Jahresprogramm 2022

Gropius Bau

Pressemeldung vom 16.12.2021

„Im Jahr 2022 werden wir im Gropius Bau organisch wachsen und zu einem besonderen Ort der Begegnung werden: physisch, künstlerisch und kulturell. Unser Programm für das nächste Jahr schafft mit Ausstellungen und Aktivitäten einen Raum und eine gemeinsame Grundlage – damit Menschen unterschiedlichen Alters, mit verschiedenen Hintergründen, Interessen und Fähigkeiten einander treffen können. Ich lade Sie ein, über wichtige gesellschaftliche Themen wie Fürsorge, Reparatur und Heilung, über Konzepte von Verwandtschaftsbeziehungen und Zugehörigkeit nachzudenken, sich von wegweisenden Retrospektiven faszinieren zu lassen oder an unserem ständig wachsenden Angebot an Bildungsaktivitäten, Veranstaltungen und Workshops teilzunehmen.“
– Stephanie Rosenthal, Direktorin des Gropius Bau

Wir freuen uns, das Ausstellungsprogramm des Gropius Bau für das Jahr 2022 bekannt zu geben. Zentrale Themen sind das Schaffen von Gemeinsamkeiten, das Öffnen von Räumen der Begegnung und des Austauschs, Rituale der individuellen und kollektiven Fürsorge und Heilung sowie Orte der Erinnerung und Reparatur. Eingehende Retrospektiven zu Dayanita Singh und Louise Bourgeois sowie eine Ausstellung über das transregionale künstlerische Leben im „Goldenen Zeitalter“ Beiruts kulminieren in einer großen Gruppenausstellung zum Thema Fürsorge, Reparatur und Heilung. Neben unseren Artists in Residence, Gesangsworkshops von Ayumi Paul und dem kostenlos zugänglichen Gropius Bau Journal präsentieren wir auch ein umfangreiches Diskurs- und Vermittlungsprogramm mit den Gropius Bau Friends und JuGroBa (Junger Gropius Bau), Filmvorführungen der Programmreihe Revolverkino und Lesegruppen mit Kathy-Ann Tan.

Dayanita Singh: Dancing with my Camera

18. März bis 7. August 2022

Seit den 1980er Jahren leistet Dayanita Singh Pionierarbeit auf dem Gebiet der Fotografie und überwindet immer wieder die Grenzen des Mediums. Dancing with my Camera präsentiert die wichtigsten Schaffensphasen im Œuvre der international renommierten Künstlerin – von ihren frühesten Arbeiten bis heute. Die Arbeit Let’s See wird speziell für die Ausstellung im Gropius Bau realisiert und zusammen mit ihren Schlüsselwerken wie den „museums“ präsentiert.

Singhs Schwarz-Weiß-Fotografien schaffen Archive und Räume, die Menschen und Architekturen mit unterschiedlichen Hintergründen und aus verschiedenen Regionen miteinander in Verbindung setzen. Fotografien sind in diesen Werken jedoch nur das Rohmaterial. Singh baut mobile Strukturen aus Teakholz, durch die ihre Bilder neu arrangiert, kombiniert und räumlich neu erlebt werden können; ihre Fotografie beginnt und endet immer mit der körperlichen Erfahrung. Durch einen Prozess der akribischen und zugleich intuitiven Bearbeitung verwandelt Singh ihre Bilder in Fotoarchitekturen, Montagen und Buchobjekte – immer geleitet von Grundsätzen der Fluidität, Musikalität, Choreografie und Bewegung. Mit ihren tragbaren „museums” und Buchobjekten hat Singh eine Form entwickelt, die gleichzeitig Buch, Katalog und Ausstellung ist. Sie schafft erlebbar dynamische, mobile und zugängliche Museen und Ausstellungen.

Begleitend zur Ausstellung Dancing with my Camera erscheint bei Hatje Cantz ein umfangreicher Katalog mit wissenschaftlichen Essays. Die Ausstellung wird außerdem im Museum Villa Stuck, München, im Musée d’art moderne Grand-Duc Jean – Mudam, Luxemburg und im Serralves Museum of Contemporary Art, Porto zu sehen sein.

Kuratiert von Stephanie Rosenthal, Direktorin des Gropius Bau

Beirut and the Golden Sixties: A Manifesto of Fragility

25. März bis 12. Juni 2022

Beirut and the Golden Sixties: A Manifesto of Fragility lässt ein schillerndes und zugleich bewegendes Kapitel der modernen Geschichte Beiruts wieder aufleben. Die Periode zwischen Ende der 1950er und 1970er Jahre fällt in die Zeit zwischen Libanonkrise 1958 und Ausbruch des libanesischen Bürgerkriegs im Jahr 1975. Die Ausstellung zeichnet das komplizierte Spannungsverhältnis zwischen dem künstlerischen Kosmopolitismus und den allgegenwärtigen transregionalen und politischen Gegensätzen Beiruts nach.

Zu jener Zeit war der Charakter der Stadt geprägt durch den Zuzug von Menschen und ihren unerschöpflichen Ideen. Eine heterogene Mischung von Künstler*innen aus dem Libanon und dem Ausland artikulierte ihre unterschiedlichen und manchmal widersprüchlichen Visionen von Modernität. Ihr Drang nach formaler Innovation war oft ebenso stark wie ihre politischen Überzeugungen. Mit 230 Werken von 34 Künstler*innen und mehr als 300 Archivdokumenten aus fast 40 Sammlungen ist dies die bisher umfassendste Ausstellung einer entscheidenden Periode in der Geschichte Beiruts. Sie macht die komplexen Zusammenhänge zwischen der Vergangenheit und den aktuellen Problemen der Stadt sichtbar und stellt die romantisierende Darstellung des so genannten Goldenen Zeitalters Beiruts in Frage, das 1975 im Ausbruch des libanesischen Bürgerkriegs endete. Beirut and the Golden Sixties: A Manifesto of Fragility erzählt die Geschichte vom Lebenshunger einer Stadt und ihrer widersprüchlichen Ambitionen.

Kuratiert von Sam Bardaouil und Till Fellrath, assoziierte Kuratoren, Gropius Bau

Die Ausstellung findet in Kooperation mit der 16. Lyon Biennale statt.

Takeover

6. Juni bis 14. August 2022

Im Rahmen von Kinder kuratieren_Takeover. Ein Projekt der Stiftung Brandenburger Tor und des Gropius Bau realisieren Berliner Grundschüler*innen ihre eigene Ausstellung. Die Ausstellung erforscht, wie man die Welt mit Kinderaugen sehen und verstehen kann – durch sensorische Ansätze und Themen wie Bewegung und Schatten; Ausstellung als Spiel; Wechselwirkungen zwischen Licht und Wasser; Zusammenspiel von Klang und Natur.

Das dreijährige Projekt wird vom Gropius Bau in Zusammenarbeit mit der Stiftung Brandenburger Tor realisiert. Ziel ist es, Kinder in künstlerische und kuratorische Prozesse einzubeziehen. Das Projekt ermöglicht Berliner Schüler*innen den Weg von der Kunstproduktion bis hin zu einer eigenständig kuratierten Ausstellung zu erleben und selbst zu beschreiten. Grundschüler*innen, die aktuell am Programm Max – Artists in Residence an Grundschulen der Stiftung Brandenburger Tor teilnehmen, besuchen regelmäßig den Gropius Bau und lernen die betrieblichen Aktivitäten, Prozesse und Berufe innerhalb des Ausstellungshauses kennen.

Zu den teilnehmenden Schulen gehören die Carl-Humann-Grundschule, die 48. Grundschule, die Heinrich-von-Stephan-Gemeinschaftsschule und die Picasso-Grundschule.

Louise Bourgeois: The Woven Child

22. Juli bis 23. Oktober 2022

The Woven Child ist die erste große Ausstellung, die sich ausschließlich mit dem textilen Werk von Louise Bourgeois beschäftigt. Anhand einer Vielzahl von Skulpturen, Installationen, Zeichnungen, Collagen, Büchern und Drucken zeigt sie die lebenslange Verbindung der Künstlerin zu Textilien – und die Erinnerungen, die diese hervorriefen.

Die textilen Arbeiten, mit denen Bourgeois erst im Alter von über achtzig Jahren begann, gehören zu ihren eindringlichsten und intimsten Werken. Der späte Entschluss, aus ihrer Kleidung und Haushaltstextilien Kunstwerke zu schaffen, war ein Mittel, die Vergangenheit sowohl zu transformieren als auch zu bewahren. Bourgeois verarbeitete die Gegenstände, mit denen sie Erinnerungen an bestimmte Orte und Menschen verband, zu skulpturalen Installationen. Viele davon werden im Gropius Bau zu sehen sein, zum Beispiel ihre Cells und die freistehenden „pole pieces“. Die sorgfältig recherchierte Ausstellung wirft ein neues Licht auf Bourgeois, indem sie ihre textilen Arbeiten mit den Prozessen der Materialauswahl, ihrer Biografie und den Themen Körper, Erinnerung, Weiblichkeit, Trauma und Reparatur in Verbindung bringt.

Kuratiert von Ralph Rugoff, Direktor der Hayward Gallery und Julienne Lorz, ehemalige Hauptkuratorin des Gropius Bau

On Caring, Repairing and Healing*

16. September 2022 bis 15. Januar 2023

Im Herbst 2022 zeigt der Gropius Bau eine breit angelegte Ausstellung zum Thema Fürsorge, Reparatur und Heilung. On Caring, Repairing and Healing ruft mit Installationen, Malerei, Audioformaten und einem umfangreichen Performance-Programm zum Wandel auf. Die Ausstellung will eine gemeinsame (Diskussions-)Grundlage für Themen schaffen, deren Relevanz für Individuen, Gemeinschaften und Institutionen in Zeiten der Pandemie noch akuter geworden ist.

On Caring, Repairing and Healing zeigt, auf welche Weise Künstler*innen, Heiler*innen und Forscher*innen versuchen, Antworten auf drängende Fragen unserer Zeit zu finden. Es geht um materielle Reparatur von Objekten, Fürsorge für alle Körper und die Umwelt sowie um Erfahrungen von Minderheiten, Frauen und Indigenen. Die Ausstellung umkreist Themenbereiche wie Land und Territorium, (Wahl-)Verwandtschaftsverhältnisse sowie die Politisierung der Gesundheit – sowohl im historischen, als auch im aktuellen Kontext. Im gesamten Erdgeschoss des Gropius Bau präsentieren mehr als 20 internationale Künstler*innen Arbeiten, die sich auf postkoloniale und indigene Wissenssysteme stützen, Fremdbestimmung weiblicher Körper hinterfragen oder sich wandelnde Vorstellungen von Behinderung und Nicht-Behinderung aufzeigen. Die Ausstellung macht auf die Verbindungen zwischen kolonialen, physischen, psychologischen und materiellen Traumata aufmerksam. Aufbauend auf der Veranstaltung Ámà: 4 Days on Caring, Repairing and Healing, die im November 2021 stattfand, lädt sie dazu ein, Kunstinstitutionen neu zu denken und die Frage zu stellen, was für wen zugänglich ist.

Kuratiert von Brook Andrew, Kader Attia, Natasha Ginwala, Bárbara Rodríguez Muñoz und Stephanie Rosenthal mit Clare Molloy in Zusammenarbeit mit SERAFINE1369, In House: Artist in Residence im Gropius Bau 2021

On Caring, Repairing and Healing wird in Zusammenarbeit mit Wellcome realisiert.

*Arbeitstitel

Pressekontakt

Birgit Schapow
Presse und Kommunikation
Tel +49 30 254 86 384

Eine Auswahl von druckfähigem Bildmaterial steht im Pressebereich zur Verfügung.

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