Johann Sebastian Bach

Johann Sebastian Bach

Johann Sebastian Bach gehöret zu einem Geschlechte, welchem Liebe und Geschicklichkeit zur Musick, gleichsam als ein allgemeines Geschenck, für alle seine Mitglieder, von der Natur mitgetheilet zu seyn scheinen.

So beginnt der biografische Bericht in dem 1754 erschienenen, von einem Sohn Bachs mitverfassten Nekrolog auf Johann Sebastian Bach (1685-1750). Für Bach war die Zugehörigkeit zu diesem Geschlecht viel mehr als nur die zu einem lockeren Verbund von gleichartig Begabten, sie bedeutete für ihn Geborgenheit und ein sicheres Netz in der Not. Denn schon mit 10 Jahren war Bach, der Sohn eines Stadtmusikers aus Eisenach, Vollwaise. Er fand Aufnahme bei seinem ältesten Bruder, der Organist in einem kleinen Städtchen in der Nähe war und dem nun bei ihm wohnenden Kind die Grundlagen des Klavierspiels beibrachte.

Mit 15 Jahren verließ Bach Thüringen und wurde Chorschüler an der Kirche St. Michaelis in Lüneburg. Seine allgemeine musikalische Ausbildung muss dort sehr rasch vorangeschritten sein. Offenbar verfügte Bach auch damals schon über einen gewissen Ruf als Experte für Orgelbau, denn im Juli 1703 wurde er eingeladen, an der Abnahme und Einweihung einer neuen Orgel im thüringischen Arnstadt teilzunehmen. Der junge Musiker muss dabei einigen Eindruck gemacht haben, denn keine vier Wochen später wurde er schon zum Organisten an dieser Kirche bestellt. Von dieser ersten Anstellung an, die dem Ehrgeiz des selbstbewussten jungen Mannes längerfristig keinesfalls genügen konnte, betrieb er umsichtig seinen Aufstieg zu angeseheneren – und auch immer besser bezahlten – Positionen.

Bach blieb vier Jahre in Arnstadt, um 1708, nach einer kurzen Zwischenstation als Organist in Mühlhausen, in den Dienst des Herzogs von Weimar zu treten. Hier entstanden bis Ende 1717 die ersten Meisterwerke, die wir bis heute zum Kern seines Schaffens zählen, vor allem Orgelmusik wie die „Passacaglia“ c-Moll BWV 582 und Kantaten. Vom Weimarer Hof, wo er sich lange wohlgefühlt hatte, schied Bach in Unfrieden. Er hatte um Entlassung aus dem Dienst gebeten, um Kapellmeister des Fürsten von Anhalt-Köthen zu werden, bei dem er bessere Möglichkeiten für sich sah. In Weimar wollte man den Musiker aber nicht so ohne Weiteres ziehen lassen, und so musste Bach vier Wochen in Arrest verbringen ehe er seinen neuen Dienst antreten konnte. In Köthen stand Bach in der Hofkapelle ein Ensemble hervorragender Musiker zur Verfügung. Der Schwerpunkt seines Schaffens verlagerte sich nun auf die Instrumentalmusik. Unter anderem sind die „Brandenburgischen Konzerte“, der erste Teil des „Wohltemperierten Klaviers“ und die sechs „Sonaten und Partiten“ für Violine solo Früchte dieser Zeit.

Bach hatte in Köthen eine vorzügliche Stellung, und er gründete nun auch eine eigene Familie. Mit Sorge musste er dann zur Kenntnis nehmen, dass die Kosten der Hofhaltung die finanziellen Möglichkeiten der kleinen Residenz überstiegen. Bach streckte deshalb erneut seine Fühler aus, und als 1722 das Amt des Thomaskantors in Leipzig, eines der angesehensten musikalischen Ämter Mitteldeutschlands, neu zu besetzen war, bewarb er sich. Das Verfahren war langwierig, und es gab mehrere hochrangige Kandidaten aus ganz Deutschland. Schließlich fiel die Wahl auf Bach, der im Frühjahr 1723 in sein neues Amt eingeführt wurde.

In Leipzig hatte Bach endlich seinen Lebensmittelpunkt gefunden, und trotz mancher Zwistigkeiten und Misshelligkeiten mit dem Rat der Stadt sollte er aus Leipzig nicht mehr fortziehen. 27 Jahre lang versah Bach das Amt des Kantors und Musikdirektors der Stadt. Anfangs komponierte er vor allem Kirchenmusik, bis er über einen großen Fundus an eigenen Werken verfügte, mit denen er den Gottesdienst an den vier Leipziger Kirchen bestreiten konnte. Von den 1730er Jahren an stand dann wieder die Instrumentalmusik im Zentrum seines Schaffens. Über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren entstand die groß angelegte vierteilige „Clavieruebung“, zu der unter anderem die „6 Partiten“, das „Italienische Konzert“ und die „Goldbergvariationen“ gehören und die ein Kompendium aller Möglichkeiten der Musik für Tasteninstrumente darstellt. Das Aufzeigen aller kompositorischen Möglichkeiten in beispielhaften Werken wie der „Clavieruebung“ war ein Grundimpuls seines späten Schaffens, das in seiner Einheit von emotionaler Kraft und rationaler Tiefe einen der Höhepunkte der Musikgeschichte bildet.

Als allgemein anerkannter Musiker, der freilich manchen Jüngeren als Vertreter eines veralteten, überholten Stils galt, und als berühmter Orgelvirtuose und -experte verlief Bachs Leben in zusehends ruhigen Bahnen. Im Mai 1747 unternahm er auf Einladung Friedrichs II. noch einmal eine Reise nach Potsdam und Berlin. Bachs letztes Lebensjahr stand dann im Zeichen einer schweren gesundheitlichen Krise, von der er sich nicht mehr erholen sollte. Er starb am 28. Juli 1750.

Stand: Juni 2015

Vergangene Veranstaltungen