Jean-Philippe Rameau

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Jean-Philippe Rameau

Nur ganz wenige Musiker haben sowohl als Komponisten wie als Theoretiker eine vergleichbare Bedeutung wie Jean-Phillipe Rameau (1683 – 1764). Als Theoretiker legte er die Fundamente zum Verständnis der tonalen Musik. Zentrale, geschichtlich inzwischen vielfach abgewandelte Begriffe der Musiktheorie wie Tonika, Dominante und Subdominante gehen auf Rameaus in zahlreichen Schriften niedergelegte Lehre zurück. Der Komponist Rameau ist für seine virtuose und vielfältige Cembalomusik und als zentraler Meister der Tragédie lyrique, der französischen Sonderform der Oper, bekannt, die allerdings im deutschen Sprachraum seltener aufgeführt werden als in Frankreich. Nicht zuletzt ist Rameau mit seinen ungemein farbigen Klangerfindungen einer der großen Neuerer in der Geschichte der Instrumentation und des Orchesterklangs.

Rameaus schöpferisches Leben zerfällt grob gesehen in zwei Teile. Als Sohn eines Organisten in Dijon, dem Zentrum der Bourgogne in Zentralfrankreich, war ihm früh eine kirchenmusikalische Laufbahn vorgezeichnet. Mit sechzehn Jahren hatte Rameau seine erste Stelle als Assistent seines Vaters und bis in die 1730er Jahre bekleidete er zahlreiche Organistenämter in Dijon, Clermont-Ferrand, Paris und anderswo, ohne sich irgendwo dauerhaft niederzulassen. Die längste Zeit in dieser Phase verbrachte Rameau aber offenbar im Wesentlichen ohne feste Organistenstelle in Paris. Von 1722 an veröffentliche er hier mehrere Sammlungen von Cembalostücken (Pièces de clavecin), wobei es sich teils um Tanzsätze, teils um mit charakteristische Titeln versehene Genrestücke handelt, in denen er dem Instrument mit virtuosen Spieltechniken ganz neue Wirkungen abgewann und in neue Ausdrucksregionen vorstieß.

Schon in dieser Phase fühlte sich Rameau zur Oper hingezogen. Nach einem zusammen mit Voltaire verfolgten, aber letztlich gescheiterten Projekt brachte er 1733 die Tragédie lyrique „Hippolyte et Arcie“ auf die Bühne. Dieses neuartig konzipierte Werk markiert einen Wendepunkt in Rameaus Schaffen, in dem nun Bühnenwerke von der Oper bis zum Ballett immer klarer den Mittelpunkt bildeten. In einer am Musiktheater stark interessierten, debattierfreudigen Öffentlichkeit lösten Rameaus Werke immer wieder Kontroversen aus und gaben Anlass für lebhafte Diskussionen und Auseinandersetzungen über ästhetische Fragen. Sein zweites Hauptinteresse in dieser Phase galt der Musiktheorie bis hin zu ihren physikalischen Fundamenten. Rameau tauschte sich mit zahlreichen Philosophen und Naturwissenschaftlern aus und veröffentlichte umfangreiche Schriften. Von König Ludwig XV. mit einer jährlichen Pension bedacht und vielfach geehrt starb Rameau mit 81 Jahren als wohlhabender Künstler.

Stand: Juni 2019

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