Louis Andriessen

Nur all zu leicht ordnet man den niederländischen Komponisten Louis Andriessen (*1939) in die Strömung der Minimal Music ein. Von vielen, vor allem amerikanischen Kollegen dieser Stilrichtung unterscheidet er sich aber durch eine weniger gefällige, widerborstigere, dabei unmittelbar zugängliche Tonsprache. Andriessens Musik zielt nicht auf die Üppigkeit des spätromantischen Orchesters, sondern ist vielmehr von dem gehärteten Klang der Musik Strawinskys beeinflusst und hat zudem auch deutliche Impulse vom Jazz erhalten. Der Komponist hat eine Reihe großer Orchesterwerke geschaffen, in denen er zum Beispiel auch E-Gitarren und Drum Sets einsetzt, wie zuletzt in dem im Oktober 2018 als Auftragswerk des New York Philharmonic uraufgeführten Stück „Agamemnon“. Er bevorzugt aber kleinere Kammermusikbesetzungen, wobei insgesamt Werke für Singstimme einen breiten Raum einnehmen.

Louis Andriessen wurde 1939 in eine musikalische Familie hineingeboren. Sowohl sein Vater Hendrik (1892 – 1981) als auch sein jüngerer Bruder Juriaan (1925 – 1996) sind profilierte Komponisten. Andriessen studierte unter anderem bei seinem Vater, dann bei Kees van Baaren am Konservatorium von Den Haag und bei Luciano Berio. Nach kompositorischen Anfängen im Zeichen des politischen Protests und der Polemik gegen die Routine des Konzertbetriebs gelang ihm 1976 mit „De Staat“ für Frauenstimmen und ein großes Bläserensemble der internationale Durchbruch als eine der gewichtigen Stimmen der zeitgenössischen Musik. In dem mehrfach ausgezeichneten und in aller Welt nachgespielten Werk setzt sich Andriessen musikalisch mit einem Grundlagentext der abendländischen Philosophie und Staatslehre auseinander, Platons „Politeia“.

In seinem umfangreichen, vielfältigen Œuvre, das auch sechs musikdramatische Werke umfasst, hat sich Louis Andriessen von ganz verschiedenartigen Quellen von der Antike bis zu den abstrakten Gemälden von Piet Mondriaans anregen lassen und dabei immer wieder philosophisch geprägte Begriffe thematisiert. So geht es in dem Bühnenwerk „De Materie“ (1985 – 1988), dessen vier Teile auch separat aufführbar sind, um das Verhältnis zwischen Geist und Materie und in dem Werkzyklus „Trilogy of the Last Day“ um Sterblichkeit und Tod. Louis Andriessen hat in mehreren Projekten mit Künstlern und Regisseuren wie Robert Wilson und Hal Hartley zusammengearbeitet. Besonders produktiv war in den 1990er Jahren die künstlerische Partnerschaft mit dem Regisseur Peter Greenaway, der unter anderem das Libretto zu Andriessens Oper „Writing to Vermeer“ (1997 – 1998) verfasste.

Stand: Mai 2019

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