Astor Piazzola

 

Die überraschende Renaissance des Tangos in den letzten dreißig Jahren ist untrennbar mit dem Schaffen von Astor Piazzolla (1921–1992) verknüpft. Er hat zahlreiche Weiterentwicklungen des traditionellen Tangos angestoßen, mit neuen Besetzungen und Instrumenten experimentiert und einige der populärsten neuen Tangos geschaffen. Dabei hat er den Tango, der ursprünglich reine Tanz- und Unterhaltungsmusik war, an die Kunstmusik herangeführt und namhafte klassische Interpreten für seine Musik begeistert.

Astor Piazzolla wurde am 11. Februar 1921 in Mar del Plata in Argentinien geboren. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in New York, wo er von 1929 an Klavierunterricht und Unterricht im Spiel des Bandoneons erhielt, dem klassischen Akkordeon-Instrument des argentinischen Tangos. Nachdem seine Familie 1937 nach Buenos Aires gezogen war, konnte er sich dort rasch als Bandoneonspieler und Arrangeur im Kreis der Tangomusiker etablieren und leitete schließlich von 1944 bis 1949 ein eigenes Tangoorchester. Gleichzeitig wendete er sich der klassischen Musik zu und studierte von 1940 bis 1946 bei dem nur wenig älteren argentinischen Komponisten Alberto Ginastera.

Die gleichzeitige Beschäftigung mit Unterhaltungsmusik und klassischer Komposition blieb für Piazzollas künstlerisches Leben prägend. Zu Beginn der 1950er Jahre konzentrierte er sich auf sein Komponieren und schuf mehrere dem Neoklassizismus nahestehende Werke. 1954 studierte er für ein Jahr bei Nadia Boulanger in Paris, die die doppelte Begabung Piazzollas erkannte und ihn anregte, sich schöpferisch mit dem Tango auseinanderzusetzen. Nach seiner Rückkehr nach Buenos Aires entwickelte Piazzolla schließlich seine eigene Form des kammermusikalischen Tangos, den „Tango nuevo“. Dabei verbindet er Elemente des Jazz und der Kunstmusik mit dem traditionellen Tango zu einer rhythmisch vielfältig belebten und harmonisch reichen Musik. Von Traditionalisten wurde Piazzolla dafür zunächst angegriffen, allmählich konnte er sich aber durchsetzen und kam Ende der 1960er Jahre zu breiter Popularität. Von 1974 an lebte Piazzolla in Italien, wo er mehrere Schallplatten einspielte und elektronische Instrumente in seine Ensembles aufnahm. Sein vielgestaltiges Schaffen umfasst neben einer enormen Zahl an Tangokompositionen auch Werke für den Konzertsaal, unter anderem konzertante Kompositionen für Bandoneon und Orchester, sowie etwa 60 Filmmusiken, die zum Teil sehr populär geworden sind.