Frank Castorf

Frank Castorf (*1951) ist ein in Ost-Berlin geborener Theater- und Opernregisseur und ehemaliger Intendant der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin, wo er von 1992 bis 2017 wirkte. Seine Inszenierungen zählen zu den radikalsten und prägendsten Ereignissen der Theaterkunst des 20. Jahrhunderts. In seinen mehrstündigen Arbeiten liefern Dramen und Romane der Weltliteratur Versatzstücke, die mit Assoziationsmitteln wie Filmzitaten, anderen Bühnenwerken, politischen und philosophischen Texten, Songtexten sowie freien Textimprovisationen collagiert werden. Die von ihm über 25 Jahre geleitete Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz gestaltete er gemeinsam mit dem Bühnenbildner Bert Neumann nicht nur zu einem anarchischen, politischen und rauschhaften Theaterraum, in dem sehr unterschiedliche Handschriften von Künstlern wie Christoph Schlingensief, René Pollesch, Christoph Marthaler, Johann Kresnik oder Dimiter Gottscheff nebeneinander koexistieren konnten, sondern auch zu einem Ort, an dem neben Theater ein transdisziplinäres Programm aus Rockkonzerten, Tanz, Film sowie politischen und philosophischen Symposien geschaffen wurde. Seit 1998 inszeniert Castorf zunehmend auch Opern, darunter Verdis Otello (Theater Basel), La Forza del destino (Deutsche Oper Berlin) sowie Wagners Der Ring des Nibelungen (Bayreuther Festspiele). Als Gastregisseur wirkte er an internationalen Theater- und Opernhäusern, u. a. in Kopenhagen, Paris, Sao Paulo, Zürich, Basel, Wien, Stockholm, Hamburg, München. Castorfs künstlerisches Schaffen und Tätigkeit als Intendant wurde mehrfach geehrt, u. a. mit dem Fritz-Kortner-Preis, dem Theaterpreis Berlin der Stiftung Preußische Seehandlung, dem Preis des Internationalen Theaterinstituts, dem Schillerpreis der Stadt Mannheim, dem Verdienstorden des Landes Berlin, dem Friedrich-Luft-Preis, dem Golden Laurel Wreath Award des International Theater Festival MESS, dem Deutschen Theaterpreis DER FAUST sowie dem Großen Kunstpreis Berlin.