Alemdar Karamanov

Die Mutter von Alemdar Karamanov stammte aus einer Donkosaken-Familie, sein Vater, der in Moskau studiert hatte, aus der Türkei. Der Komponist selbst wurde 1934 in Simferopol, der Hauptstadt der Autonomen Republik Krim, geboren, deren deutsche Okkupation im Zweiten Weltkrieg die Familie überlebte. 1944 wurde der Vater von den sowjetischen Behörden nach Kasachstan verbannt, wo er starb. Trotz schwieriger Lebensumstände erhielt Karamanov Musikunterricht und begann bereits im Alter von fünf Jahren zu komponieren – mit neun schrieb er seine erste Oper. 1953 bestand er die Aufnahmeprüfung am Moskauer Konservatorium, wo er bei Semjon Bogatyrjow Komposition und bei Wladimir Natanson (der u. a. bei Samuil Feinberg ausgebildet worden war) Klavier studierte. Laut Alfred Schnittke lernte Karamanov am Konservatorium „alles unwahrscheinlich schnell“ und schrieb gleichzeitig unermüdlich ein Werk nach dem anderen: Während der Ausbildungszeit entstanden nicht weniger als sieben der insgesamt 24 Symphonien, ein Ballett, ein Klavierkonzert, zwei Klaviersonaten sowie mehrere kleinere symphonische und kammermusikalische Werke. Als Karamanovs Lehrer Bogatyrjow dessen Zweite Symphonie Dmitri Schostakowitsch zeigte, war dessen oft zitierte Reaktion: „Ein interessantes und eigenständiges Talent, dessen Originalität man schon in den Studien-Arbeiten nicht übersehen kann.“ 1958 schloss der ukrainische Komponist seine Ausbildung ab, worauf bis 1963 ein Aufbaustudium bei Dmitri Kabalewski und Tichon Chrennikow folgte. Karamanovs Weigerung, sich den offiziellen Vorgaben der Pseudoästhetik des „sozialistischen Realismus“ zu unterwerfen, hatte immer wieder zu scharfen Reaktionen der sowjetischen Behörden geführt und gipfelte in einem nahezu vollständigen Verbot seiner Musik. Er zog sich in seine Geburtsstadt Simferopol zurück und verbrachte sein Leben in Armut auf der Krim. Erst als 1991 eine Tonbandaufnahme seiner Kompositionen nach England gelangte, wurde sein Schaffen der westlichen Öffentlichkeit zugänglich gemacht – u. a. durch das Deutsche Symphonie-Orchester und Vladimir Ashkenazy, die im Rahmen der Berliner Festspiele 1995 die 23. Symphonie Karamanows zur Uraufführung brachten.

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