Modest Mussorgsky

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Modest Mussorgsky

Ein angemessenes Bild von Modest Mussorgsky (1839–1881) zu gewinnen, ist ungewöhnlich schwierig. Die künstlerische Kraft, Originalität und Unabhängigkeit, die seine Werke zeigen, steht im Widerspruch zu der Bereitwilligkeit, mit der er sich den Meinungen und ästhetischen Dogmen anderer anpasste. Seine Kompositionen selbst haben ihren Siegeszug durch die Konzertsäle und Opernhäuser in der Regel nicht in der Gestalt angetreten, die Mussorgsky ihnen gegeben hat, sondern in Bearbeitungen, die tief in ihre Substanz eingreifen. Zu allem Überfluss wurde Mussorgskys Schaffen in den Debatten um den Sozialistischen Realismus, zu dessen direktem Wegbereiter der Komponist erklärt wurde, hemmungslos instrumentalisiert. Eine geradezu tragische Dimension hat die Gestalt Mussorgskys darin, dass er dem Alkoholismus verfiel und an ihm zu Grunde ging.

Modest Mussorgsky wurde am 21. März 1839 als Kind einer Gutsbesitzerfamilie im Nordwesten Russlands geboren. Er verbrachte eine sorgenfreie Jugend. Von seiner Mutter erhielt Mussorgsky Klavierunterricht, wobei er große Begabung zeigte. Der Gedanke an eine Karriere als Musiker kam aber nicht auf. Stattdessen wurde eine standesgemäße Laufbahn in der Armee angestrebt und Mussorgsky durchlief so mehrere militärische Vorbereitungsschulen in St. Petersburg. Neben der Schule konnte er sich aber weiterhin dem Klavierspiel widmen und er erhielt ausgezeichneten Unterricht. Höchst folgenreich für Mussorgsky war im Winter 1856/57 die Begegnung mit Milij Balakirev, der dank privater Unterstützung als Musiker leben konnte. Mussorgsky begann, bei dem drei Jahre älteren Balakirev Kompositionsunterricht zu nehmen und wurde von ihm stark beeinflusst. Bald gehörte er zu dem sich um Balakirev formierenden Kreis von gleich gesinnten Komponisten, die das Ziel hatten, eine spezifisch national gefärbte, russische Musik zu schaffen. Im Sommer 1858 entschloss sich Mussorgsky, den militärischen Dienst zu quittieren, um sich der Musik zu widmen.

Mit der Aufhebung der Leibeigenschaft im Februar 1861 änderten sich Mussorgskys Lebensverhältnisse von Grund auf. Seine Einkünfte aus dem Gutsbesitz fielen weg. Nunmehr mittellos zog er 1863 in St. Petersburg in eine Wohngemeinschaft und nahm im Dezember desselben Jahres eine untergeordnete Beamtenstellung an. Mit kleineren Veränderungen blieb Mussorgsky bis zum 1. Januar 1880 im Staatsdienst. Seine Zeit musste er mit dem stupiden Abschreiben von Akten verbringen. Es ist naheliegend, dass der Widerspruch zwischen der stumpfsinnigen Tätigkeit, zu der sich Mussorgsky gezwungen sah, und seinem Schaffensdrang seinen Hang zum Alkoholismus fatal verstärkte. Die Alkoholkrankheit zeigte sich schon im Herbst 1865 äußerst bedenklich, als Mussorgsky einen akuten Anfall von Delirium tremens erlitt.

Dessen ungeachtet gelang ihm 1867 mit dem Orchesterstück „Die Nacht auf dem kahlen Berge“ das erste völlig eigenständige Werk. Mussorgskys persönliche Handschrift zeigt sich in Elementen, die im traditionellen Komponieren keinen Platz haben wie ungewöhnliche Akkordverbindungen oder eine eigenwillige Instrumentation. Wegen solcher scheinbarer Fehler oder Ungeschicklichkeiten wurde Mussorgsky im Freundeskreis und darüber hinaus als Stümper oder Dilettant belächelt. Dabei sind es gerade diese besonderen Charakteristika, die seiner Musik ihre spezifische Eindringlichkeit und Kraft verleihen und mit denen er auf spätere Komponisten wie Debussy und Ravel gewirkt hat.

Mussorgskys Hauptwerk ist die Oper „Boris Godunov“, die in erster Fassung in den Jahren 1868/69 entstand und 1872 noch einmal wesentlich erweitert und bearbeitet wurde. Von der Uraufführung 1874 an wurde „Boris Godunov“ mehrere Jahre lang regelmäßig am Marinskij Theater gespielt, dann aber aus dem Spielplan gedrängt, auch weil die Oper als politisch bedenklich eingestuft wurde. Nach dem „Boris Godunov“ beschäftigte sich Mussorgsky parallel mit zwei weiteren, unvollendet gebliebenen Opernprojekten, schuf zwei Liederzyklen und komponierte die „Bilder einer Ausstellung“, die sowohl in der Originalfassung für Klavier wie in der brillanten Instrumentation von Maurice Ravel immens populär geworden sind. Im Februar 1881 wurde Mussorgsky vom Alkohol völlig zerrüttet in ein Militärhospital eingeliefert, wo er am 28. März starb. Bereits im Hospital entstand sein berühmtes Portrait aus der Hand des Malers Ilya Repin.

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