Philippe Herreweghe

Philippe Herreweghe wurde in Gent geboren und studierte dort sowohl an der Universität als auch am Musikkonservatorium und erhielt Klavierunterricht bei Marcel Gazelle. Während dieser Zeit begann er zu dirigieren und gründete 1970 das Collegium Vocale Gent. Er wurde von Nikolaus Harnoncourt und Gustav Leonhardt, die auf seine innovative Arbeit aufmerksam geworden waren, eingeladen, an Aufnahmen der Gesamtkantaten von J.S. Bach mitzuwirken.

Herreweghes energetische und authentische Herangehensweise an die Barockmusik wurde früh beachtet. 1977 gründete er das Ensemble La Chapelle Royale in Paris, mit dem er Musik des französischen Goldenen Zeitalters aufführte. Von 1982 bis 2002 war er künstlerischer Leiter der Académies Musicales de Saintes. In dieser Zeit gründete er mehrere Ensembles, mit denen er historisch informierte Interpretationen des Repertoires von der Renaissance bis zur zeitgenössischen Musik realisierte. Dazu gehören das Ensemble Vocal Européen, das sich auf die Polyphonie der Renaissance spezialisiert hat, und das Orchestre des Champs-Élysées, das 1991 mit dem Ziel gegründet wurde, präromantisches und romantisches Repertoire auf Originalinstrumenten zu spielen. Seit 2009 arbeiten Philippe Herreweghe und das Collegium Vocale Gent aktiv an der Entwicklung eines großen sinfonischen Chors auf europäischem Niveau. Seit 2001 ist Philippe Herreweghe künstlerischer Leiter der Accademia delle Crete Senesi, seit 2017 bekannt als Collegium Vocale Crete Senesi Festival in der Toskana, Italien.

Philippe Herreweghe sucht ständig nach neuen musikalischen Herausforderungen und ist sehr aktiv in der Aufführung des großen symphonischen Repertoires, von Beethoven bis Strawinsky. Seit 1997 arbeitet er mit dem Antwerpener Symphonieorchester (deFilharmonie) als Chef- und Gastdirigent zusammen. Darüber hinaus ist er ein gefragter Gastdirigent bei Orchestern wie dem Concertgebouworkest Amsterdam, dem Gewandhausorchester Leipzig, dem Scottish Chamber Orchestra oder dem Tonhalle Orchester Zürich. In den kommenden Spielzeiten sind Projekte mit der Staatskapelle Dresden, dem Philharmonia Orchestra London, dem Shanghai Symphony Orchestra und dem Cleveland Orchestra geplant.

Im Laufe der Jahre hat Philippe Herreweghe eine umfangreiche Diskographie von mehr als 120 Aufnahmen mit vielen verschiedenen Ensembles aufgenommen, die bei Labels wie Harmonia Mundi France, Virgin Classics und Pentatone erschienen sind. Zu den Höhepunkten zählen die „Lagrime di San Pietro“ von di Lasso, Bachs „Matthäuspassion“, die kompletten Symphonien von Beethoven und Schumann, Mahlers Liederzyklus „Des Knaben Wunderhorn“, Bruckners Symphonie Nr. 5, „Pierrot Lunaire“ von Arnold Schönberg und die „Psalmensinfonie“ von Strawinsky. Im Jahr 2010 gründete er zusammen mit Outhere Music sein eigenes Label φ (PHI). Seitdem sind über 30 Neuaufnahmen mit Musik von William Byrd bis Igor Strawinsky erschienen. Zu den jüngsten Aufnahmen gehören Claudio Monteverdis „Vespro della Beata Vergine“ (LPH029), Franz Schuberts Symphonien Nr. 2-5 (LPH028) und Bachs „Johannespassion“ (LPH 033).

Für seine konsequente künstlerische Arbeit und sein Engagement hat Philippe Herreweghe zahlreiche europäische Auszeichnungen erhalten. Im Jahr 1990 kürte ihn die europäische Musikpresse zur Musikalischen Persönlichkeit des Jahres. 1993 wurden Herreweghe und das Collegium Vocale Gent zu Kulturbotschaftern Flanderns ernannt. Ein Jahr später wurde er mit dem belgischen Orden Officier des Arts et Lettres ausgezeichnet, und 1997 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Katholischen Universität Leuven. Im Jahr 2003 erhielt er den französischen Titel Chevalier de la Légion d'Honneur. Im Jahr 2010 schließlich verlieh ihm die Stadt Leipzig die Bach-Medaille für seine großen Verdienste als Bach-Interpret. Im Jahr 2017 erhielt Philippe Herreweghe die Ehrendoktorwürde der Universität Gent. Im Jahr 2021 erhält Philippe Herreweghe den Ultima, den von der flämischen Regierung verliehenen Berufspreis für kulturelle Verdienste.

Aktuelle Veranstaltungen

Vergangene Veranstaltungen