Ausstellungsguide

Entdecken Sie Otobong Nkangas Ausstellung There’s No Such Thing as Solid Ground im Gropius Bau online.

Otobong Nkanga (*1974, Kano, Nigeria) war 2019 für ein Jahr In House: Artist in Residence im Gropius Bau. Ihr Interesse gilt Strukturen von Reparatur und Fürsorge. Die Künstlerin beschäftigt sich mit den komplexen Beziehungen zwischen Mensch und Land, die sich in den globalen Systemen von Ausbeutung und Bergbau sowie in den Strömen von Menschen und natürlichen Ressourcen zeigen.

Land ist in ihren Arbeiten auf vielfache Weise zu verstehen: als die Erde, der Boden und die Landschaft; als ein Bereich, auf dem ökologische, wirtschaftliche, politische und soziale Themen verhandelt werden. Nkangas Werk beruht auf intensiven Recherchen und verwebt unterschiedliche Medien miteinander, darunter Installation, Textil, Performance, Zeichnung, Texte und Erzählungen.

Es erinnert daran, dass Objekte und Handlungen nicht losgelöst voneinander betrachtet werden können. Sauerstoff, Stimme und der Vorgang des Atmens verbinden die Kunstwerke in dieser Ausstellung miteinander: Von Nkangas Soundarbeit Wetin You Go Do? Oya Na (2020), einer neuen Version von Stimmaufnahmen für den Gropius Bau, zu ihren Zeichnungen oder dem dreiteiligen Projekt Carved to Flow (2017–2020), das seinen Ursprung während der documenta 14 nahm. Ihre Werke resonieren mit der Vergangenheit und der Gegenwart, um verborgene Geheimnisse, neu erzählte und vergessene Geschichten zu enthüllen.

Taste of a Stone
Kolanut Tales – Dismembered

2010–2020

Die Installation Taste of a Stone eröffnet eine meditative Oase, einen Innengarten aus Felsen und weißen Kieselsteinen. Es entsteht eine Landschaft voller geschichtlicher und geologischer Spuren und zugleich ein Raum für menschliche Begegnungen. Nkanga fragt nach den Geschichten von Steinen und ihrem kulturellen Wert. Und sie fragt, was Steine über das Land und den Boden erzählen können. Welche Rollen können sie übernehmen, wenn Steine zum Beispiel ein Grundstück abstecken? Oder wenn sie als Erinnerung von ihrem ursprünglichen Ort mitgenommen werden und so auch über Entfremdung erzählen?

Die Oberflächen der Kalksteinplatten zeigen feine Veränderungen, die vom Kontakt mit Insekten, Pflanzen oder Menschen zeugen. Die freistehende Textilarbeit Kolanut Tales – Dismembered zeigt botanische Abbildungen von zerlegten Pflanzenteilen. In der raumgreifenden Installation wachsen zwischen den Steinen wurzellose Pflanzen, die Wasser und Nährstoffe durch ihre Blätter aufnehmen und sich grundsätzlich überall zu Hause fühlen. Mit diesen Pflanzen deutet Nkanga auf das Thema der Vertreibung hin: Umso weniger es möglich ist Wurzeln zu schlagen, desto entscheidender ist Anpassungsfähigkeit für das Überleben. Diese Fragen, die die Künstlerin den Pflanzen und Steinen zuschreibt, können auch auf uns Menschen erweitert werden: Wo sind unsere Wurzeln, woher kommen wir?

Die Installation ist eine begehbare Einladung für Besucher*innen sich mit den Steinen zu beschäftigen, den eigenen Schritten zuzuhören und ihre eigene Erzählung darin zu finden. Sie bietet Raum für sogenannte Movements, die die Installation während der Ausstellungsdauer weiter beleben.

Otobong Nkanga, Taste of a Stone, 2010-2020

Otobong Nkanga, Taste of a Stone, Gropius Bau (2020), Ortsspezifische Installation, Findlinge, Gneis, Granit, Inkjet-Druck auf Kalkstein, Islandmoos, Marmorkies, Movements, Pflanzen, © Otobong Nkanga, Foto: Luca Girardini

Otobong Nkanga, Contained Measures of Shifting States – Evaporate, 2012

Otobong Nkanga, Contained Measures of Shifting States – Evaporate, Gropius Bau (2020), Tisch, Aspirator, destilliertes Wasser, Heizplatte, Foto: Laura Fiorio

Contained Measures of Shifting States – Evaporate

2012

Auf dem runden Tisch ist ein Verdunstungsprozess zu beobachten. Flüssigkeit tropft stetig auf eine heiße Platte, die sich dort sofort zischend in Dampf verwandelt. Indem wir diese Verwandlung von flüssig zu dampfend verfolgen, beobachten wir die Veränderung eines physikalischen Zustandes. Die Installation ist Teil einer Arbeitsserie, die sich veränderbare Zustände von unterschiedlichen Elementen sinnlich wahrnehmbar macht und die Wandelbarkeit von Materialien thematisiert. Hier werden nicht greifbare Zustände sichtbar.

In Nkangas Arbeitsweise sind diese Zustände nicht nur die physischen Erscheinungsformen von sich ändernden Elementen, sondern müssen in einen größeren politischen Kontext gesetzt werden, mit dem die Künstlerin die Welt begreifen will. Alles ist miteinander verbunden und entwickelt sich ständig weiter. An bestimmten Punkten eines Prozesses mag eine Entwicklung vielleicht noch nicht erkennbar sein, sie wird an einem Punkt aber sichtbar werden.

Diaspore

2014/2020

In der Performance Diaspore durchqueren erzählende und singende Performerinnen auf einer topografischen Karte den Ausstellungsraum. Ihren Blick haben sie konzentriert auf den Boden gerichtet. Auf ihren Köpfen tragen sie Töpfe mit der Pflanze „Königin der Nacht“ (Cestrum nocturnum). Die Frauen befinden sich in einem ständigen Dialog mit der Pflanze. Ihre Bewegungen leiten sie vorsichtig über den Boden mit der Landkarte. Diese gibt nicht zu erkennen, um welches Land es sich handeln könnte.

Die ursprünglich in Westindien wachsende Pflanze wurde in Südasien angesiedelt. Die Arbeit veranschaulicht so das Interesse der Künstlerin an komplexen Netzwerken sozialer und politischer Spannungen. Momente, in denen Körper und Ressourcen von ihrem Ursprung verdrängt und entwurzelt werden. Nkanga erforscht hier Zustände der Diaspora, also dem Leben in der Fremde, wenn die Heimat verlassen werden musste und nach einer neuen Zukunft gesucht wird.

Der Titel verweist auch auf den botanischen Begriff „Diaspore“. Er beschreibt Früchte und Sporen, die der Verbreitung von Pflanzen dienen. Die künstlerische Arbeit ist ein Sinnbild für Entwurzelung und Vertreibung. Sie thematisiert die Migrationen von Menschen und Pflanzen, die im Laufe der Geschichte umsiedeln mussten. Es geht um Menschen, die vertrieben werden und sich wieder etwas aufbauen. Die Performance öffnet den Dialog über das Verhältnis von Fürsorge und Widerstand. Wie kann ein Ort geschaffen werden, in dem sich Körper, die sich widersetzen mussten, wieder erholen und aufbauen können?

Otobong Nkanga, Diaspore, 2014

Otobong Nkanga, Diaspore , ortsspezifische Installation und Performance, 14 Räume, Basel (2014), auf den Boden laminierte topografische Karte (Tintenstrahldruck), Cestrum nocturnum, Pflanzentöpfe, © Otobong Nkanga, Foto: Andri Pol

Otobong Nkanga, Manifest of Strains und Double Plot, 2018

Otobong Nkanga, Manifest of Strains and Double Plot, Gropius Bau (2020), Aluminium, freischwebendes Element, Glas Heizkabel, Luftkompressor, Metall, Neonlicht, pulverbeschichteter Stahl, Foto: Laura Fiorio

In a Place Yet Unknown
Manifest of Strains

2017

Die ringförmige Skulptur Manifest of Strains beschäftigt sich mit der Vernetzung von Handlungen. Sie zeichnet ein Bild unseres politischen und gesellschaftlichen Zusammenlebens. Nkanga untersucht hier, wie Gefühle und der Raum, den sie einnehmen, übersetzt und (be)greifbar werden können. Gefühle und psychologische Zustände wie Melancholie, Taubheit oder Wut werden in sieben Abschnitten sichtbar.

Jeder dieser Abschnitte basiert auf einem besonderen Material, das sich auf die Grundelemente Wasser, Luft und Feuer bezieht. In einem Bereich ist eine leuchtend rote Neonröhre zu sehen. Im Bereich daneben geht es um Luftkompression, also um das Ausatmen von Luft. Es folgt ein thermochromer Wechsel von Schwarz zu Silber, der durch die Veränderung der Temperatur des Farbpigments entsteht. Dieser Effekt verweist auf den politischen und emotionalen Wechsel von Zuständen. Ein anderer Abschnitt bezieht sich auf den Moment des Erstickens. Eingeschlossen Luft in einer Glasskulptur versinnbildlicht dieses Gefühl. Ein weiterer Bereich erzeugt Hitze, bis er flammend rot leuchtet. Er verweist auf wachsende Spannungen und Kriege. An anderer Stelle scheint ein schwebender Stein der Schwerkraft zu trotzen. Auf diese Weise erzählt er von der Möglichkeit der Überwindung eines Zustandes. Und noch ein Bereich rostet. Damit ist er Sinnbild für den Zerfall und die Veränderlichkeit der Elemente und ihrer Zustände.

Die Künstlerin denkt über die Zustände der Welt nach, indem sie mit Ausdrucksmöglichkeiten von Material arbeitet, zum Beispiel mit Temperaturen, die sich abkühlen oder aufheizen. Da sie in einem Kreis zusammengefasst sind, können sie nicht voneinander getrennt betrachtet werden: Was in einem Bereich passiert, kann nicht aus einem anderen ausgesperrt werden. Für Nkanga sind die weltweiten Vorkommnisse und menschlichen Gefühle in weitreichenden Netzwerken miteinander verbunden.

Double Plot

2018

Der Wandteppich Double Plot erzählt von Zuständen und Situationen, die Land und Menschen beeinflussen. In mehreren Bildebenen zeigt er verschiedene, miteinander verwobene Perspektiven. Der Hintergrund des Teppichs ist von dem Sonnensystem und von Sternformationen gegliedert. Aus der Vogelperspektive sieht man ein Liniennetzwerk, das an Landvermessungen und Grenzen erinnert: strukturelle Veränderungen, die an dem Land vorgenommen werden und die zu Konflikten führen können. Die Draufsicht zeigt einen kopflosen Mann neben einem blühenden Baum. Seine Hände halten wie an Zügeln kreisrunde fotografische Bilder, die ein weiteres Element des Wandteppichs bilden. Die Fotografien zeigen Bilder von Unruhen und Ausschreitungen. Es sind Momente, in denen bestimmte Machtsysteme Menschen manipulieren und kontrollieren. So sind zum Beispiel Demonstrationen am Tahrir-Platz (Platz der Befreiung) in Kairo zu sehen, ein zentraler Ort der ägyptischen Volksaufstände im Jahr 2011. Eine Sternenkonstellation im Hintergrund des Bildes bezieht sich auf das Datum einer dieser Unruhen. Der Mann lädt ein nach oben, nach unten und nach vorne zu sehen und so die sich verstrickenden Verbindungen zu entdecken.

Auch verknüpft der Wandteppich verschiedene Zeitlichkeiten miteinander – von der auch die Abbildung der Sterne erzählen: Sie schickten ihr Licht weit vor unserer Zeit im Universum los, bevor ihr Funkeln unser Auge erreicht. Auch Zustände der politischen Unterdrückung auf der ganzen Welt haben ihre ganz eigene Zeitlichkeit: Sie entwickeln sich zu einem bestimmten Moment und werden oft erst zu einem späteren Zeitpunkt sichtbar. Körper, Landschaften und Pflanzen sind in Double Plot miteinander verwoben und verbunden. Sie erinnern daran, dass politische Entscheidungen menschliche, geologische und gesellschaftliche Ursachen und Auswirkungen haben. Zudem behandelt diese künstlerische Arbeit – ebenso wie die mittig im Raum zu sehende Installation Manifest of Strains – die Idee der Fürsorge. Nkanga geht es auch hier darum, wie politische Verhältnisse Körper an die Grenze der Belastbarkeit bringen und wie sich Widerstände als Reaktion darauf regen. Ihre Arbeiten fragen nach einem politischen Ort der Fürsorge, von dem ausgehend Stabilität wiederhergestellt werden kann.

Otobong Nkanga, Manifest of Strains and Double Plot, 2018

Otobong Nkanga, Manifest of Strains and Double Plot, Gropius Bau (2020), Teppich: gewebtes Textil und Fotografie; Garne: Viskosebast, Polyester, Bio-Baumwolle, Schafswolle, Acryl und Inkjet-Druck auf fünf lasergeschnittenen Metallplatten, Foto: Laura Fiorio

Otobong Nkanga, Solid Maneuvers, 2015

Otobong Nkanga, Solid Maneuvers, Gropius Bau (2020), verschiedene Metalle, Acryl, Asphalt, Forex, Make-up, Salz, Vermiculit, Foto: Laura Fiorio

The Leftovers
Solid Maneuvers

2017

Die in Schichten gestapelte Skulptur Solid Maneuvers hat eine topografische Form, also eine Form, die die verschiedenen Oberflächen eines Gebietes abbildet. Sie ist wie eine Gleichung, in der ein negatives Volumen zu einem positiven Volumen wird.

Nkanga beschäftigt sich hier mit der negativen Leere eines Ortes, wie er zum Beispiel nach dem Abbau von Rohstoffen „verwundet“ zurückbleibt. Diese Leere ist nicht mehr sichtbar in dem Endprodukt, das aus den abgebauten Ressourcen geschaffen wurde und sich oft an einem ganz anderen Ort befindet. Die Skulptur bezieht sich auf diejenigen Abbaugebiete, die nicht nur die Landschaft verwundet zurücklassen, sondern auch unsere Beziehung zu ihr. Acryl, Aluminium, Blech, Erdöl, Kupfer und Stahl kommen in dieser Skulptur zusammen. All dies sind Materialien, die unter der Erde gewonnen werden. Die Künstlerin stapelt sie aufeinander, um uns über Materialien, die von Menschen verarbeitet werden, nachdenken zu lassen.

Diese Materialien regen außerdem zum Denken darüber an, wie sie künstlich in Beziehung gesetzt werden. Nkanga entwickelte diese künstlerische Arbeit nach einer Reise nach Namibia, bei der sie die Zerstörung von Bergen beobachtete, die durch die Ausbeutung natürlicher Ressourcen geschah. Die Skulptur offenbart zusätzlich zu den Materialschichten auch diejenigen Bereiche, die entfernt wurden. Diese bleiben als Löcher in der Zusammensetzung der Schichten zurück. Die Löcher stehen für die Leere und Abwesenheit des entstellten Landes, der amputierten Hügel, die von der Habgier der Menschen erzählen.

We Could Be Allies

2017/2020

Die Installation We Could Be Allies besteht aus visuellen, textuellen und skulpturalen Elementen. Miteinander verbunden erzählen sie von den Kämpfen und Spannungen menschlicher Beziehungen und Gefühle – seien sie psychologischer, stofflicher oder emotionaler Natur.

Otobong Nkanga, We Could Be Allies, 2017/2020

Otobong Nkanga, We Could Be Allies, Gropius Bau (2020), Acrylfarbe, Gedichte im Tintenstrahldruckverfahren auf Baumwollstoff gedruckt, Metall, Foto: Laura Fiorio

Otobong Nkanga, Zeichnungen, 1997-2020

Otobong Nkanga, Zeichnungen, Gropius Bau (2020), Foto: Laura Fiorio

Zeichnungen

1997–2020

„Zeichnen kann der erste Ansatz sein, um über eine Arbeit oder eine Ausstellung nachzudenken. Es kann mit schnellen Skizzen oder dem Zeichnen direkt im Raum beginnen, um Dinge zu überdenken; oder es kann ein intimer Moment in meinem Studio sein, der nie zu einer tatsächlichen Arbeit führt“ so die Künstlerin.

Nkangas Papierarbeiten von 1997 bis heute zeigen Körper, Land und Materie, die sich zu einer Einheit verbinden. Diese Themen verflechten sich in ihren Zeichnungen. Sie begreift diese als einen Raum, in dem sich ihre Auseinandersetzung mit Materialien und ihr Denken, das sich in der künstlerischen Umsetzung ausdrückt, verbinden. Wie beim Ein- und Ausatmen, bei dem wir unsichtbare Linien austauschen, ist der Rhythmus des Zeichnens für Nkanga eine wesentliche Lebenskraft, die für die Gestaltung von Beziehungen grundlegend ist. Weitere Informationen zu den Arbeiten finden Sie auf den Labels in Raum 6.

Wetin You Go Do? Oya Na

2020

Für den Gropius Bau verwandelt Nkanga eine Tonaufnahme von 2015 in eine räumliche Komposition. Sie entstand damals als Reaktion auf das Gefühl der Ohnmacht in der heutigen Welt. Sie ist auch eine Reaktion auf eine Zeit, die von politischen Spannungen geprägt ist und von Aufständen gegen politische Systeme, die zusammenbrechen und doch unbeantwortet zurückbleiben. Die Frage Wetin You Go Do? lässt sich aus dem gebrochenem Englisch übersetzen mit Was wirst du tun?.

Nkanga selbst spricht in dieser Tonaufnahme in verschiedenen Charakteren. Sie verleiht auch Materialien eine Stimme, vor allem dem Material Beton. Denn Beton gilt oft als selbstverständlich, wird betreten, verwendet und seine Grundelemente werden abgebaut. Die Stimme der Künstlerin vermittelt unterschiedliche Stimmungen. Sie flüstert, schreit, flirtet, zwitschert und beschwert sich. Die von ihr gesprochenen Charaktere nehmen so immer wieder neue Standpunkte ein: Sie sind wütend und widersetzen sich einer Situation; sie sind betrunken und werden sich einer Situation bewusst; sie sind freudig erregt und bringen nur Begeisterung zum Ausdruck ohne eine Handlung vorzuschlagen. Die Stimme wird von Schnipslauten, von Singen und von kehligen Tönen begleitet, die die Musikalität und Poesie dieser künstlerischen Arbeit unterstreichen.

Otobong Nkanga, Wetin You Go Do? Oya Na, 2020

Otobong Nkanga, Wetin You Go Do? Oya Na, Gropius Bau (2020), Mehrkanal-Sound-Installation, Loop, 20 Min., 28 Sek., Foto: Laura Fiorio

Otobong Nkanga, Carved to flow, Gropius Bau (2020)

Otobong Nkanga, Carved to Flow, Gropius Bau (2020), Architekt und Researcher: Nuno Vasconcelos, Foto: Laura Fiorio

Carved to Flow
Germination

2017–2020

Das Projekt Carved to Flow ist als unterstützende Struktur konzipiert, die aktiv in den gesellschaftlichen Bereich eingebunden ist. Es besteht aus drei Stadien. Das erste Stadium ist das Laboratory, eine Workshop-Installation, in der verschiedene Seifenrezepte ausprobiert werden und die ihren Ursprung während der Großausstellung documenta 14 in Athen nahm. Hier entstanden zehn Seifen-Prototypen, darunter die O8 Blackstone Soap, eine im Kalt-Press-Verfahren hergestellte Seife, die aus Wasser, Kohle und Lauge besteht. Außerdem beinhaltet sie sieben verschiedene Fette und Öle, die aus Regionen rund um das Mittelmeer, dem mittleren Orient sowie Nord- und Westafrika stammen. Der Herstellungsprozess dieser Seife sowie das Vereinen der Rohstoffe zu einem Objekt symbolisieren den Umlauf von Materialien, Körpern, Geografien, Traditionen und Geschichten.

Das zweite Stadium Warehouse and Distribution fand während der documenta 14 in Kassel als eine 100-tägige Performance statt, bei der die O8 Blackstone-Seife bei Gesprächen mit dem Publikum verkauft wurde. Mit dem Verkauf der Seifen wird die Carved to Flow Foundation finanziert, wodurch der Kreis zu den vorhergehenden Stadien geschlossen wird.

Derzeit konzentriert sich das dritte Kapitel Germination auf lokale Ökologien. Workshops und Veranstaltungen, die sich thematisch auf die Ausstellung beziehen, machen Materialforschung und Wissen zugänglich. Die Weitergabe von Wissen durch Gespräche, Lernen, Poiesis und fließenden Körpern ist ein wichtiger Teil des Projekts als Plattform für Forschung, kommunaler Produktion und Beziehungen. Carved to Flow entwickelt sich stetig weiter und ersetzt Ökonomien der Ausbeutung und Verdrängung durch ein System des Austauschs: das was entfernt wird, wird ersetzt oder in einer anderen Form zurückgezahlt. Der Arbeitsraum von Carved to Flow, inspiriert von afrikanischer Architektur und eine Fortsetzung von Otobong Nkangas Aufenthalt am Gropius Bau 2019, wird während der Ausstellung von Nuno Vasconcelos geleitet. Workshop-Formate und Gespräche sowie die stetig wachsende Präsenz von Materialien aktivieren den Raum.