Einblicke in die Ausstellung

Entdecken Sie Akinbode Akinbiyis Einzelausstellung Six Songs, Swirling Gracefully in the Taut Air im Gropius Bau online und lesen Sie mehr über die Langzeitserien des in Berlin lebenden nigerianischen Fotografen.

Akinbode Akinbiyi, Berlin, Kreuzberg, 2018

Akinbode Akinbiyi, Berlin, Kreuzberg, 2018
Aus der Serie Photography, Tobacco, Sweets, Condoms and other Configurations, Courtesy: der Künstler

Photography, Tobacco, Sweets, Condoms and other Configurations

Seit den späten 1970er Jahren (fortlaufend)

In einer Welt, die vom unermüdlichen Strom der Sofortbilder besessen ist, durchstreift Akinbode Akinbiyi die Straßen und Gassen einer Stadt. So dokumentiert er allmählich ihr tägliches Erscheinungsbild, ihre unterschiedlichen Rhythmen und sozialen Strukturen. In dieser Serie finden Motive des Konsums und körperliche Gelüste zueinander. Darüber hinaus erkunden einige Bilder die erotische Aufladung der Berliner Stadtlandschaft. Während die Menschen sich um ihn herum abhetzen, bewahrt Akinbiyi die Ruhe und harrt solange aus, bis er zum Zeugen morbider wie freudvoller Augenblicke wird. Dabei entdeckt er, dass auch im finsteren Innenleben der Städte Hoffnung keimt, wenn atmende Körper und Spiritualität aufeinandertreffen.

African Quarter

Seit den 1990er Jahren (fortlaufend)

African Quarter ist eine seit den späten 1990er Jahren in Berlin entstandene Fotoserie, die vor allem im Wedding offene Begegnungen zwischen der afrikanischen Diaspora und afrodeutschen Communitys zeigt. Akinbode Akinbiyi streift durch Straßen, deren Namen auf Deutschlands Kolonialgeschichte verweisen und verbindet sie mit der jüngeren Geschichte von Migration und Verfolgung. Gebrochene Perspektiven auf die im Wandel begriffene Metropole erinnern an die Schatten einer gemeinsamen Vergangenheit und wenig beachteten Stimmen der Gegenwart. Mittels einer Art alternativer Kartografie sucht der Künstler auch Straßen auf, deren Namen an Persönlichkeiten erinnern, die Rassismus bekämpften und die lange Geschichte des antikolonialen Kampfes aufrecht erhielten. So verweist diese Serie auch auf die autobiografischen Erfahrungen des Fotografen als Berliner.

Akinbode Akinbiyi, Berlin, Wedding, 2005

Akinbode Akinbiyi, Berlin, Wedding, 2005
Aus der Serie African Quarter, Courtesy: der Künstler

Akinbode Akinbiyi, Lagos Island, Lagos, 2004

Akinbode Akinbiyi, Lagos Island, Lagos, 2004
Aus der Serie Lagos: All Roads, Courtesy: der Künstler

Lagos: All Roads

Seit den 1980er Jahren (fortlaufend)

Das epische Projekt Lagos: All Roads schildert die vielen Stimmungen und Gesichter von Akinbode Akinbiyis Heimatstadt Lagos. In dieser Metropole, der größten Afrikas, erfasst der Fotograf die von Nähe und Distanz gekennzeichnete Sicht ihrer rastlos umherstreifenden Einwohner*innen. Seine Fotografien nähern sich ihrer Umgebung im ständigen Wechsel zwischen Anonymität und Vertrautheit, Lärm und Refugium. Doch die Megastadt lässt sich nie ganz begreifen oder umrunden, da sie sich immer wieder neu erfindet und dabei vieles auf der Strecke bleibt. Akinbiyi meint hierzu: „Ich beobachte dieses städtische Phänomen und versuche es zu dokumentieren. Es hat etwas mit einem feinen Gespür für die Durchlässigkeit der Stadt zu tun.“ Einige dieser Szenen zeigen die Verbreitung von Fotostudios, Copyshops und Werbetafeln, die etwas von der visuellen Grammatik von Lagos und seiner nie endenden Beziehung zum Bilderschaffen vermitteln.

Sea Never Dry

Seit den 1980er Jahren (fortlaufend)

Heiliges und Profanes werden in Sea Never Dry miteinander verflochten. Die Serie führt die Küstenzonen westafrikanischer Städte und Europas zusammen. Die Bilder halten das öffentliche Leben am Strand fest und skizzieren Themenkomplexe wie sakrale Zeremonien, Straßenhandel, Tourismus und die damit einhergehende Umweltverschmutzung. Die Serie begann am Bar Beach in Lagos, der inzwischen einer Baustelle gewichen ist. So zeigen manche Ansichten temporäre Architekturen und Ruinen zwischen dem Sand und dem Horizont. Das Meer erscheint hier nicht nur als Ort des Pendelns und der Migration, sondern als ein Treffpunkt, an dem sich der kosmopolitische städtische Geist verjüngt.

Akinbode Akinbiyi, Bar Beach, Victoria Island, Lagos, 2006

Akinbode Akinbiyi, Bar Beach, Victoria Island, Lagos, 2006
Aus der Serie Sea Never Dry, Courtesy: der Künstler

Akinbode Akinbiyi: Six Songs, Swirling Gracefully in the Taut Air

Akinbode Akinbiyi: Six Songs, Swirling Gracefully in the Taut Air. Ausstellung, 7. Februar bis 17. Mai 2020, Gropius Bau. Foto: Laura Fiorio

Adama in Wonderland

2011–12

Im gesamten, höchst umfangreichen Werkkorpus Akinbode Akinbiyis fungiert die Fotografie als intimes Erinnerungsmittel und als eine Form der öffentlichen Ansprache. In der Serie Adama in Wonderland wandert der Künstler durch die rasterförmigen Straßenzüge des Zentrums und in die südlichen und westlichen Vorstädte von Johannesburg. Dabei kommentiert er mit der Kamera den aufrührerischen Geist, die rauen Ecken der Stadt sowie die Konflikte, die im Schatten der Apartheid fortbestehen. Während feiner Goldstaub durch die Luft schwebt, richtet Akinbiyi den Sucher auf gewöhnliche Einwohner*innen der Stadt und im Verschwinden begriffene Wahrzeichen von Johannesburg. So ruft er uns ins Bewusstsein, wie sehr sich diese Stadtlandschaft durch die Bergbauindustrie, die sogenannte Rassentrennung und den kollektiven Widerstand verändert hat.

I WONDER AS I WANDER

Kurzfilm von Emeka Okereke, 2019–20

In dem Kurzfilm I WONDER AS I WANDER von Emeka Okereke treten zwei in Berlin ansässige nigerianische Fotografen unterschiedlicher Generation in einen sich zwischen Berlin und Bamako abspielenden filmischen Dialog. Dieser handelt von Akinbode Akinbiyis jahrzehntelangem Bestreben, fotografische Prozesse und die physische und mentale Strenge des Wanderns miteinander zu verbinden. Dieses Verweben unterschiedlicher Sequenzen bietet einen Einblick in wesentliche Akte der täglichen Beobachtung, körperlichen Bewegung, städtischen Geräuschkulisse und eines Studiums des Lichts. Auch wenn Akinbiyi sich vor allem mit den sakralen Philosophien des Yorubalands identifizert und sie mit Rhythmus, Symmetrie und Gleichgewicht verbindet, darf man parallel hierzu auch an die Worte des nigerianischen Romanciers, Dichters und Kritikers Chinua Achebe erinnern, der einmal bemerkte: „Unter den Ibo steht die Kunst des Gesprächs in hohem Ansehen, und Sprichwörter sind das Palmöl, mit dem Worte gegessen werden.“ Akinbiyis Fotografien sind Konversationsstücke, die einen Dialog zwischen Betrachter*innen und Betrachtetem in Szene setzen. Für diesen Film griff Emeka Okereke auf ein Gespräch mit Akinbiyi zurück, das ursprünglich für sein Podcastprogramm NKATA aufgezeichnet wurde.

Emeka Okereke: I WONDER AS I WANDER, 2019–20 (Filmstill)

Still aus I WONDER AS I WANDER von Emeka Okereke, 2019–20