Ausstellungsprogramm 2021

Gropius Bau

Pressemeldung vom 3.12.2020

Wir freuen uns, das für 2021 geplante Ausstellungsprogramm des Gropius Bau anzukündigen. Zentrale Themen sind die Auseinandersetzung mit Grenzziehungen, ihrer Überschreitung und Auflösung, aber auch Rituale des Heilens und der Fürsorge sowie Visionen für neue Formen des Zusammenlebens. Für diese übergeordneten Fragestellungen des Programms gibt es ab sofort auch einen besonderen Ort – das gerade veröffentlichte Gropius Bau Journal, in dem regelmäßig neue Beiträge von Künstler*innen, Schriftsteller*innen und Denker*innen veröffentlicht werden. 2021 wird unser Ausstellungsprogramm außerdem durch das Revolverkino im Gropius Bau und die von Kathy-Ann Tan konzipierte und realisierte Reihe von Lesegruppen mit dem Titel Connected within that Light begleitet und ergänzt.

In House: Artist in Residence 2021 – SERAFINE1369 / Jamila Johnson-Small

Ab Januar 2021

Nach Wu Tsang, Otobong Nkanga und Zheng Bo wird 2021 SERAFINE1369 / Jamila Johnson-Small (früher bekannt als Last Yearz Interesting Negro) im Rahmen des Programms In House: Artist in Residence ein Studio im Gropius Bau beziehen. Als Künstler*in und Tänzer*in setzt sich SERAFINE1369 intensiv mit Intimität, Bewegung und Grenzen auseinander. Ausgangspunkt ist ein Verständnis von Tanz als radikaler, transformativer Praxis, die unterschiedliche Perspektiven zulässt und ein Bewusstsein für den von Performer*innen und Publikum geteilten Raum schafft. Im Gropius Bau wird SERAFINE1369 mit dem Konzept der „Oracular Practice“ [orakelhafte Praxis] arbeiten – ein Konzept, das Bewegung und Tanz als Werkzeuge begreift, um Weissagungen zu empfangen und auszudrücken. Darüber hinaus spielt die Zusammenarbeit mit anderen Künstler*innen eine zentrale Rolle, die zum Entstehen von SERAFINE1369s atmosphärischen Landschaften aus Video, Ton, Skulptur und Bewegung beiträgt. Diese kollaborative Arbeitsweise wird sich auch in dem für den Gropius Bau geplanten Programm visions widerspiegeln – einer Reihe von Veranstaltungen, die SERAFINE1369 gemeinsam mit anderen Künstler*innen gestalten wird.

Wild Times, Planetary Motions
Berliner Festspiele 70
Live Art, Musik, Installationen und Archiv

10. bis 14. März 2021

2021 werden die Berliner Festspiele 70 und organisieren aus diesem Anlass ein fünftägiges Programm, das die unterschiedlichen Disziplinen der Festivals im Gropius Bau zusammenbringt und miteinander resonieren lässt. Internationale bildende Künstler*innen, Musiker*innen und Performer*innen präsentieren Arbeiten zwischen Improvisation und Partitur und schaffen so ein Programm, das als Tages- oder Nachtversion zu erleben ist. Es vereint Jazz und zeitgenössische Musik, Theater über Pflanzenintelligenz, Suiten von J. S. Bach im Dunkeln, humanoide Roboter im Dialog, eine performative Landschafts-Szenografie, historische Filme, Gespräche und Archivmaterial zur Festspielgeschichte. Die Werke thematisieren Momente der Metamorphose, der Intimität und Verletzlichkeit. Wie kann der Umgang mit einer unsicheren Gegenwart zu einem Akt der Kreativität werden? Wild Times, Planetary Motions will unserem rissigen Ist-Zustand einen Funken Wildheit und Rebellion gegenüberstellen, einen Schaltkreis der Erneuerung schaffen.

Mit Monira Al Qadiri & Raed Yassin, Nikhil Chopra mit Yuko Kaseki, Doris Dziersk, Alexander Hawkins & Siska, Manuela Infante, Augustin Maurs, Jimmy Robert, SERAFINE1369, The Monochrome Project, Olivia Wenzel u. a.

Kuratiert von Natasha Ginwala, Jeroen Versteele mit den Festivalleiter*innen der Berliner Festspiele und Thilo Fischer (Archiv)

Yayoi Kusama
Eine Retrospektive

19. März bis 1. August 2021

Ursprünglich für den Herbst 2020 geplant, zeigt der Gropius Bau die erste umfassende Retrospektive der Künstlerin Yayoi Kusama in Deutschland nun im März 2021. Auf knapp 3000 m² bietet die Ausstellung einen Überblick über Kusamas zentrale Schaffensperioden aus über 70 Jahren und umfasst eine Reihe aktueller Arbeiten der Künstlerin, darunter neueste Gemälde und einen speziell für die Ausstellung konzipierten Infinity Mirror Room.

Ein wesentliches Anliegen der Retrospektive ist es, die Entwicklung von Kusamas Schaffen von frühen Gemälden und akkumulativen Skulpturen hin zu immersiven Erlebnisräumen nachzuzeichnen und insbesondere ihre bislang wenig beachtete künstlerische Aktivität in Deutschland und Europa aufzuarbeiten. Der wegweisende Charakter ihrer Präsentationsformen und künstlerischen Sujets wird dabei durch Rekonstruktionen erlebbar, die ausgewählte Ausstellungsprojekte Kusamas aus den 1950er bis 1980er Jahren zugänglich machen. Eine Zeitleiste sowie Archiv- und Filmmaterial kontextualisieren die Exponate und gewähren den Besucher*innen so neue Einblicke in die multidisziplinären Aktivitäten der Künstlerin.

Kuratiert von Stephanie Rosenthal (Direktorin, Gropius Bau) und organisiert vom Gropius Bau in Zusammenarbeit mit dem Tel Aviv Museum of Art

Hella Jongerius: Kosmos weben

29. April bis 5. September 2021

Im Mittelpunkt von Hella Jongerius’ künstlerischer Praxis steht die Verknüpfung von Industrie und Handwerk, von traditionellem Wissen und Technologie. Eine besondere Bedeutung kommt dabei dem Weben zu, das eine der ältesten Kulturtechniken und gleichzeitig Grundlage für den digitalen Code ist. Die unter dem Titel Kosmos weben im Gropius Bau gezeigte Einzelausstellung der Künstlerin und Designerin bezieht die Besucher*innen durch interaktive Elemente in ihre offene und prozesshafte Arbeitsweise ein und schafft so einen Rahmen, sich kritisch mit Fragen nach Produktion und Nachhaltigkeit, Gegenwart und Zukunft auseinanderzusetzen. Neben Jongerius’ Recherchen zu Innovation und zukunftsgerichteten experimentellen Praktiken liegt ein weiterer Schwerpunkt der Ausstellung auf ihrer andauernden Auseinandersetzung mit der Frage, welches Verhältnis wir zu Gegenständen einnehmen – und wie diesen eine heilende Funktion zukommen kann. Die Ausstellung knüpft dabei an die Geschichte des Gropius Bau an, der als Kunstgewerbemuseum und -schule mit eigenen Werkstätten ein Ort der Verbindung von Kunst und Handwerk war. In dieser Tradition wird Hella Jongerius mit ihrem Studio Jongeriuslab in den Monaten vor der Ausstellungseröffnung im Gropius Bau neue Werke produzieren.

Kuratiert von Stephanie Rosenthal (Direktorin, Gropius Bau) mit Clara Meister (kuratorische Referentin, Gropius Bau)

Zanele Muholi

Sommer / Herbst 2021

Zanele Muholi bezeichnet sich selbst als visuelle*r Aktivist*in und dokumentiert seit den frühen 2000er Jahren das Leben der Schwarzen LGBTQIA+-Community Südafrikas in eindrücklichen, intimen Fotografien. Im Sommer/Herbst 2021 wird im Gropius Bau die erste Retrospektive Muholis in Deutschland zu sehen sein. Neben weniger bekannten, frühen Bildserien umfasst die Ausstellung aktuelle Arbeiten und macht so die gesamte Bandbreite der fotografischen Praxis Muholis erfahrbar, in der Themen wie Sexualpolitik, rassistische Gewalt, gemeinschaftlicher Widerstand und Selbstbehauptung verhandelt werden. Die Fotografien Muholis stellen dabei nicht nur eine Geste der Ermächtigung dar, sondern fordern immer wieder den heteronormativen Blick heraus – und eröffnen gleichzeitig ein Netzwerk von Verwandtschaftlichkeit und neue Bildgeschichten. Serien wie Faces and Phases sowie Brave Beauties bilden ein wachsendes visuelles Archiv von Schwarzen queeren und trans Identitäten und legen Zeugnis von all denjenigen ab, die ihr Leben riskieren, um angesichts von Repression und Diskriminierung authentisch zu leben.

Kuratiert von Natasha Ginwala (Assoziierte Kuratorin, Gropius Bau); Yasufumi Nakamori (Senior-Kurator International Art (Fotografie), Tate Modern) und Sarah Allen (Assistenzkuratorin, Tate Modern)

Organisiert von der Tate Modern, London, in Zusammenarbeit mit dem Gropius Bau, Berlin; Maison Européenne de la Photographie, Paris, und dem Bildmuseet an der Universität Umeå

Zheng Bo: Wanwu Council 萬物社

21. Juni bis 12. September 2021

Als In House: Artist in Residence 2020 beschäftigte sich der Künstler und Theoretiker Zheng Bo mit der Frage, wie Pflanzen Politik machen. Seine Ausstellung Wanwu Council 萬物社 knüpft im Sommer 2021 an die Themen an, die Zheng Bo während seines einjährigen Aufenthalts im Gropius Bau entwickelt hat. Der daoistische Begriff Wanwu lässt sich als „zehntausend Dinge“ oder „Vielzahl von Ereignissen“ übersetzen und steht so für die unendlichen Möglichkeiten des Lebens in all seinen Formen.

Im Rahmen der Ausstellung wird das erste Kapitel seines in Berlin und Brandenburg gedrehten Films The Political Life of Plants 植物的政治生活 (2021) zu sehen sein, der Gespräche mit Ökolog*innen dokumentiert und mit experimentellen Szenen kombiniert. Die Serie Drawing Life 寫生 (2020–21) versammelt Zeichnungen von vermeintlichem Unkraut und Bäumen, denen Zheng Bo in den 24 Halbmonaten des Lunisolarkalenders begegnet ist. Die Praxis des regelmäßigen Zeichnens zielt darauf ab, sich diesen verwandten Wesen anzunähern. Wanwu Council 萬物社 setzt diese Annäherung fort: Die Ausstellung wuchert über den Gropius Bau hinaus in den „Gropius Hain“, wie Zheng Bo die Gemeinschaft von Platanen auf der Westseite des Gebäudes nennt.

Kuratiert von Stephanie Rosenthal (Direktorin, Gropius Bau) mit Clare Molloy (Assistenzkuratorin, Gropius Bau)

Thea Djordjadze

10. September 2021 bis 16. Januar 2022

Thea Djordjadzes künstlerische Praxis lässt sich als Prozess des beständigen Wiederverwertens, Rekonfigurierens und Neuordnens von Objekten begreifen. Gleichermaßen von historischen Artefakten wie von Konzepten moderner Kunst und Architektur beeinflusst, zeichnen sich Djordjadzes skulpturale Arbeiten durch formale Brüche und eine eigenwillige Materialästhetik aus. Indem sie Materialien wie Gips, Metall, Gummi, Textilien, Holz oder Pappmaché kombiniert, schafft Djordjadze fragmentarische Raumsituationen, anhand derer sie das klassische Display – Vitrine, Sockel, Rahmung und Podest – als wiederkehrendes Motiv in ihrer Arbeit neu formuliert. Ab dem 10. September 2021 zeigt der Gropius Bau unter anderem im sogenannten Schliemann-Saal, der von 1881 bis 1885 die archäologischen Ausgrabungen Heinrich Schliemanns beherbergte, eine umfangreiche Werkschau der in Berlin lebenden Künstlerin. Bestehende und neue, speziell für die Werkschau entwickelte Arbeiten Djordjadzes treten so in einen Dialog mit diesem geschichtsträchtigen Raum und vergangenen archäologischen Ausstellungen im Gropius Bau.

Kuratiert von Julienne Lorz (Hauptkuratorin, Gropius Bau)

The Cool and the Cold. Malerei aus den USA und der UdSSR 1960–1990
Sammlung Ludwig

17. September 2021 bis 9. Januar 2022

30 Jahre nach dem Ende der Sowjetunion präsentiert der Gropius Bau The Cool and the Cold. Malerei aus den USA und der UdSSR 1960–1990, eine umfangreiche Gruppenausstellung aus den Beständen der Sammlung Ludwig aus sechs internationalen Museen. Peter und Irene Ludwig gehörten weltweit zu den ersten Sammler*innen, die US-amerikanische und sowjetische Kunst parallel sammelten. Die Ausstellung ermöglicht die kritische Gegenüberstellung von Werken aus beiden Lagern des Ost-West-Konflikts und untersucht, wie Künstler*innen zur Zeit des Kalten Krieges auf politische wie ästhetische Fragen ihrer Epoche reagierten und Vorstellungen individueller und gesellschaftlicher Freiheit verhandelten. Im Rahmen der Ausstellung werden rund 120 Arbeiten gezeigt, unter anderem von Jo Baer, Erik Bulatov, Ivan Čujkov, Helen Frankenthaler, Jasper Johns, Ilja Kabakov, Lee Lozano, Natalja Nesterova, Viktor Pivovarov, Jackson Pollock und Andy Warhol.

Kuratiert von Benjamin Dodenhoff und Brigitte Franzen und organisiert in Zusammenarbeit mit der Peter und Irene Ludwig Stiftung

Raum malen

15. Oktober 2021 bis 16. Januar 2022

Raum malen versammelt zeitgenössische künstlerische Positionen, die die materiellen Essenzen von Malerei und deren Verhältnis zum Raum untersuchen. Auch nachdem abstrakte Kunst und Performance den westlichen Malerei-Begriff in Frage gestellt und neue Formate etabliert haben, wird Malerei meist mit Farbe auf Leinwand gleichgesetzt. Was passiert aber, wenn sich diese Farbe von der Leinwand löst und ganze Räume sowie Objekte einnimmt? Viele der in der Ausstellung vertretenen Künstler*innen gehen dieser Frage nach, indem sie Malerei in ihre einzelnen Komponenten zerlegen, auf ein Minimum an Elementen reduzieren, mit Oberfläche und Farbe experimentieren, im gesamten Raum erlebbar machen und so letztlich die Grenzen zwischen Malerei, Installation und Skulptur auflösen. Speziell für die Ausstellung entstandene sowie existierende Arbeiten laden die Besucher*innen dazu ein, „mitten ins Bild zu treten“ und Malerei nicht nur visuell, sondern auch physisch zu erfahren – und dabei neue Perspektiven auf die Architektur des Gropius Bau zu entdecken.

Kuratiert von Julienne Lorz (Hauptkuratorin, Gropius Bau)

Wir hoffen, dass das Programm 2021 wie geplant stattfinden kann, auch wenn nicht auszuschließen ist, dass sich aufgrund der globalen COVID19-Pandemie noch Änderungen ergeben.

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Anne Wriedt
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