Glossar

Masculinities: Liberation through Photography

afrikanische Diaspora

bezeichnet die Gesamtheit der Menschen afrikanischer Abstammung, die außerhalb des afrikanischen Kontinents leben, wie z.B. die afroamerikanische, afrokolumbianische, afrokanadische, afrokaribische, afrodeutsche Bevölkerung, afrodiasporische Menschen in der restlichen Welt sowie die migrantische Bevölkerung afrikanischer Herkunft und ihre Nachkommen.

BDSM

setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der englischen Bezeichnungen „Bondage & Discipline“, „Dominance & Submission“ und „Sadism & Masochism“ zusammen. Dabei wird eine Reihe von meist sexuellen Verhaltensweisen beschrieben, die unter anderem mit Dominanz und Unterwerfung, spielerischer Bestrafung, Fesselspielen und Lustschmerz im Zusammenhang stehen können. Beim BDSM begeben sich die Beteiligten freiwillig aus einer gleichberechtigten Position in ein Machtgefälle, dabei gibt die*der devote Partner*in einen Teil der eigenen Autonomie an die dominante Person ab. Beide Partner*innen erzielen daraus einen Lustgewinn.

Butch

ist eine Selbstbezeichnung von queeren Personen, die – gemäß heterosexueller Stereotype – „maskulin“ auftreten. Manche Butches bezeichnen sich als „eine Butch“, andere sprechen von sich als „ein Butch“.

Crossdresser

bezeichnet Menschen, die Kleidung tragen, die – den traditionellen und stereotypischen Rollenbildern nach – nicht zum eigenen Geschlecht passt. Bei Crossdressing handelt es sich um eine Performance. Crossdresser können verschiedenste Geschlechtsidentitäten haben.

Cruising Spots

beschreibt öffentliche Plätze, an denen sich meist schwule Männer treffen, um aktiv nach potenziellen Sexpartnern oder Körperkontakt zu suchen.

Drag-Performer*innen

bezeichnet Personen, die Kleidung, Make-up und Verhalten, die gesellschaftlich z.B. als „feminin“ oder „maskulin“ gelten, als Kunstform tragen, zeigen und mit Gendererwartungen spielen.

fragile Männlichkeit

beschreibt subjektive Machtlosigkeitserfahrungen bei Männern und die Angst, die Männer empfinden, die glauben, dass sie den Standards der mit Macht und Durchsetzungsvermögen assoziierten Männlichkeit nicht entsprechen. Männer müssen sich – so die Theorie – täglich aufs Neue als Männer beweisen. Im Zwang ihrer männlichen Rolle gerecht zu werden üben sie mehr Gewalt gegen sich selbst aus.

Gender

kommt aus dem Englischen und bezeichnet das soziale Geschlecht in Unterscheidung zum biologischen/körperlichen Geschlecht, oder die Geschlechtsidentität. Mit dem Begriff Gender wird verdeutlicht, dass Verhalten, Rollen und Identitäten innerhalb der Gesellschaft nicht naturgegeben sind, sondern erst im sozialen Kontext konstruiert werden. Er entlarvt damit auch die Unterscheidung zwischen körperlichem Geschlecht und Geschlechtsidentität als kulturell konstruiert.

Genderambiguität

beschreibt den Umstand, bei dem eine Person in ihrem Erscheinen und/oder ihrem Auftreten sowohl als stereotypisch männlich als auch stereotypisch weiblich wahrgenommen wird und daher dieser Person ein Geschlecht anhand äußerlicher Merkmale nicht eindeutig zugeordnet werden kann.

Genderfluidität

bezeichnet eine Geschlechtsidentität, die sich mit der Zeit oder bezogen auf bestimmte Situationen ändert. Die Identität ändert sich, ist jedoch nicht immer außerhalb des Zwei-Geschlechter-Systems zu verorten.

Geschlechterhierarchie

bezeichnet eine Geschlechterordnung, die Menschen in zwei einander ausschließende, aber sich als Gegenteile „ergänzende“ Geschlechter einteilt: dem weiblichen und männlichen Geschlecht. Diese beiden Geschlechter stehen in einer Herrschaftsbeziehung zueinander, bei der Männer den Frauen übergeordnet sind und andere sexuelle Orientierungen und Geschlechtsidentitäten nicht vorgesehen bzw. ebenfalls dem männlichen Geschlecht untergeordnet sind.

Geschlechternormen

beschreibt ein Bündel von stereotypischen geschlechtsspezifischen Verhaltenserwartungen, das in sozialen Situationen angewendet werden kann: verlangt werden Erscheinungs-, Handlungs- und Erlebensweisen, die als „weiblich“ oder „männlich“ angesehen werden. Diese Regeln werden in sozialen Institutionen wie der Familie, der Schule, dem Arbeitsplatz etc. hervorgebracht und beständig reproduziert.

Harlem Renaissance

(ca. 1918–37) war eine einflussreiche soziale und kulturelle Bewegung afroamerikanischer Künstler*innen und Schriftsteller*innen, die vom New Yorker Stadtteil Harlem ausging. Die Bewegung definierte sich ausdrücklich in Abgrenzung zu existierenden, rassistischen Stereotypisierungen der afroamerikanischen Bevölkerung in den USA.

hegemoniale Männlichkeit

definiert der Soziologe Raewyn Connell als Formen von Männlichkeit, die kulturell und sozial anderen Männlichkeitsbildern übergeordnet sind. Diese dominanten Männlichkeitsbilder beziehen sich nicht nur auf die Unterdrückung der Frauen. Hegemoniale Männlichkeit definiert sich auch immer in Relation zur untergeordneten Männlichkeit: marginalisierte, unterdrückte und komplizenhafte Männlichkeit.

Homosozialität/homosozial

wurde als Begriff durch die Queertheoretikerin Eve Kosofsky Sedgwick bekannt. Mit diesem Konzept wollte Sedgwick darauf aufmerksam machen, dass es weit über das Sexuelle hinaus Beziehungen zwischen gleichen Geschlechtern gibt und dass das Verhältnis von Männern untereinander ein Zusammenspiel vieler Faktoren (u.a. der Sexualität) ist, die normativ auf die Gesellschaft zurückwirken.

Hyper-Camp

bezeichnet ein extravagantes Verhalten, das vor allem in der schwulen Subkultur vorzufinden ist und sich durch exzessive Theatralik sowie Dramatik, eine gewisse Künstlichkeit und Selbstironie auszeichnet. Die schwule Subkultur hat sich diese vormals meist abwertende Bezeichnung zu Eigen gemacht.

Hypermaskulinität/hypermaskulin

beschreibt eine extreme Form der hegemonialen Männlichkeit und umfasst vier wesentliche Bestandteile: Härte, Gewalttätigkeit, Gefährlichkeit und eine abwertende Einstellung zu Frauen.

„Indianer“

ist eine kolonialrassistische Fremdbezeichnung für die indigenen Gemeinschaften, welche die europäischen Kolonialherr*innen im Zuge der Kolonisierung Nordamerikas antrafen, und wurde in dieser Zeit geprägt. Selbstbezeichnungen indigener Gemeinschaften Nordamerikas sind u.a. Native Americans und First Nations.

Kufija

ist eine meist von Männern getragene Kopfbedeckung in der arabischen Welt. Der Begriff ist abgeleitet von der irakischen Stadt Kufa. Durch den Nahostkonflikt ist das Tuch auch als Palästinensertuch bekannt.

Latinx

ist eine Selbstbezeichnung von Menschen lateinamerikanischer Herkunft in den USA und wird seit Mitte der 2000er von Aktivist*innen und seit 2014 vermehrt an US-amerikanischen Universitäten verwendet. Der Anspruch ist, den Begriff als inklusive, neutrale und geschlechtergerechte Alternative für das im Spanischen gegenderte Wort Latino/Latina zu etablieren.

lesbisch

nennen sich Frauen oder Personen, die sich in andere Frauen verlieben und/oder sich sexuell zu ihnen hingezogen fühlen und mit ihnen Beziehungen eingehen.

Männlichkeit

siehe „fragile Männlichkeit“, „hegemoniale Männlichkeit“ und „toxische Männlichkeit“

#MeToo-Bewegung

Die #MeToo-Bewegung wurde von der Schwarzen Aktivistin Tarana Burke 2006 ins Leben gerufen, um auf den sexuellen Missbrauch von afroamerikanischen Frauen aufmerksam zu machen und um Solidarität und Empathie zwischen Menschen, die Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt machen mussten, zu stärken: Mir ist es passiert, dir ist es passiert und wir sind solidarisch miteinander. Im Oktober 2017 ging dieser Hashtag viral um die Welt, nachdem Millionen von Frauen #MeToo nutzten, um ihre Erlebnisse zu schildern.

Mizrachi

kommt aus dem Hebräischen und bedeutet „Orientale“ oder „orientalisch“ und ist eine Bezeichnung für aus Afrika, Asien und vor allem dem Nahen Osten stammende jüdische Bevölkerungsgruppen in Israel, die sich auch selbst als „Mizrachim“ (Plural) identifizieren. Der Begriff wird auch in Abgrenzung zu den aus Europa stammenden jüdischen Israelis verwendet, wobei eine genaue Definition der Gruppe der Mizrachim nicht möglich ist.

Nonkonformist/nonkonformistisch

bezeichnet eine kritische, nicht angepasste Haltung gegenüber gesellschaftlich anerkannten Normen. Mit dem Begriff werden auch Menschen bezeichnet, die nicht den Geschlechterstereotypen entsprechen, die auf dem Geschlecht basieren, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde.

orientalistischer Blick

bezeichnet eine voreingenommene Sichtweise, die nicht-weiße Menschen aus dem sogenannten „Orient“ als die „Anderen“ objektiviert und exotisiert und somit Dominanz ausübt. Der Begriff ist von Edward Saids Buch Orientalismus (1978) geprägt. Darin kritisiert er den westlichen Essentialismus, der Gesellschaften im Nahen Osten, Asien und Nordafrika als scheinbar statisch und unterentwickelt, westliche Gesellschaften im Gegensatz dazu als entwickelt und überlegen darstellt und damit sowohl das Urteil über als auch den Konsum von diesen Kulturen rechtfertigt.

Patriarchat/patriarchal

beschreibt eine Gesellschafts- bzw. Herrschaftsform, die Menschen in zwei Geschlechter einteilt, die in einer hierarchischen Beziehung zueinanderstehen: Männer sind dominant, Frauen untergeordnet, andere Gender nicht vorgesehen bzw. marginalisiert. Die männliche Dominanz ist dabei Teil gesellschaftlicher Institutionen und Praktiken, in denen Frauen und andere Geschlechtsidentitäten prinzipiell benachteiligt werden.

People of Colour (PoC)

ist eine internationale Selbstbezeichnung von Menschen mit Rassismuserfahrungen, die von der Mehrheitsgesellschaft ausgegrenzt und kollektiven Zuschreibungen des „Andersseins“ ausgesetzt werden. PoC ist eine verbindende Bezeichnung für nicht-weiße Menschen in rassistischen Gesellschaften. Der Begriff markiert eine gesellschaftliche Position und politisch gewählte Selbstbezeichnung in Ablehnung kolonialrassistischer Fremdbezeichnungen.

Performativität (von Geschlecht)

Den Begriff hat die US-amerikanische Philosophin und Queertheoretikerin Judith Butler aus der Sprechakttheorie John Langshaw Austins übernommen und in Bezug auf Geschlecht und Gender weiterentwickelt. Mit dem Konzept der Performativität von Geschlecht legt sie dar, dass Zweigeschlechtlichkeit nicht natürlich gegeben ist. Die Wahrnehmung zweier Geschlechter ist Effekt diskursiver Prozesse, also von Sprache, die Bedeutung hervorbringt. Die Unterscheidung „Frau“/„Mann“ wird damit als sprachlich konstruiert begriffen. Diese Konstruktion wird mit der Performativität von Sprache erfasst: Performative Akte bringen soziale Realität hervor. Mit Worten, Gesten und Handlungen wird die Herstellung der Geschlechtsidentität immer wieder vollzogen. Nicht subjektiver Wille ist dabei entscheidend, sondern der soziale Kontext, in dem das Subjekt durch den diskursiven Prozess erst konstituiert wird. Performativität entfaltet ihre dauerhafte Wirkung in der Wiederholung: Das Kind wird bei der Geburt zum „Mädchen“ gemacht und später von Institutionen immer wieder als solches betrachtet.

Progressive Era

bezeichnet die Epoche von 1880 bis 1920 in den USA, die von sozialen, politischen und zivilgesellschaftlichen Prozessen und Reformen gekennzeichnet war. Die Reformer*innen versuchten, den Problemen der modernen Industriegesellschaft, wie Armut, Kriminalität, Korruption und Kartellbildung durch staatliche Intervention entgegenzuwirken, um eine Besserung der Lebensverhältnisse der Bürger* innen voranzutreiben.

Queerness/queer

ist eine Selbstbezeichnung von Menschen, die nicht den gesellschaftlichen Normen und Erwartungen in Bezug auf Geschlechtsidentität, Sexualität oder Begehren entsprechen. Zudem bezeichnet queer auch einen Theorie- und Wissenschaftszweig, in dem Schubladendenken aufgebrochen wird und verschiedene Unterdrückungsformen miteinander verknüpft gedacht werden.

race

bezeichnet ein System, in dem Menschen in eine begrenzte Anzahl von (ursprünglich geografisch definierten) Gruppen anhand vermeintlich inhärenter biologischer Unterschiede, die auf körperlichen Merkmalen (z.B. Hautfarbe) beruhen, eingeteilt werden, die von Generation zu Generation weitervererbt werden. Um die soziale Konstruiertheit dieser Kategorie zu betonen, verwenden wir den englischen Begriff race und nicht den deutschen Begriff der „Rasse“, da sich dieser im deutschsprachigen Kontext oft nur auf seine Verwendung im Nationalsozialismus bezieht und damit meist nur die wissenschaftlich nicht haltbare biologistische Konstruktion gemeint wird.

Rassismus

ist ein strukturelles Herrschaftsverhältnis, in dem Gruppen essentielle, konstruierte, meist negative Merkmale und unterschiedliche Wertigkeiten zugeschrieben werden. Diese Hierarchisierung ermöglicht und normalisiert die Diskriminierung, Unterdrückung und Ausbeutung der so abgewerteten, rassifizierten Gruppen, denen nur ein eingeschränkter Zugang zu Ressourcen gewährt wird.

Schwarz

ist keine biologische Eigenschaft und keine reelle Hautfarbe, sondern beschreibt eine von Rassismus betroffene gesellschaftliche Position von Personengruppen. Die Großschreibung von Schwarz unterstreicht das von Schwarzen und People of Colour dieser Kategorie eingeschriebene Widerstandspotenzial und verdeutlicht, dass es sich um eine politisch gewählte Selbstbezeichnung handelt, in Ablehnung kolonialrassistischer Fremdbezeichnungen.

schwul

Als schwul bezeichnen sich Männer oder Personen, die sich in andere Männer verlieben und/oder sich sexuell zu ihnen hingezogen fühlen und mit ihnen Beziehungen eingehen.

Schwuchtel

ist eine Bezeichnung für sich „weiblich“ benehmende schwule Männer. Diese Fremdbezeichnung wurde früher meist salopp und abwertend als Schimpfwort benutzt. Mittlerweile haben viele schwule Männer sich den Begriff angeeignet und verwenden ihn als positive Selbstbezeichnung.

toxische Männlichkeit

beschreibt eine in unserer Gesellschaft herrschende Vorstellung von Männlichkeit, die auf einem traditionellen, stereotypischen und patriarchalen Männerbild basiert, wie etwa: Männer sollen keine Schwäche zeigen, Gefühle außer Wut nicht zulassen, sie sollen hart, aggressiv und nicht zärtlich sein, schon gar nicht miteinander. Ein solch eindimensionales Männlichkeitsbild kann negative Auswirkungen auf die ganze Gesellschaft haben und Männer dazu veranlassen, sich selbst und anderen zu schaden: durch Gewalt gegen Frauen, Männer und Menschen anderer Geschlechter.

Voguing

bezeichnet eine kraftvolle tänzerische Kunstform und Subkultur, die in den Schwarzen und Latinx queeren Communitys im New York der 1970er und 1980er Jahre entstanden ist.

weiß

beschreibt keine reelle Hautfarbe und ist keine Selbstbezeichnung, sondern benennt eine privilegierte Machtposition innerhalb eines rassistischen Systems.

weißer Blick

bezeichnet einen kolonialrassistischen Blick, der sich als überlegen und berechtigt sieht, Wahrheiten schaffen zu können, auf „Andere“ zu blicken und deren Lebensrealitäten zu bewerten. Beispiele: weiße Menschen fotografieren und betrachten aus einer Machtposition heraus Schwarze Menschen, die keine Macht haben. Die wohl spektakulärsten Inszenierungen des weißen Blicks waren die „Völkerschauen“ und Kolonialausstellungen um die Jahrhundertwende, die zur Unterhaltung der Öffentlichkeit inszeniert und arrangiert wurden.

westlicher Blick

siehe „weißer Blick“