Don Carlo Gesualdo

Es ist eine Szene wie aus einem Shakespeare-Drama. Mit blutverschmierten Händen tritt der eifersüchtige junge Ehemann aus dem Schlafgemach seiner Gattin, die er gerade in flagranti mit ihrem Liebhaber ertappt hat, dreht sich mit den Worten „Ich kann nicht glauben, dass sie tot sind“ um, geht zurück und stößt sein Messer noch einmal in den Leib seiner Frau. Mit dieser durch eine Zeugenaussage belegten Mordtat am 26. Oktober 1590 steht Don Carlo Gesualdo (1566–1613) einzigartig in der Musikgeschichte da. Auch wenn sie die Rezeptionsgeschichte Gesualdos bestimmt hat, entzieht sie sich unserem Verständnis, da uns die Lebensverhältnisse zu fern und zu viele Umstände der Tat ungeklärt sind.

Im Grunde ist aber das ganze Leben Gesualdos ein Sonderfall der Musikgeschichte. Er wurde am 8. März 1566 als zweiter Sohn des Fürsten von Venosa in Süditalien geboren. Selbstverständlicher Teil der adeligen Erziehung waren auch verschiedene musikalische Studien, die in Gesualdos Fall besonders intensiv gewesen sein müssen. Aus dynastischen Gründen heiratete er 1586, als er schon erste Kompositionen in Sammelwerken veröffentlicht hatte, seine sechs Jahre ältere Cousine. Diese Ehe muss schlimm verlaufen sein und mündete in die schrecklichen Ereignisse vom Oktober 1590.

Für den Mord wurde Gesualdo den damaligen Rechtsvorstellungen entsprechend nicht belangt. 1593 heiratete er ein zweites Mal. Die Ehe verband ihn und sein Fürstentum mit einem der einflussreichsten Geschlechter Italiens, der Familie d‘Este von Ferrara, an deren Hof einige der wichtigsten Musiker*innen jener Zeit wirkten wie der Madrigalkomponist Luzzasco Luzzaschi. Bis 1596 veröffentlichte Gesualdo insgesamt vier Bücher mit Madrigalen, danach verliert sich seine Spur allmählich im Dunkeln. 1611 erschienen noch einmal zwei Madrigalbücher und Gesualdos Vertonung der Responsorien der Karwoche. Er starb am 8. September 1613.

Gesualdos Musik wurde lange Zeit nicht beachtet und als seltsamer Sonderfall betrachtet. Seine um 1960 einsetzende Wiederentdeckung machte deutlich, dass sich Gesualdo mit seiner exzessiven Chromatik und ausdrucksstarken Harmonik in eine breitere Strömung italienischer Musik einordnet. Die Wirkungsmacht, mit der er diese musikalischen Mittel einsetzt, erscheint uns aber einzigartig, sodass seine Faszinationskraft ungebrochen ist.

Stand: September 2021

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