Samuel Barber

 

Samuel Barber (1910–1981) ist eine wie aus der Zeit gefallene Erscheinung. Denn als Generationsgenosse von avantgardistischen Komponisten wie Elliott Carter und John Cage hielt er unbeirrt an den Ausdrucksmitteln und Formen der Spätromantik fest, in denen er sein Talent zu lyrischer Kantabilität am besten entfalten konnte. Seinen schöpferischen Weg beschritt Barber mit bemerkenswerter Unabhängigkeit, großer Ernsthaftigkeit und Konsequenz. In Werken wie dem Violinkonzert oder dem Streichquartett, dessen für Streichorchester bearbeiteter zweiter Satz als Adagio for Strings weit über die Grenzen des Konzertsaales hinaus bekannt geworden ist, ist ihm eine Musik von unverstellter Direktheit und expressiver Kraft gelungen.

Samuel Barber wurde am 9. März 1910 in West Chester, einer Kleinstadt in der Nähe von Philadelphia an der amerikanischen Ostküste, geboren. Musik war in der Familie, in der er aufwuchs, allgegenwärtig. Die wichtigste musikalische Bezugsperson für Barber war sein Onkel Sidney Homer, der vor allem als Komponist von Liedern bekannt geworden ist. Schon in der Kindheit zeichnete sich Barbers schöpferisches Talent ab. Mit 14 Jahren begann er, das neu gegründete Curtis Institute in Philadelphia zu besuchen, wo er eine umfassende Ausbildung erhielt und Gesang, Klavier und Komposition studierte. Am Curtis Institute traf er auch auf den ein Jahr jüngeren, in Italien geborenen Gian Carlo Menotti, selbst ein zukünftiger Komponist, der zu Barbers Librettisten, engstem Mitarbeiter und auch zu seinem Lebensgefährten werden sollte.

1931, im Alter von 21 Jahren, schuf er die Ouvertüre The School for Scandal und das groß angelegte Lied Dover Beach. Beide Werke sind gegensätzlich im Charakter und bezeichnen die Pole, zwischen denen Barbers Schaffen angesiedelt ist. The School for Scandal ist ein meisterhaft instrumentiertes, sonnendurchflutetes Stück, in dem Barber ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen kapriziöser Heiterkeit und gesanglicher Melodik findet. Voll herber Melancholie ist dagegen Dover Beach für die ungewöhnlich Besetzung mit Bariton und Streichquartett, ein Werk von erstaunlicher Reife für einen so jungen Komponisten. Sowohl das Lied als auch die Orchestermusik wurden zu den tragenden Säulen seines Schaffens. In ihnen verfügte Barber auch über praktische Erfahrungen als ausübender Künstler. So studierte er Dirigieren unter anderem bei Fritz Reiner und George Szell, leitete zahlreiche Konzerte und nahm 1951 mehrere seiner Kompositionen auf Schallplatte auf. Vielleicht noch näher lag ihm der Gesang. Bis in die 1940er Jahre hinein erfreute sich Barber einer Karriere als Bariton. Seine ganz von der Melodie her gedachten Lieder haben unter großen Sängern engagierte Fürsprecher gefunden. Die Textwahl seiner Lieder reicht von Dichtungen von James Joyce und Rainer Maria Rilke bis zu anonym überlieferten Texten irischer Mönche und zeigt die hohe literarische Bildung und den treffsicheren Geschmack des Komponisten.

Barbers Aufstieg als Komponist vollzog sich rasch und stetig. Schon für The School for Scandal wurde ihm ein Kompositionspreis zuerkannt. Ein Stipendium ermöglichte ihm von 1935 bis 1937 einen Aufenthalt in Rom. Als Arturo Toscanini 1938 in einem im Rundfunk übertragenen Konzert den Essay for Orchestra und das Adagio for Strings aufführte, erlangte Barber landesweite Berühmtheit und internationale Anerkennung. Ab 1939 entstanden beinahe alle Kompositionen als Auftrag für bestimmte Orchester oder Interpreten wie zum Beispiel Vladimir Horowitz. Barbers Musik wurde in aller Welt aufgeführt und er selbst mit hohen Auszeichnungen geehrt. Wenig Glück hatte Barber indessen mit seinen beiden Opern. Vanessa, uraufgeführt 1958 an der Metropolitan Opera in New York, wurde zwar günstig aufgenommen, konnte sich aber nicht im Spielplan behaupten. Die Premiere von Antony and Cleopatra acht Jahre später wurde zu einem regelrechten Desaster, das Barber tief enttäuschte. Die überladene Inszenierung wurde von der Kritik zerrissen, Barbers Musik als wenig inspiriert beurteilt. Einer Neufassung, an der der Komponist lange arbeitete, war ebenfalls kein durchschlagender Erfolg beschieden. Barber starb am 23. Januar 1981 in New York.

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