Mathias Spahlinger

© Astrid Ackermann

Mathias Spahlinger

Wie nur wenige Komponisten unserer Zeit verkörpert der 1944 in Frankfurt am Main geborene Mathias Spahlinger den Typus des intellektuellen Künstlers, dessen Schaffen auf der Reflexion über das eigene Tun und den Ort der Musik in der Gesellschaft beruht. Dabei sind seine klanglich oft aufgeraut und widerständig wirkenden Werke alles andere als blutleere Thesenkompositionen. Stücke wie passage / paysage für großes Orchester (1989/90) oder farben der frühe für sieben Klaviere bezwingen durch immense Klangphantasie, packende Ausdruckskraft und gestalterische Konsequenz. Eine Art Grundthema von Spahlingers reichem Schaffen ist die Auseinandersetzung mit dem Begriff der Ordnung. Vorgänge wie das allmähliche Auflösen von zunächst wie in Stein gemeißelten Ordnungssystemen und Hierarchien oder das Umkippen von überdeterminierten Ordnungen ins Chaotische werden in seiner Musik immer wieder höchst plastisch ins Werk gesetzt.

Spahlingers kompositorischer Werdegang vollzog sich alles andere als geradlinig. Als Sohn eines Cellisten der Frankfurter Oper wurde er schon früh und auf vielfältige Weise praktisch mit Musik vertraut gemacht. Auch sein schöpferisches Ausdrucksbedürfnis zeigte sich schon früh. Im Gymnasium hatte Spahlinger indessen große Schwierigkeiten, sich anzupassen. So wechselte er auf die Realschule und machte eine Lehre als Schriftsetzer. Parallel nahm er privaten Kompositionsunterricht bei Konrad Lechner und spielte in verschiedenen Jazzformationen. 1965 begann Spahlinger ein pädagogisches Musikstudium und war dann ab 1968 mehrere Jahre an der städtischen Musikschule in Stuttgart angestellt. Von 1973 bis 1978 studierte er schließlich, ebenfalls in Stuttgart, Komposition an der Musikhochschule. Dozenturen in Berlin und Karlsruhe mündeten 1982 in eine Professur für Musiktheorie und Komposition und gleichzeitig stellte sich zunehmend Anerkennung für die eigenen kompositorischen Arbeiten ein. Von 1990 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2009 lehrte Spahlinger Komposition an der Freiburger Musikhochschule, wo er auch das Institut für Neue Musik leitete.

Stand: Juli 2018

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