Christian Tetzlaff

Christian Tetzlaff ist seit Jahren einer der gefragtesten Geiger und spannendsten Musiker der Klassikwelt. Konzerte mit Christian Tetzlaff werden oft zu einer existenziellen Erfahrung für Interpret und Publikum gleichermaßen, altvertraute Stücke erscheinen plötzlich in völlig neuem Licht. Daneben lenkt er den Blick immer wieder auf vergessene Meisterwerke wie das Violinkonzert von Joseph Joachim, für das er sich erfolgreich stark gemacht hat, und versucht, gehaltvolle neue Werke wie das von ihm im Jahre 2013 uraufgeführte Violinkonzert von Jörg Widmann im Repertoire zu etablieren – er pflegt ein ungewöhnlich breites Repertoire und gibt rund 100 Konzerte pro Jahr.

Christian Tetzlaff wird regelmäßig gebeten, als Residenzkünstler bei Orchestern und Veranstaltern über einen längeren Zeitraum seine musikalischen Sichtweisen zu präsentieren, so u. a. bei den Berliner Philharmonikern und der Londoner Wigmore Hall. In der Saison 2018/2019 war er Artist in Residence gleichzeitig beim Seoul Philharmonic Orchestra und den Dresdner Philharmonikern, in der Saison 2020/2021 wird ihm diese Ehre beim London Symphony Orchestra zuteil, mit drei verschiedenen Konzertblöcken unter der Leitung von Antonio Pappano, Susanna Mälkki und Robin Ticciati.

Im Verlauf seiner Karriere gastierte Christian Tetzlaff bereits mit allen großen Orchestern, darunter den Wiener und New Yorker Philharmonikern, dem Concertgebouworkest und allen Londoner Orchestern. Er arbeitete mit legendären Maestri wie Sergiu Celibidache, Christoph von Dohnányi, Bernard Haitink, Lorin Maazel und Kurt Masur, aber auch in jüngerer Zeit mit Barbara Hannigan, Christoph von Dohnányi, Paavo Järvi, Vladimir Jurowski, Andris Nelsons, Sir Simon Rattle, Esa-Pekka Salonen und Michael Tilson Thomas, um nur einige zu nennen.

Höhepunkte der Spielzeit 2019/2020 sind Konzerte in den USA beim National Symphony Orchestra Washington mit Christoph Eschenbach und beim Metropolitan Orchestra New York unter Gianandrea Noseda. In Asien gastiert er beim Seoul Philharmonic Orchestra unter Manfred Honeck und beim Yomiuri Nippon Symphony Orchestra unter Cornelius Meister. In Europa freuen sich auf ihn das Orchestre de Paris und Orchestre National de France, das London Symphony Orchestra, Philharmonia Orchestra, Deutsche Symphonie-Orchester Berlin, hr- Sinfonieorchester Frankfurt sowie das NDR Elbphilharmonie Orchester und die Berliner Philharmoniker bei den Festspielen Baden-Baden und mit DirigentInnen wie Marc Albrecht, Karina Canellakis, Philippe Herreweghe, Emmanuel Krivine, Hannu Lintu, Gianandrea Noseda und Tugan Sokhiev.

Was den 1966 in Hamburg geborenen und inzwischen mit seiner Familie in Berlin lebenden Musiker so einzigartig macht, sind – neben seinem großen geigerischen Können – vor allem drei Dinge: Er nimmt den Notentext wörtlich, er versteht Musik als Sprache, und er liest die großen Werke als Erzählungen, die existenzielle Einsichten spiegeln. Was hier ganz selbstverständlich klingt, ist im Konzertalltag ein eher ungewöhnlicher Ansatz. Wenn Christian Tetzlaff den Notentext so tief wie möglich zu erfüllen versucht – ohne Rücksicht auf die „Aufführungstradition“ und ohne sich die oft üblichen geigentechnischen Erleichterungen zu gönnen –, dann zeigen sich die altbekannten großen Werke oft in neuer Klarheit und Schärfe. Als Geiger versucht Tetzlaff hinter dem Werk zu verschwinden – und das macht seine Interpretationen paradoxerweise sehr individuell.

Zum Zweiten „spricht“ Christian Tetzlaff mit seiner Geige, sein Spiel umfasst, wie die menschliche Sprache, eine große Bandbreite an Ausdrucksmöglichkeiten und ist nicht allein auf Wohlklang und virtuosen Glanz ausgerichtet. Vor allem aber versteht er die Meisterwerke als Geschichten, die von zentralen Erfahrungen handeln. In ihrer Musik haben die Komponist*innen intensivste Gefühle, höchstes Glück und tiefste Krisen verarbeitet, und so begibt sich auch Christian Tetzlaff als Musiker in diese Grenzbereiche der Emotionen und der musikalischen Gestaltung. In vielen Stücken geht es um nichts Geringeres als um Leben und Tod. Das dem Publikum zu vermitteln, ist Christian Tetzlaffs Ziel.

Bezeichnenderweise hat Tetzlaff viele Jahre in Jugendorchestern gespielt, in Uwe-Martin Haiberg an der Musikhochschule Lübeck hatte er einen Lehrer, für den die musikalische Interpretation der Schlüssel zur Geigentechnik war – nicht umgekehrt. Bereits 1994 gründete Christian Tetzlaff sein eigenes Streichquartett, und bis heute liegt ihm die Kammermusik ebenso am Herzen wie seine Arbeit als Solist mit und ohne Orchester. Jedes Jahr unternimmt er mit dem Tetzlaff Quartett mindestens eine ausgedehnte Tournee, in der Saison 2019/2020 unter anderem in die Alte Oper Frankfurt, die Elbphilharmonie Hamburg, Philharmonie Berlin, Palais des Beaux Arts Bruxelles und Wigmore Hall London. Das Tetzlaff Quartett wurde 2015 mit dem Diapason d’or ausgezeichnet; das Trio mit seiner Schwester Tanja Tetzlaff und dem Pianisten Lars Vogt wurde für den Grammy nominiert. In Trio-Formation wird er in dieser Spielzeit u. a. beim Rheingau Musik Festival zu hören sein. Duos spielt er mit Lars Vogt, zum Beispiel auf einer ausgedehnten USA- Tournee und bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern, aber auch mit Alexander Lonquich im Boulez-Saal Berlin.

Für seine CD-Aufnahmen hat Christian Tetzlaff zahlreiche Preise erhalten, zuletzt den Jahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik 2018, den Diapason d’or im Juli 2018 und den Midem Classical Award in 2017. Mit Spannung wird im Herbst 2019 bei Ondine die neue Einspielung der Violinkonzerte von Ludwig van Beethoven und Jean Sibelius mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin unter Robin Ticciati erwartet.

Ein besonderes Anliegen sind ihm seit jeher die Solo-Sonaten und Partiten von Johann Sebastian Bach, deren Aufnahmen er 2017 zum dritten Mal veröffentlichte. The Strad Magazin lobte diese Aufnahme als „aufmerksame und lebendige Antwort auf die Schönheiten der Bach’schen Solowerke“. Auch in seinem Konzertkalender sind sie inzwischen fester Bestandteil, so eröffnete er im Juli 2019 das Schleswig-Holstein Musik Festival mit einem Solorezital im ausverkauften großen Saal der Elbphilharmonie und wird auch in St. Petersburg, Moskau und in der Philharmonie Berlin alleine auf der Bühne stehen.

Christian Tetzlaff spielt eine Geige des deutschen Geigenbauers Peter Greiner und unterrichtet regelmäßig an der Kronberg Academy.

www.christian-tetzlaff.de

Stand: Mai 2020

Christian Tetzlaff

© Giorgia Bertazzi

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