Orlando Gibbons

© Faculty of Music and Collections of Musical Instruments, Oxford University / Wikimedia Commons

Orlando Gibbons

Orlando Gibbons (1583 – 1625) ist einer der bedeutendsten Meister des Elisabethanischen Zeitalters am Übergang zum Barock, das auch in der Musik als besondere Blütezeit in die Kulturgeschichte Englands eingegangen ist. Wie der wesentlich ältere William Byrd hat er dabei Anteil an den zahlreichen Sonderentwicklungen der englischen Musik jener Zeit, die sich in vielem von der Musik auf dem Kontinent unterschied. Gibbons’ überliefertes Schaffen ist verhältnismäßig schmal, aber ungemein vielfältig. Es umfasst alle seinerzeit wichtigen Gattungen von der Musik für repräsentative Gottesdienste und höfische und private Andachten über Madrigale bis zu mehrstimmiger Kammermusik und verschiedene Arten der Musik für Tasteninstrumente wie dem Virginal, der englischen Form des Cembalos. Eines seiner bekanntesten Stücke zeigt Gibbons Fantasie und Originalität schon in der Idee. In „The Cries of London“ bettet er die Verkaufsrufe Londoner Marktschreier in eine kunstvolle mehrstimmige Vokalkomposition ein.

Gibbons’ Weg war früh vorgezeichnet. Aus einer Oxforder Musikerfamilie stammend wurde er mit 13 Jahren in das King’s College in Cambridge aufgenommen, wo er unter der Anleitung seines älteren Bruders Edward eine umfassende Ausbildung als Sänger und Organist erhielt. 1603, noch vor seinem 20. Geburtstag wurde Gibbons in die Chapel Royal aufgenommen, die für die musikalische Ausgestaltung der Gottesdienste des englischen Königshauses zuständig war und damit die bedeutendste musikalische Institution des Landes darstellte. Nach einer gewissen Karenzzeit wurde er im März 1605 offiziell vereidigt. Gibbons blieb bis zu seinem Lebensende Mitglied der Chapel Royal und übernahm nach und nach weiter Ämter, unter anderem als Organist der Westminster Abbey. Neben den Arbeiten für das englische Königshaus entstanden viele Stücke für hohe Adelige und Angehörige des Hofes, aber auch für das gehobene Bürgertum. Herausragend muss Gibbons Spiel auf Tasteninstrumenten gewesen sein. In einer zeitgenössischen Quelle wird er als „best finger of that age“ bezeichnet. Gibbons starb überraschend am 5. Juni 1625, als er sich im Gefolge von König Charles I. in Canterbury aufhielt.

Stand: Juli 2019

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