Benjamin Britten

 

Benjamin Britten wurde am 22. November 1913 in Lowestoft, einem kleinen Ort in Suffolk an der Ostküste Englands, geboren. Britten zeigte schon sehr früh eine erstaunliche musikalische Begabung und begann bereits in seinem fünften Lebensjahr zu komponieren. Mit sieben Jahren erhielt er Klavier-, drei Jahre später auch Bratschenunterricht. 1927 wurde Britten dem Komponisten Frank Bridge vorgestellt, bei dem er ernsthaften Kompositionsunterricht erhielt. Bridge führte Britten in die in England kaum bekannte Neue Musik seiner Zeit von Skrjabin bis zur Schönberg-Schule ein. Er förderte seinen Schüler so, dass diesem später das reguläre Kompositionsstudium in London kaum noch etwas geben konnte. Immerhin konnte Britten hier in seinem gleichzeitigen Klavierstudium seine pianistische Technik zur Konzertreife entwickeln. 1933 beendete er seine Studien und schon im folgenden Jahr wurde eins seiner Werke, die „Phantasy“ für Oboenquartett, erfolgreich im Ausland aufgeführt.

1935 nahm Britten den Auftrag an, Musik zu einigen von der britischen Postgesellschaft produzierten, sozial engagierten Dokumentarfilmen zu schreiben. Durch diese Arbeit kam er mit dem Dichter W. H. Auden zusammen, dessen politisches Denken und soziales Bewusstsein Britten stark beeinflussten. In Zusammenarbeit mit Auden entstanden einige anklagende, bitter ironische Chorwerke, in denen sich auch der überzeugte Pazifismus des Komponisten äußerte. Als Auden England 1939 den Rücken kehrte und sich in den USA niederließ, folgte ihm bald auch der von seiner Heimat enttäuschte Britten. Dabei wurde er von dem Tenor Peter Pears begleitet, der sein kongenialer, viele Werke inspirierender Interpret und Lebenspartner werden sollte. Noch dominierte allerdings die Instrumentalmusik in Brittens Schaffen und in den USA kamen gewichtige Orchesterwerke hinzu, das Violinkonzert und die „Sinfonia da requiem“. In der Fremde merkte Britten bald, wie tief er in seiner Heimat verwurzelt war. So entschlossen er und Peter Pears sich zur Rückkehr und reisten im März 1942 zurück in das vom Krieg gezeichnete Großbritannien. Als Kriegsdienstverweigerer wurde er nicht eingezogen, wohl aber verpflichtet, zahlreiche Konzerte auch vor einem der Musik eigentlich fern stehendem Publikum zu geben. Mit dem Bemühen um größere Einfachheit und breitere Verständlichkeit scheinen Brittens Werke dieser Zeit diese Umstände zu reflektieren.

1944 begann der Komponist mit der Arbeit an der Oper, die sein Hauptwerk werden sollte: „Peter Grimes“, dem Drama eines Außenseiters. Das Datum der enthusiastisch aufgenommen Uraufführung der Oper, der 7. Juni 1945, bezeichnet einen Wendepunkt in der Geschichte der britischen Oper, die sich von da an quasi aus dem Nichts zu einer lebendigen Kunstform entwickelte. Mit einer Reihe von Kammeropern und Werken für große Bühnen hatte Britten selbst maßgeblichen Anteil an dieser Entwicklung.

1948 ließ sich Britten und Pears in Aldeburgh nieder, einer Kleinstadt in Suffolk, der Heimat des Komponisten. Sie gründeten hier ein jährlich stattfindendes Festival, das bis heute zu den wichtigsten in Großbritannien zählt. In den Kompositionen für das Aldeburgh Festival und für seine Interpreten lag fortan der Schwerpunkt seines Schaffens. So entstanden zum Beispiel die „3 Suiten für Violoncello solo“ für Mstislav Rostropowitsch, der sie auf dem Aldeburgh Festival uraufführte. Daneben nahm Britten auch einige gewichtige auswärtige Kompositionsaufträge an, wie den für das erschütternde „War Requiem“, das zum ersten Mal zur Wiedereröffnung der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Kathedrale von Coventry am 25. Mai 1962 erklang. Brittens letzte Lebensjahre waren von Krankheit überschattet. 1973 musst er sich einer schweren Herzoperation unterziehen, von der er sich nicht mehr richtig erholen konnte. Die Komposition „Phaedra“, eine Knatate für Mezzospran und kleines Orchester, sollte eines seiner letzten Werke sein. Am 4. Dezember 1976 starb der Komponist in Aldeburgh.