Beatriz Ferreyra

Die Argentinierin Beatriz Ferreyra (*1937) gehört zur zweiten Generation der Komponist*innen elektronischer Musik und hat die ganze Entwicklung vom mühseligen Zusammenkleben von Tonbandschnipseln bis zur digitalen Computerumgebung mitvollzogen. Ihr Lebensweg verlief alles andere als geradlinig. Mit 18 Jahren ließ Beatriz Ferreyra das behütete Leben im elterlichen Haushalt in Argentinien hinter sich, ging erst in die USA und 1961 nach Paris, und hielt sich mehr schlecht als recht mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Lange Zeit schwankte die synästhetisch begabte Künstlerin zwischen bildenden Kunst und Musik. Eine erste Orientierung zur Musik hin brachte das Studium musiktheoretischer Fächer bei Nadia Boulanger, die der angehenden Komponistin vor allem künstlerischen Ernst und Unbedingtheit abforderte. Den entscheidenden Schaffensimpuls erhielt Ferreyra aber, als sie 1963 ein Konzert der am französischen Rundfunk ORTF angesiedelten Groupe des Recherches Musicales (GRM) anhörte, das sie faszinierte. Kurz danach kam sie in Kontakt mit dem Gründer der GRM, Pierre Schaeffer, der die Idee einer „musique concrète“, einer auf Alltagsgeräuschen basierenden, mit elektronischen Mitteln realisierten Musik, verfolgte. Beatriz Ferreyra begann im Studio der GRM Schaeffer zuzuarbeiten, gab bald selbst dort Unterricht und konnte auch eigene Kompositionen verwirklichen. Wirkliche künstlerische Freiheit erlangte sie aber erst 1970, als sie sich aus Schaeffers Umkreis löste. Sie erhielt Kompositionsaufträge, die sie in verschiedenen Studios für elektronische Musik umsetzen konnte, wurde zu Kursen und Vorträgen eingeladen und etablierte sich so als freischaffende Komponistin mit einem weit gespannten Arbeitsfeld.

In ihrem Schaffen ist Beatriz Ferreyra dem Ansatz Pierre Schaeffers treu geblieben, Musik aus der Offenheit für alle Klänge in der Welt heraus zu entwerfen. Konsequenterweise bildet das Aufnehmen und Archivieren der verschiedensten Arten von Klängen, die ihr begegnen, einen wichtigen Teil in ihrer künstlerischen Tätigkeit. Die gewonnenen Samples, zu denen auch rein elektronisch generierte Klänge gehören, bilden eine schier unerschöpfliche Materialquelle für ihr Komponieren. Generell zeichnet sich die Musik Beatriz Ferreyras durch eine extreme Vielseitigkeit aus. Auf der einen Seite stehen teils dadaistisch wirkende Collagen von Alltagsgeräuschen und Fetzen von Unterhaltungsmusik, auf der anderen bearbeitete Naturklänge, die wie Klangexpeditionen zu nicht existenten Völkern und Landschaften wirken. Trotz der manchmal extremen Diversität ihrer Ausgangsmaterialien sind ihre Collagen nie um der bloßen Buntheit willen zusammengefügt, sondern stets bewusst gestaltet und beweisen eine besondere Fähigkeit zur Inszenierung eines virtuellen musikalischen Raumes.

Stand: Januar 2020

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