George Gershwin

 

Es gibt wohl keinen Komponisten, dessen Musik im Konzertsaal so unmittelbar als „amerikanisch“ eingeordnet wird, wie George Gershwin (1898–1937). Er hat Einflüsse aus verschiedenen Formen der amerikanischen Unterhaltungsmusik, der Folklore und der traditionellen Kunstmusik zu einer unverkennbar eigenen Tonsprache verschmolzen, die sich durch zupackende rhythmische Lebendigkeit, harmonischen Reiz und melodischen Reichtum auszeichnet.

George Gershwin wurde am 26. September 1898 im New Yorker Stadtteil Brooklyn geboren. Seine Eltern waren säkularisierte russische Juden, die aus St. Petersburg ausgewandert waren. Gershwin wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf und verlebte eine raue Kindheit und Jugend, in der er mehr auf der Straße als in der Schule war. Mit Musik kam er kaum in Berührung. Dies änderte sich, als die Eltern ein Klavier anschafften. Ab 1912 erhielt Gershwin Klavierunterricht bei einem Lehrer, der die Begabung seines Schülers erkannte, ihn mit der klassischen Klavierliteratur bis hin zu Debussy und Ravel bekannt machte und auch dafür sorgte, dass Gershwin mit Anfang zwanzig Theorieunterricht bekam. Neben dem Klavierunterricht verdingte sich Gershwin vom Mai 1914 an als Pianist bei einem Verlag in der so genannten Tin Pin Alley, einem Straßenzug in Manhattan, in dem sich Unternehmen der New Yorker Unterhaltungsmusikbranche konzentrierten. Seine Aufgabe war es unter anderem, Interessenten Songs aus dem Verlagsprogramm vorzuspielen. Kurz darauf begann Gershwin auch, Rollen für mechanische Klaviere zu bespielen. Insgesamt hat er bis 1927 auf diese Weise an die 130 Stücke aufgenommen, zu denen auch viele eigene Kompositionen gehören.

Die musikalisch banale Schlagerproduktion in der Tin Pin Alley konnte Gershwins künstlerischen Ansprüchen nicht genügen. Er knüpfte hier wertvolle Kontakte wie die zum Geschwisterpaar Adele und Fred Astaire, sah seine Zukunft aber in den Musicaltheatern am Broadway. 1917 kam er dort bei einem Theater als Probenpianist unter, schon bald machte er sich aber einen Namen als Komponist von Songs. Schon 1919 konnte Gershwin sein erstes komplettes Musical auf die Bühne bringen. Kurz zuvor war ihm mit dem Song Swanee ein geradezu märchenhafter Erfolg gelungen. Im Laufe der Zeit wurden zweieinhalb Millionen Exemplare der Noten verkauft und bereits im Januar 1920 erschien eine erste Schallplattenaufnahme des Songs.

1924 war ein entscheidendes Jahr für George Gershwin. Im Februar wurde in einem Konzert, bei dem der Jazz, damals ein Sammelname für Unterhaltungsmusik, und seriöse Musik zusammengeführt werden sollten und das von einem mit vielen Prominenten aus Kunst und Unterhaltung besetzten Publikum stattfand, seine Rhapsody in Blue uraufgeführt. Das unter hohem Zeitdruck in wenigen Wochen entstandene Stück wurde als Sensation empfunden und erlangte sogleich große Popularität. Im Dezember desselben Jahres wurde auch das Musical Lady, Be Good! mit rauschendem Erfolg aufgenommen. Es war das erste vollständige Musical, bei dem Gershwin mit seinem Bruder Ira zusammenarbeitete, der die Songtexte schrieb. In den folgenden Jahren schufen die beiden Brüder gemeinsam zahlreiche weitere Musicals, aus denen viele bis heute populäre Stücke wie I got Rhythm oder ’S Wonderful stammen.

Seine spektakulären Erfolge verhalfen Gershwin zu ungeahnter Popularität – so war er 1925 der erste Komponist auf dem Titelblatt des Time Magazins – und erheblichem Wohlstand. Auf Reisen in Europa und in Amerika kam er mit zahlreichen berühmten Kollegen in Kontakt und pflegte etwa freundschaftlichen Umgang mit Arnold Schönberg. Neben seinen Kompositionen für den Broadway ging Gershwin auch den mit der Rhapsody in Blue begonnenen Weg weiter und komponierte weitere Werke für den Konzertsaal wie das Concerto in F für Klavier und Orchester und das Orchesterstück An American in Paris. Von 1930 an entstanden auch mehrere Kompositionen für den Film. 1934 konnte Gershwin nach vielen vergeblichen Anläufen die Komposition einer Oper angehen, die er seit langem schon als sein eigentliches künstlerisches Ziel ansah. Am 2. September 1935 schloss Gershwin die Arbeit an Porgy and Bess ab. Die Oper, die von den Geschicken einer Gruppe von Afroamerikanern in einer ärmlichen Siedlung handelt, gilt heute als zentrales Werk des amerikanischen Musiktheaters. George Gershwin starb völlig überraschend am 11. Juli 1937.

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