Frank Castorf

© Thomas Aurin

Frank Castorf

 

Frank Castorf wurde am 17. Juli 1951 in Berlin (Ost) geboren. Er studierte Theaterwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin und hatte ein erstes Engagement als Dramaturg am Theater Senftenberg. Später arbeitete er als Regisseur am Brandenburger Theater, 1981 bis zur politisch motivierten fristlosen Kündigung 1985 war er Oberspielleiter am Theater Anklam. In den folgenden Jahren inszenierte er an Stadttheatern (Halle, Gera, Karl-Marx-Stadt) der DDR, seit 1988 auch in der BRD und der Schweiz Stücke von García Lorca, Goethe, Shakespeare, Lessing, Lenz, Schiller, Ibsen, Brecht und mehrfach Texte Heiner Müllers. 1990-1992 war er Hausregisseur am Deutschen Theater Berlin. Mit der Spielzeit 1992/93 wurde Frank Castorf Intendant der Volksbühne am Rosa- Luxemburg-Platz in Berlin, wo er schon 1990 mit „Räuber von Schiller“ Maßstäbe für ein eigensinniges Gegenwartstheater gesetzt hatte. Unter seiner Leitung und mit Bert Neumann (1960–2015) als Chefbühnenbildner wurde die Volksbühne zu einer weltweit bewunderten Institution, dievon Berlin aus das deutschsprachige Theater nachhaltig prägte und bei zahlreichen Gastspielen in allen Erdteilen weltweit gefeiert wurde. Nebenbei arbeitete Castorf als Gastregisseur an anderen Theatern und Opernhäusern, u. a. in Basel, Hamburg, München, Stockholm, Wien, Zürich, Kopenhagen, São Paulo, Stuttgart und Paris. So entstanden in 25 Jahren über 100 Inszenierungen. Einige davon, darunter Dostojewskijs „Dämonen“ und „Der Idiot“, verfilmte er auch selbst. Seine Arbeit bewegte sich in der Spannung von östlichem und westlichem Denken. Dafür exemplarisch ist seine Auseinandersetzung mit dem russischen Romanautor Fjodor Dostojewskij und den amerikanischen Dramatikern Tennessee Williams und Eugene O’Neill, denen er zahlreiche Inszenierungen widmete. Zu seinem Material machte er einen Großteil der europäischen Literatur der letzten 2500 Jahre, wobei er sich nicht nur auf den klassischen Kanon bezog, sondern auch auf die Außenseiter. 2013 inszenierte er zum 200. Geburtstag Richard Wagners bei den 102. Bayreuther Festspielen den umstrittenen und gefeierten „Der Ring des Nibelungen“ (musikalische Leitung: Kirill Petrenko, Bühnenbildner: Aleksandar Denic). Seit dem Ende seiner Intendanz an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz im August 2017 arbeitet Castorf wieder als freier Regisseur, oder, wie er selbst sagte, als „Vagabund und Brandstifter“. Wechselnde Mitglieder seines alten Volksbühnen-Ensembles begleiten ihn. Am Schauspielhaus Zürich, dem Berliner Ensemble und am Deutschen Schauspielhaus Hamburg hat er seither drei große Inszenierungen herausgebracht. Seine Arbeit als Intendant und Regisseur wurde vielfach ausgezeichnet. Er erhielt unter anderem den Fritz-Kortner-Preis, den Theaterpreis Berlin der Stiftung Preußische Seehandlung, den NESTROY-Preis, den Preis des Internationalen Theaterinstituts, den Schillerpreis der Stadt Mannheim, den Verdienstorden des Landes Berlin, den Friedrich-Luft-Preis, den Golden Laurel Wreath Award des International Theater Festival MESS, den Deutschen Theaterpreis DER FAUST sowie den Großen Kunstpreis Berlin (2016). Frank Castorf ist Mitglied der Akademie der Künste, Berlin, der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste und Ordentliches Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.

Sein als vorletzte Arbeit an der Volksbühne entstandener siebenstündiger „Faust“ ist die 15. Inszenierung Frank Castorfs, die zum Berliner Theatertreffen eingeladen wurde. Was alle seine Inszenierungen gemeinsam haben, ist die subversive Kraft, die vor nichts halt macht, auch nicht vor Castorf selbst. Seine Provokationen sind immer auch Selbstprovokationen. Seine Wahrheiten sind widersprüchlich. Das Theater als Medium der Lüge ist offenbar besonders dafür geeignet, das auszudrücken. Es lebt vom Widerstand gegen die Macht, die diese Wahrheit unterdrückt und von der Solidarität mit den Machtlosen, denen es verwehrt ist, sie auszusprechen.

Quelle: Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz (Intendanz Frank Castorf)

Stand: Februar 2018

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