years in the Syrian Prisons“ (2012), „Walking on One Leg” (2012 – über syrische Politik, Volkswirtschaft und Identität), „Culture as Politics: Intellectuals and their Social Responsibility in the time of Monsters“ (2016) und „The Impossible Revolution“ (2017).

Im Jahr 2012 erhielt Yassin al-Haj Saleh den Prinz-Claus-Preis, der mit Unterstützung des niederländischen Außenministeriums Intellektuelle auszeichnet, die für ihr jeweiliges Land und dessen Gesellschaft von Bedeutung sind. Er konnte den Preis selbst nicht entgegennehmen, da er zu dieser Zeit in Damaskus untergetaucht war.

Yassin al-Haj Saleh ist einer der bedeutendsten Intellektuellen und politischen Dissidenten Syriens. Während des Aufstands in Syrien trat er als das „Gewissen der Revolution“ in Erscheinung. Selbst ehemaliger politscher Gefangener des Assad-Regimes, sein Bruder Feras al-Haj Saleh in der Gefangenschaft des IS und seine Frau Samira Khalil nach wie vor gefangen gehalten von einer islamistischen Gruppe in Douma: Yassin al-Haj Saleh hat alle Spielarten der Tyrannei und des Faschismus im syrischen Kontext am eigenen Leibe erlebt und ist trotzdem fest entschlossen, die ursprünglichen Werte des syrischen Aufstands aufrecht zu halten und zu verteidigen. Seine Ansichten genießen hohes Ansehen unter weiten Teilen der jungen Bevölkerung Syriens, vor allem, weil die kaum vorstellbaren Umstände, die er durchleben musste, seine besonnenen Analysen und sein moralisches Wertesystem nicht beeinträchtigen konnten.

2017-2018 ist Yassin al-Haj Saleh Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin.

Stand: Februar 2018

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