Mariss Jansons

© Marco Borggreve

Mariss Jansons

Was ist Mariss Jansons Geheimnis? Wie schafft er es immer wieder, mit seinen Orchestern höchstes Niveau und internationale Anerkennung zu erreichen? In der Dezember-Ausgabe 2008 von Gramophone schildert er sein Vorgehen: „Ich sehe es als meine Aufgabe an, die besonderen Qualitäten eines Orchesters herauszufinden und zu bewahren. Wenn dann durch einen natürlichen Prozess meine Persönlichkeit noch etwas hinzufügt – und umgekehrt die des Orchesters mir – dann ist es gut.“ Und gut ist es ganz sicherlich, wie nach seiner Ernennung zum Chefdirigenten des Royal Concertgebouw für jedermann offensichtlich war.

Der 1943 in der lettischen Hauptstadt Riga geborene und in der Sowjetunion aufgewachsene Sohn des Dirigenten Arvid Jansons studierte Violine, Klavier und Dirigieren am Leningrader Konservatorium. 1969 setzte er seine Ausbildung in Wien bei Hans Swarowsky fort und empfing dann wesentliche Impulse durch Herbert von Karajan in Salzburg. Zwei Jahre später gewann er den ersten Preis im internationalen Herbert-von-Karajan-Wettbewerb in Berlin und wurde im gleichen Jahr von Jewgenij Mrawinsky als Assistent zu den Leningrader Philharmonikern (den heutigen St. Petersburger Philharmonikern) geholt. Diesem Orchester, mit dem er weltweit Konzertreisen unternahm, blieb Jansons als ständiger Dirigent beinahe dreißig Jahre lang, bis 1999, treu. Eine dauerhafte und intensive Arbeitsbeziehung, wie sie ihn mit diesem Orchester verbindet, ist für Jansons’ Auffassung von den Aufgaben eines Dirigenten charakteristisch. Gleich zweimal gelang ihm so auch das Kunststück, ein international zweitklassiges Orchester zu einem weltweit anerkannten Klangkörper umzuformen: mit dem Oslo Philharmonic Orchestra, dessen Chefdirigent er über zwanzig Jahre lang war (1979 bis 2000), und mit dem Pittsburgh Symphony Orchestra, das er von 1997 bis 2004 leitete.

Mit der Saison 2003/2004 verlegte Mariss Jansons den Schwerpunkt seiner künstlerischen Arbeit nach Europa. Er wurde Chefdirigent von Symphonieorchester und Chor des Bayerischen Rundfunks in München – diesen Vertrag hat er vor Kurzem bis zum Jahr 2015 verlängert – und folgte außerdem 2004 Riccardo Chailly als bislang sechster Chefdirigent des Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam. Darüber hinaus hat er als Gastdirigent mit allen bedeutenden Orchestern der Welt zusammengearbeitet. Einen besonderen Stellenwert nehmen dabei die Wiener und Berliner Philharmoniker ein: Diese Orchester dirigiert Mariss Jansons regelmäßig in Wien und Berlin, aber auch auf Tourneen durch Europa, die USA und Japan.

In seiner langen Karriere hat Mariss Jansons mit verschiedenen Orchestern und für unterschiedliche Labels zahlreiche Werke eingespielt. Seine Aufnahmen wie der über eine lange Zeit und mit verschiedenen Orchestern realisierte Zyklus aller Symphonien von Dmitri Schostakowitsch wurden vielfach preisgekrönt. Für sein Wirken hat der Dirigent international bedeutende Auszeichnungen und Ehrungen erhalten. Mariss Jansons wird zum Ende der Saison 2014/15 seine Tätigkeit als Chefdirigent des Amsterdamer Concertgebouw Orchesters beenden.

Stand: Juni 2014

Vergangene Veranstaltungen