Everything Is Just for a While. 70 Jahre Festspielgeschichte neu betrachtet

Berliner Festspiele

Pressemeldung vom 21.5.2021

Anlässlich des Jubiläums Berliner Festspiele 70 präsentiert „Everything is Just for a While“ vom 28. Mai bis 17. Oktober 2021 im Gropius Bau bislang wenig bekannte, historische Videodokumente aus eigenen, öffentlich-rechtlichen sowie privaten Archiven und lädt ein, die Geschichte der Berliner Festspiele und die künstlerische Vielfalt des Programms der letzten 70 Jahre neu zu betrachten. Ticket-Verkauf ab 25. Mai. Eine Presse-Preview findet am 27. Mai ab 10:00 Uhr statt.

Geschichte zerfällt nicht in Geschichten, sondern in Bilder, sagte Walter Benjamin. Die Bilder der drei neuen Videoinstallationen zur Geschichte der Berliner Festspiele zeigen die Risse und Querschläger, Extreme und Experimente einer 70-jährigen Arbeitsgeschichte, die am 5. September 1951 im Schiller-Theater begann. Hervorgegangen aus der Tradition verschiedener Sommerfestspiele, aber auch aus der kulturpolitischen Konkurrenz zur DDR, die ebenfalls 1951 die „Weltfestspiele“ nach Ostberlin holte und 26.000 Jugendliche aus aller Welt einlud, dauerte es nicht lange, bis die „Berliner Festwochen“ mit ihren innovativen Theater- und Musikplattformen ein ganzes Kalenderjahr füllten. Die Berliner Festspiele sind seitdem Labor und Experiment, Seismograf des Zeitgeists, Ausstellungsort und Debattierklub. Es wurde Kultur aus Europa, Afrika, Amerika und Südostasien präsentiert sowie die künstlerische und politische Auseinandersetzung mit der Geschichte, den Avantgarden und den Künsten der Gegenwart thematisiert.

Was lässt sich aus den Spuren der Zeit ablesen? All die vergangenen Orchester- und Jazzkonzerte, Theater- und Tanzproduktionen, Stadtraumaktionen, Ausstellungen, Diskursreihen, Zirkusvorstellungen, Rituale, Jugendwettbewerbe, Kinoprojekte, Pioniertaten der neuen Medienkünste, musikalischen Gradwanderungen, Full-Dome-Filme in Planetarien und VR-Welten, all die dramatischen Gespräche und prominenten Reden – was spricht uns davon heute an? Viele Projekte sind Legende geworden, Meilensteine der Berliner Kunst- und Kulturgeschichte. Auch ihrer Relevanz spürt die Ausstellung nach, begreift aber vor allem den Festspielorganismus selbst als ein Phänomen, das zum Nachdenken anregt: All die Formate, Festivals, Spielstätten und Wettbewerbe – von welchen Träumen und Anmaßungen, Kämpfen und Irrtümern zeugen sie eigentlich? Die Ausstellung versucht eine Simultangeschichte der Berliner Festspiele zu zeigen und ruft auch die Ostberliner Festtage in Erinnerung, die, ebenso traditionsreich, die Wende von 1989 nicht überleben sollten.

Eine illustrierte Infowand aus Wordclouds und einem Zeitstrahl veranschaulicht die Identität und den Wandel der Berliner Festspiele und ihrem Programm seit 1951, das genauso geprägt war durch die Zeit des Kalten Krieges, den Prozess der Dekolonisierung, die 68er-Ereignisse und die Wiedervereinigung Deutschlands wie durch den Eigensinn großer Künstler*innenpersönlichkeiten und kluger Mitarbeiter*innen. Die Infowand flankiert die drei neu entstandenen Videoinstallationen: „Channel Sixteen: Breaking News“ (10'), „Channel One: Talking Heads“ (40') und „Channel Three: Arts“ (260').

Zu den kostbaren, teilweise unveröffentlichten Aufnahmen von rund 120 künstlerischen Einzelpositionen in den Videoinstallationen gehören u. a. die Performance „Music Walk with Dancers“ von Merce Cunningham, John Cage, Carolyn Brown und David Tudor (Berliner Festwochen 1960), „La Lupa“ von Giovanni Verga in der Regie von Franco Zeffirelli mit Anna Magnani (Berliner Festwochen 1965), das La MaMa Experimental Theatre Club New York vor und in der Neuen Nationalgalerie (Berliner Festwochen 1975), „Frankenstein“ von The Living Theatre (Berliner Festwochen 1966) und „Bremer Freiheit“ von Rainer Werner Fassbinder (Berliner Theatertreffen 1972), Luca Ronconi’s „Orlando Furioso“ 1970 in der Deutschlandhalle, die Auftritte bei den Berliner Jazztagen von Fela Anikulapo Kuti and Africa 70 1978 und von Sun Ra and his Solar Arkestra 1983 in der Philharmonie, eine Probe von Claudio Abbado mit den Berliner Philharmonikern zur Uraufführung eines Stückes von Luigi Nono 1978 oder die Musik des Griot-Duos Penda Diabaté und Arafan Kayouté (Horizonte – Festival der Weltkulturen 1979).

Weitere Positionen und Diskurse in den Videoinstallationen stammen u. a. von Pina Bausch, Samuel Beckett, Thomas Brasch, Miles Davis, Gustaf Gründgens, Tatjana Gsovsky, Allan Kaprow, Martin Luther King Jr., Hildegard Knef, Udo Lindenberg, Herbie Mann, Gordon Matta-Clark, Jonathan Meese, Meredith Monk, Bert Neumann, Nico, Nam June Paik, Steffie Spira, Sarah Vaughan, Wolf Vostell, Robert Wilson, Vegard Vinge und Ida Müller sowie Nō- und Kabuki-Theater aus Japan.

Konzept und Dramaturgie: Thomas Oberender und Jeroen Versteele
Videoinstallationen: Thilo Fischer und David von der Stein
Visuelles Konzept: Eps51 (Ben Wittner, Sascha Thoma, Marcus Bücken, Julia Kemperman)
Illustrationen: Eps51 (Julia Kemperman)

Zur Ausstellungseröffnung erscheint die Edition #31, eine Recherche von Angela Rosenberg zu Gerhart von Westerman, Kunstmanager und erster Intendant der Berliner Festwochen, mit dem Titel „Pragmatiker auf heißem Boden“. Die Edition beschreibt Westermans Tätigkeiten während des NS-Regimes.

Online steht das Booklet zur Ausstellung zum Download bereit; außerdem auf der Website die Geschichte der Berliner Festspiele im Überblick und die Biografie einer Institution.

Öffnungszeiten
Geöffnet von Mittwoch bis Montag 10:00 bis 19:00 Uhr, Dienstag geschlossen.

Tickets
Kostenfreie Tickets für Time-Slots sind ab dem 25. Mai im Webshop des Gropius Bau erhältlich.

Filmstill aus dem Trailer für „Everything Is Just for a While“

Presse-Preview am 27. Mai
Am Tag vor der Ausstellungseröffnung gibt es für die Pressevertreter*innen die Möglichkeit, sich die Ausstellung am 27. Mai ab 10:00 Uhr anzusehen. Um 11:00 Uhr begrüßen Sie vor Ort der Intendant der Berliner Festspiele Thomas Oberender, die Direktorin des Gropius Bau Stephanie Rosenthal, die Dramaturgen der Ausstellung Jeroen Versteele und Thilo Fischer sowie die Autorin der Edition #31, Angela Rosenberg. Sie stehen gerne für Interviews zur Verfügung. Bitte melden Sie sich für die Presse-Preview an unter:

Bitte beachten Sie die Hinweise für Ihren Besuch bezüglich des Tragens einer FFP2-Maske und des Nachweises eines Negativtests bzw. einer Impfung. Ein Container auf dem Parkplatz des Gropius Bau bietet kostenfreie Tests. Terminbuchungen bitte unter 100test.de

Pressematerial
Das Booklet zur Ausstellung steht zum Download bereit. Die zur Ausstellungseröffnung erscheinende Edition #31 mit der Recherche von Angela Rosenberg zum ersten Intendanten der Berliner Festwochen, Gerhart von Westerman, schicken wir Ihnen gerne als PDF vorab zu. Außerdem ermöglichen wir Ihnen eine Sichtung von ausgewähltem Filmmaterial der Ausstellung bzw. stellen Ihnen Film-Ausschnitte für eine Berichterstattung zum Download bereit.

Pressebilder stehen im Pressebereich der Berliner Festspiele zum Download zur Verfügung.

Pressekontakt
Berliner Festspiele
Patricia Hofmann
Anna Lina Hinz

+49 30 254 89 223