Antal Doráti

 

Der Ungar Antal Doráti (1906–1988) vereinigte ein umfangreiches kompositorisches Schaffen mit einer Weltkarriere als Dirigent. Doráti wurde am 9. April 1906 in Budapest als Kind eines Musikerehepaares geboren. Schon im Alter von 14 Jahren begann er neben dem Gymnasialunterricht an der Budapester Musikakademie Dirigieren und Komposition zu studieren, unter anderem bei Zoltán Kodály. 1924 konnte Doráti so im selben Jahr sowohl die Schule als auch sein Studium abschließen. Er wurde direkt als Korrepetitor und Dirigent an die Budapester Oper verpflichtet, war 1928 Assistent von Fritz Busch an der Dresdener Staatsoper und dann von 1929 bis 1933 Erster Kapellmeister an der Oper in Münster. Während des Nationalsozialismus mied Doráti Deutschland zunehmend. Er nahm Engagements in Monte Carlo an und ging schließlich als Dirigent des American Ballet Theater nach New York. Nach mehreren weiteren Stationen wurde Doráti, der 1947 die amerikanische Staatsbürgerschaft annahm, 1949 Chefdirigent des Minneapolis Symphony Orchestra. Dieses Orchester leitete Doráti bis zum Jahr 1960 und formte es zu einem Klangkörper von internationalem Rang. Bis 1981 hatte Doráti dann Führungspositionen bei einer Reihe von großen europäischen und amerikanischen Orchestern inne, unter anderem in London, Stockholm, Washington und Dallas. Als Dirigent verfügte Doráti über ein außergewöhnlich großes Repertoire, wobei er sich vor allem auch für Werke aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts einsetzte. Mit verschiedenen Orchestern hat er eine beeindruckende Zahl von oft vorzüglichen Schallplattenaufnahmen gemacht und dabei mit der zwischen 1969 und 1972 entstandenen ersten Gesamtaufnahme aller 107 Symphonien Joseph Haydns regelrecht Geschichte geschrieben. Antal Doráti starb am 13. November 1988.

Lange Zeit stand für Doráti sein Fortkommen als Dirigent so sehr im Vordergrund, dass er kaum Zeit für das Komponieren erübrigen konnte und es schließlich aufgab. Mitte der 1950er Jahre jedoch gelang es ihm, neben seinen Verpflichtungen als Dirigent kontinuierlich Zeit für eigenes Schaffen zu finden. Beinahe jährlich konnte er ein größeres Werk fertigstellen, so dass sein Werkkatalog erstaunlich umfangreich und vielfältig ist. Er umfasst unter anderem mehrere größere Orchesterwerke, Chormusik und Kammermusik in verschiedenen Besetzungen. Eine ganze Reihe von Werken in verschiedenen Gattungen sind durch den Oboisten Heinz Holliger angeregt. Als Komponist bedient sich Doráti einer an Bartók und Kodály anknüpfenden, gemäßigt modernen Tonsprache und verbindet dabei rhythmisch agile, vorantreibende Passagen mit stimmungsvoller Lyrik. Seine Orchesterwerke zeichnen sich durch große Farbigkeit, Brillanz der Instrumentation und eine eigene Klangphantasie aus. Einen gewichtigen Teil von Dorátis Schaffen bildet die Vertonung von Gedichten, sowohl in Gestalt von Klavierliedern wie in Kompositionen für Gesang und kammermusikalische Besetzungen. Dabei reicht der weit gespannte Bogen der ausgewählten Texte von klassischer chinesischer Lyrik bis zu James Joyce.