Einführungstext

Thea Djordjadze: all building as making

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Thea Djordjadze, She didn’t have friends, children, sex, religion, marriage, success, a salary or a fear of death. She worked, 2014 (Detail)

Das Werk von Thea Djordjadze (geb. 1971, Tiflis, lebt und arbeitet in Berlin) ist eingebettet in einen ständigen Prozess des Wiederverwertens, Rekonfigurierens und Neuordnens von Objekten. Im Gropius Bau verknüpft Djordjadze Elemente früherer Installationen mit neuen Objekten. So entsteht ein Dialog zwischen ihren bestehenden und neuen Arbeiten und damit auch zwischen den jeweiligen Institutionen. Die Künstlerin geht präzise, aber auch sehr subtil in der Bearbeitung des Materials in Bezug zum Raum vor; dies geschieht meist während des Aufbaus einer Ausstellung. Auf Wandtexte wird verzichtet, um die Besucher*innen nicht von dem Raumerlebnis abzulenken oder sie zu beeinträchtigen. Oft vermeidet es die Künstlerin, das von ihr erschaffene räumliche Gefühl mit Worten zu beschreiben. Die Besucher*innen sollen ihre Installationen intuitiv beim Gang durch die Ausstellung erfahren.

Von historischen Artefakten und von moderner Kunst und Architektur beeinflusst, zeichnen sich ihre skulpturalen Arbeiten durch eine unverwechselbare Ästhetik aus, die ungewohnte Kontraste schafft. Die kleinen Feinheiten, die Details in den Randbereichen und die subtilen Aspekte der Vollkommen- oder Unvollkommenheit spielen dabei eine große Rolle. Djordjadze verwendet Materialien wie Schaumstoff, Textilien, Holz, Metall, Gips und Glas. Einige ihrer Arbeiten wirken filigran, was auf Unbeständigkeit und Wandelbarkeit hindeutet, während andere durch den Einsatz von Rahmen und Vitrinen eindeutig die Funktionalität des musealen Displays nahelegen. Daneben verweist die Künstlerin auch auf Alltagsobjekte wie Stühle, Regale und architektonische Elemente.

Thea Djordjadze, Installationsansicht (Detail): Projects 103: Thea Djordjadze. Space under, MoMA PS 1, New York, 2016

Thea Djordjadze, Installationsansicht (Detail): Projects 103: Thea Djordjadze. Space under, MoMA PS 1, New York, 2016 © Thea Djordjadze / VG Bild-Kunst 2021, Bonn, Foto: Pablo Enriquez

Einleitung

In ihren Ausstellungen betont Djordjadze das Beiläufige, indem sie Elemente wie Licht und Zeit herausstellt. Sie beschäftigt sich intensiv mit Orten und verbrachte für die Vorbereitung der Ausstellung im Gropius Bau längere Zeit in den Ausstellungsräumen. Dort beobachtete sie, wie sich die Lichtverhältnisse über die Jahreszeiten und auch im Laufe eines einzelnen Tages veränderten – ein sich ständig wandelndes Raumerlebnis. Für Djordjadze hängt dieses Erlebnis auch mit der Funktion oder dem institutionellen Status eines Gebäudes zusammen, also mit seinem Gebrauchs- oder Verwendungszweck.

Die wechselhafte Geschichte des Gebäudes des Gropius Bau mit seinen unterschiedlichen Nutzungsweisen beeinflusste auch das Gefühl der Künstlerin für die Räume. Die Ausstellung all building as making zeigt, wie ein fließender Schaffensprozess ein statisches Gebäude aktivieren kann, wie Material und Raum dynamisch gestaltet werden, um der Architektur neues Leben einzuhauchen.

Thea Djordjadze, To be in an upright position on the feet (studio visit), 2016 Ausstellungsansicht, Secession 2016

Thea Djordjadze, To be in an upright position on the feet (studio visit), 2016, Ausstellungsansicht, Secession 2016 © Thea Djordjadze / VG Bild-Kunst 2021, Bonn, Courtesy: Secession Wien, Foto: Sophie Thun