Hans Abrahamsen

Hans Abrahamsen

Die Musik des dänischen Komponisten Hans Abrahamsen (*1952) nimmt ihre Hörer*in zuerst durch die pure sinnliche Schönheit des Klanges ein. Mit großer klanglicher Imaginationskraft begabt, die sich mit einer ungewöhnlichen Virtuosität der Instrumentation paart, finden in den Klanglandschaften Abrahamsen feinste Gespinste ebenso ihren Platz wie massive, undurchdringlich dichte Flächen. Angetrieben werden seine Stücke dabei häufig von einer gleichmäßig schwingenden, pulsierenden Bewegung. Das Material seiner Kompositionen ist ganz verschiedenartig, umfasst traditionell Gewohntes ebenso wie avantgardistische Elemente und ist oft schlagend einfach strukturiert. Dabei gründet seine Musik tief in der abendländischen Musiktradition und so scheut Abrahamsen auch nicht vor Anklängen etwa an die Welt der Romantik zurück. Der starke Traditionsbezug des Komponisten zeigt sich auch in zahlreichen Instrumentationen von Stücken anderer Komponisten, die einen gewichtigen Anteil seines Schaffens ausmachen. Der Bogen der bearbeiteten Komponisten reicht dabei von Bach über Schumann, Debussy, Satie, Nielsen und Schönberg bis zu Ligeti.

Abrahamsens schöpferische Entwicklung verlief nicht bruchlos. Er begann schon früh zu komponieren und verfolgte gleichzeitig seine musikalische Ausbildung als Hornist. Von 1969 an studierte Abrahamsen Horn, Komposition und Theorie an den Hochschulen in Kopenhagen und Aarhus. Einen bedeutenden künstlerischen Einfluss hatten daneben private Studien bei Per Nørgård und György Ligeti. Im Alter von 30 Jahren hatte Abrahamsen schon einen umfangreichen Werkkatalog vorzuweisen und einige Anerkennung für sein Schaffen erhalten, wie etwa durch einen Kompositionsauftrag der Berliner Philharmoniker. Mitte der 1980er Jahre wurde das Komponieren von Etüden für Klavier das wichtige Projekt seines Schaffens, in dessen Verlauf er aber in eine künstlerische Sackgasse geriet. Von 1990 an entstanden fast keine Originalwerke, sondern hauptsächlich Bearbeitungen von Werken anderer Komponisten. 1998 konnte sich Abrahamsen aus dieser Phase des künstlerischen Schweigens befreien, paradoxerweise wieder mit einigen Klavieretüden. Das im Jahr 2000 beendete Klavierkonzert markiert dann den Beginn einer neuen, produktiven Schaffensphase, die bis heute anhält. Zu den größten Erfolgen der jüngeren Zeit zählt „let me tell you“ aus dem Jahr 2013, das Abrahamsen für die Sopranistin Barbara Hannigan und wiederum im Auftrag der Berliner Philharmoniker schuf. In dem mit mehreren Preisen ausgezeichneten und schon vielfach nachgespielten halbstündigen Werk, für dessen Text der Dichter Paul Griffiths die Worte Ophelias aus Shakespeares Hamlet zu einem neuen Monolog ungestaltet hat, entfaltet sich ein vielgestaltiges seelisches Drama, das in dem melancholischen Bild einer meditativen Schneelandschaft kulminiert.

Stand: Juni 2019

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