Béla Bartók

© N.N.

Béla Bartók

Béla Bartók ist ein Komponist, der in keine Schublade passt. Mit Recht kann man in Bartók – und dies oft sogar in ein und demselben Werk – sowohl den Ausdrucksmusiker als auch den Konstruktivisten sehen, den entschiedenen Fortschrittler ebenso wie den vorsichtigen Konservativen, schließlich auch den Komponisten von Kunstmusik mit einer Leidenschaft für die Musik des einfachen Volkes, deren Intensität befremden kann. Obwohl in seinen Werken eine spezifische musikalische Rationalität wie der Aufbau aus kleinsten motivischen Zellen oder die Arbeit mit symmetrischen Skalen- und Akkordbildungen eine bedeutende Rolle spielt, finden sich immer auch Elemente, die nur als unwillkürliche, subjektive Regungen des schöpferischen Vermögens begriffen werden können.

Bartók stammt aus einem Haushalt begeisterter Amateurmusiker. Den ersten Klavierunterricht erhielt er von der Mutter, danach von wechselnden Lehrern. Allmählich schälte sich eine pianistische Karriere als realistische Möglichkeit des Lebensunterhalts heraus. 1902 gab die Begegnung mit dem Schaffen Richard Strauss’ seinem Komponieren dann einen entscheidenden Anstoß. Von Strauss angeregt, entstand die Symphonische Dichtung „Kossuth“, die in Budapest aufgeführt und vom Publikum sehr gut aufgenommen wurde. Es folgte eine Phase des Suchens. Als ihm dann im Januar 1907 eine Klavierprofessur in Budapest angeboten wurde, sagte Bartók zu. Er ließ sich in Budapest nieder, wo er bis 1934 an der Musikakademie unterrichtete.

Kurz zuvor war jedoch etwas künstlerisch Entscheidendes geschehen. Im Sommer 1906 war Bartók erstmals mit unverfälschter ungarischer Volksmusik in Berührung gekommen. Als erste Frucht dieser Begegnung erschien schon im Dezember desselben Jahres eine erste kleine Sammlung von Volksmusikbearbeitungen, die Bartók gemeinsam mit seinem Freund Zoltán Kodály erarbeitet hatte. Von nun an nahm die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Volks- und Bauernmusik Osteuropas in Bartóks Leben einen bedeutenden Platz ein. In der Zeit zwischen 1906 und 1918 sammelte Bartók etwa 10.000 Melodien vornehmlich aus verschiedenen Landschaften des damaligen Großungarn. Viele charakteristische Merkmale seines Stils lassen sich auf die Beschäftigung mit dieser Musik zurückführen oder berühren sich zumindest mit ihr.

Inspiriert von der Begegnung mit der Volksmusik gelang Bartók ein schöpferischer Durchbruch. In den von 1908 an entstandenen Klavierwerken wie den „14 Bagatellen“ oder dem „Allegro barbaro“ fand er erstmals zu einem unverwechselbar eigenen Stil. Auch wenn wir in der Rückschau im Jahr 1908 den Beginn einer reichen Schaffensphase sehen können, die über die Oper „Herzog Blaubarts Burg“ zu expressionistischen Meisterwerken wie dem Ballett „Der wunderbare Mandarin“ führte, war der Weg für Bartók steinig, begleitet von heftigen Selbstzweifeln und schweren schöpferischen Krisen. Die Aufnahme seiner Werke war zwiespältig und insgesamt wenig ermutigend; Erfolge hielten sich die Waage mit Fiaskos und Enttäuschungen. Immerhin wurde Bartók von den 1920er Jahren an allgemein als ein führender Komponist wahrgenommen.

Eine weitere Zäsur in seinem Schaffen bildet der Sommer 1926, in dem mehrere Klavierwerke entstanden. Sie eröffnen eine neue, sozusagen klassische Periode in seinem Œuvre, in der Bartók eine eigene Balance zwischen traditionell überlieferten Formen und seiner persönlichen Tonsprache fand. Den Anschluss Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland und die zunehmende Macht der Rechten in Ungarn beobachtete Bartók mit Sorge. Er entschloss sich, seine Heimat zu verlassen, auch wenn er nicht direkt mit rassischer oder politischer Verfolgung rechnen musste. Im Oktober 1940 emigrierte Bartók in die USA, wo er sich in New York niederließ. Dort hatte Bartók große Schwierigkeiten, sich in dem von europäischen Flüchtlingen überschwemmten Musikleben zu behaupten. Nachdem er anfangs kein neues Stück mehr beenden konnte, entstanden ab 1942 wieder Kompositionen, allesamt Auftragswerke wie das für das Boston Symphony Orchestra entstandene „Concerto für Orchester“. Seine Musik dieser Zeit, die sich nun deutlich von der der „klassischen“ Periode abhebt, hat den Charakter eines Bekenntnisses, teils tief verzweifelt, teils ostentativ heiter und optimistisch. Der seit 1942 an Leukämie erkrankte Komponist starb am 26. September 1945 in New York.

Stand: Juni 2017

Vergangene Veranstaltungen