Glossar

Zur Ausstellung Zanele Muholi

Dieses Glossar enthält komplexe Wörter, die kulturelle Verwobenheit und Feinheiten beschreiben. Die Autor*innen dieses Glossars versuchen dies zu berücksichtigen und geben auch zur Kenntnis, dass die angebotenen Beschreibungen nicht endgültig sind. Die Bedeutungen der Begriffe selbst sind sehr persönlich, im Widerspruch, werden debattiert und verändern sich ständig.

Sinazo Chiya, Stevenson
Genevieve Louw, GALA Queer Archive, Johannesburg, South Africa
Bongani Matabane, University of Cape Town
Maggie Matich, Tate Research
Übersetzt von Ekpenyong Ani und Yemisi Babatola

Busi Sigasa, Braamfontein, Johannesburg, 2006

Busi Sigasa, Braamfontein, Johannesburg, 2006 © Zanele Muholi, mit Genehmigung der Künstler*in und von Stevenson, Kapstadt/Johannesburg und Yancey Richardson, New York

Afrikanische Diaspora

Die Gesamtheit der Menschen afrikanischer Herkunft, die außerhalb des afrikanischen Kontinents leben, wie z.B. die afroamerikanische, afrokolumbianische, afrokanadische, afrokaribische, afrodeutsche Bevölkerung, afrodiasporische Menschen in der restlichen Welt sowie Migrant*innen afrikanischer Herkunft und ihre Nachkommen.

Ally/Mitstreiter*in

Eine Person, die aktiv für die Rechte und gesellschaftlichen Kämpfe der LSBTQIA+-Community sowie anderen marginalisierten Menschen eintritt, aber nicht die Erfahrung als Zugehörige*r dieser Gruppen teilt.

Apartheid

Eine Gesetzgebung bzw. ein politisches Unterdrückungssystem zur „Rassentrennung“, das zwischen 1948 bis 1994 in Südafrika vorherrschte. Menschen of Colour und andere nicht-weiße Menschen wurden in diesem System auf wirtschaftlicher, politischer und sozialer Ebene diskriminiert. „Apartheid“ ist Afrikaans und heißt „getrennt voneinander“. Das Wort wird heute auch genutzt, um aktuelle globale Ungleichheitsverhältnisse zu beschreiben, die Rassismus und soziale und ökonomische Unterdrückung aufrechterhalten.

Asexuell

Ein Sammelbegriff für Menschen, die gar nicht oder nicht gleichbleibend sexuelle Anziehung empfinden oder romantische Beziehungen wünschen. Damit sind auch Menschen gemeint, die andere auf psychologischer, geistiger oder emotionaler Ebene begehren bzw. Menschen, die andere nicht nur körperlich attraktiv finden.

Biologisches Geschlecht

Ist vom gesellschaftlichen Geschlecht bzw. Gender zu unterscheiden. Das biologische Geschlecht wird auf Basis von reproduktiven Organen (Genitalien) bei der Geburt zugewiesen.

Bisexuell

Ein Sammelbegriff, der romantische und/oder sexuelle Anziehung zu mehr als einem Geschlecht beschreibt. Bisexuelle Menschen verwenden auch manchmal andere Begriffe wie (unter anderem) pansexuell und queer.

Bleistift Test

Ein rassistischer und entmenschlichender Test, der im Apartheid-Regime von den Behörden verwendet wurde, um Menschen rassistisch in Klassen einzuteilen. Dabei wurde ein Bleistift ins Haar gesteckt. Konnte das Haar den Stift nicht halten, wurde es als glatt bzw. nicht lockig, anstelle von Afrohaar, kategorisiert. Damit galt der Test als „bestanden“ und die Person wurde als weiß „eingeteilt“.

Butch

Selbstbezeichnung von queeren Personen, die – gemäß heterosexueller Standards und Stereotypen – oft (aber nicht immer) „maskulin“ auftreten oder gesellschaftlichen Definitionen von Männlichkeit entsprechen. Manche Butches bezeichnen sich als „eine Butch“, andere sprechen von sich als „ein Butch“. Der Begriff kommt aus der queeren Bewegung und sollte nur verwendet werden, wenn ihn Menschen explizit für sich wählen.

Cis/cis-geschlechtlich

Menschen, deren Genderidentität mit der übereinstimmt, die ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde, sind cis/cis-geschlechtlich

„Corrective Rape“

Ein Hassverbrechen, bei dem eine Person aufgrund ihrer wahrgenommenen sexuellen Orientierung oder Genderidentität vergewaltigt wird. Mit solchen Taten sollen die Personen zu Heterosexualität und Geschlechtskonformität gezwungen werden.

Cross-Dresser*in

Menschen, die Kleidung tragen, die – den traditionellen und stereotypischen Rollenbildern nach – nicht zur eigenen Genderidentität passt. Bei Crossdressing handelt es sich um eine Performance. Cross-Dresser*innen können ganz verschiedene Genderidentitäten haben.

Dental Dams

Eine Latex- oder Polyurethan-Folie, die als Schutz beim Oralsex auf Anus oder Vulva gelegt wird, um sich vor sexuell übertragbaren Infektionen zu schützen.

Drag-Performer*innen

Personen, die gesellschaftlich geltende „feminine“ oder „maskuline“ Kleidung, Make-Up und Verhaltensweisen als überzogene Performance künstlerisch präsentieren, mit Gendererwartungen spielen und diese aufbrechen.

Dyke

Früher ein abwertender Begriff für Lesben, der zu einer Selbstbezeichnung wurde. Er wird vor allem von Menschen verwendet, die sich durch die Wiederaneignung von Schimpfwörtern selbst ermächtigt fühlen. Mit „Dyke“ wird Härte und Radikalität assoziiert, ebenso die Ablehnung von bürgerlichen Rollenerwartungen, wie z. B. Heteronormativität oder Anstand.

Eingetragene Lebenspartnerschaft

Die eingetragene Lebenspartnerschaft (in Deutschland Lebenspartnerschaftsgesetz – LPartG) ist eine staatlich anerkannte Form der Ehe mit den gleichen Rechten und Pflichten, jedoch ohne die Bezeichnung „Ehe“. Das Gesetz (Civil Union in Südafrika) wurde geschaffen, um gleichgeschlechtlichen Paaren und Partnerschaften gesetzliche Anerkennung zu sichern.

Family

Als Family (Familie) bezeichnen queere und trans* Menschen andere, die queer und trans* sind. Auch bekannt als Wahlfamilie (chosen family).

Femme

Ein Begriff, der in LSBTQIA+-Communities verwendet wird, um queere Menschen zu beschreiben, die oft (aber nicht immer) „weiblich“ auftreten oder gesellschaftlichen Definitionen von Weiblichkeit entsprechen. Der Begriff sollte nur verwendet werden, wenn ihn Menschen explizit für sich wählen.

Gender/soziales Geschlecht

Verweist im Gegensatz zum biologisch zugewiesenen Geschlecht auf das gesellschaftlich konstruierte Geschlecht, beziehungsweise die Vorstellung davon, was ein „Mann“ und eine „Frau“ sein soll. Diese Vorstellungen werden durch gesellschaftliche Verhaltensweisen, Rollenbilder und Erwartungen durchgesetzt und zwingen Menschen dazu, sich für das Geschlecht zu entscheiden, das ihnen zugewiesen wurde. Dieser Logik folgend ist männlich = Mann = maskulin und weiblich = Frau = feminin. Gender oder das soziale Geschlecht einer Person ist eine Kombination daraus, was sich im Inneren richtig anfühlt und was nach Außen zum Ausdruck kommt.

Gender Binary/Soziale Zweigeschlechtlichkeit

Ein System, in dem das soziale Geschlecht in nur zwei Kategorien – Mann und Frau – eingeteilt wird. Das schließt nicht-binäre und gender nonkonforme Menschen aus.

Gender-Dysphorie

Wenn Menschen sich unwohl fühlen, Panik oder Dauerstress empfinden, weil ihr bei der Geburt zugewiesenes Geschlecht nicht mit ihrer Genderidentität übereinstimmt.

Gender-Hierarchie

Eine Geschlechterordnung, die Menschen in zwei Kategorien einteilt. Die männlichen und weiblichen Geschlechter werden als absolut gegensätzlich und gleichzeitig sich „ergänzend“ dargestellt. Sie stehen in einer Herrschaftsbeziehung zueinander, bei der Männer Frauen übergeordnet sind und andere sexuelle Orientierungen und Genderidentitäten nicht vorgesehen bzw. ebenfalls dem männlichen Geschlecht untergeordnet sind.

Gender nonkonform

Eine Person, die sich der Einteilung in die Kategorien Mann und Frau entweder durch ihr äußeres Erscheinungsbild oder ihre Genderidentität widersetzt.

Geschlechtszuweisung

In der westlichen Mehrheitsgesellschaft und ihrer Wissenschaft wird Geschlecht aufgrund von biologischen Geschlechtsmerkmalen (Genitalien) zweigeteilt in männlich und weiblich. Diese zweigeschlechtliche Logik wird Kindern bei der Geburt zugewiesen. Typischerweise werden Kindern mit Vulva und Vagina nach der Geburt Mädchen bzw. Frau genannt (Assigned Female At Birth = AFAB) und Kinder mit Penis Junge bzw. Mann (Assigned Male At Birth = AMAB). AFAB und AMAB sind Begriffe, die trans*, gender nonkonforme und nicht-binäre Menschen verwenden. Sie zeigen, dass sich die Einteilung in männlich und weiblich bei der Geburt nicht immer mit der tatsächlichen Genderidentität deckt.

Hasskriminalität/Hassverbrechen

Jedes Gewaltverbrechen das, unabhängig davon, ob es offiziell zur Anklage gebracht wird oder nicht, aufgrund von Vorurteilen oder Hass verübt wird. Die Absicht der Täter*innen ist es, ihre Opfer zu erniedrigen und zu entmenschlichen. Täter*innen sehen ihre Opfer dabei als „anders“ als sie, häufig aufgrund von Rassismus oder der tatsächlichen oder vermuteten Herkunft, Gender, Alter, Sexualität, Behinderung, Gesundheit, Nationalität, Klasse, Religion, Kultur, Sprache oder anderen Merkmalen.

Heteronormativität

Ist ein gesellschaftspolitisches System, das auf Zweigeschlechtlichkeit beruht und Heterosexualität als die normale, ursprüngliche sexuelle Orientierung ansieht. Heteronormativität steht für die Überzeugung, dass Menschen in gegensätzliche und sich ergänzende Geschlechter (Mann und Frau) eingeteilt sind, die vermeintlich „natürliche“ Rollen im Leben haben. Sie geht davon aus, dass am ehesten ein cis Mann und eine cis Frau für die Ehe, sexuelle oder romantische Beziehung gemacht sind. Alle anderen Formen der Beziehung und Anziehung werden zur „Abweichung“.

Homonationalismus

Eine Form des Aktivismus, bei dem LSBTQIA+-Rechte nationalistisch mit einem nordamerikanischen und europäischen Fokus dargestellt werden, während Ausdrucksformen des mittleren Ostens, globalen Südens und insbesondere Afrikas abgewertet werden. Im Rahmen homonationalistischer Wertesysteme wird LSBTQIA+-Aktivismus an neoliberale und rechte Ideologien angepasst, um rassistisches, klassistisches, islam- und menschenfeindliches Gedankengut innerhalb der Bewegung zu normalisieren. Dies basiert auf Vorurteilen gegenüber vermeintlich homophoben migrantisierten Menschen im Gegensatz zur westlich-demokratischen Gesellschaft, in der angeblich alle gleich sind.

Homophobie

Ablehnung von Menschen aufgrund von Vorurteilen, negativen Meinungen, Glaubenssätzen oder Ansichten über Menschen, die LSBTIQA+ sind.

Homosexuelle*r

Eine Person, die sich sexuell oder romantisch zu einer Person desselben Geschlechts hingezogen fühlt. „Homosexuelle*r“ ist ein eher technischer bzw. medizinischer Begriff. Heute werden eher die Begriffe schwul und lesbisch verwendet.

Intersektionalität

Theorie aus der Critical Race Theory, dem Womanism und der Schwarzen Feministischen Schule. Diese beschreibt die sich überlappenden und in sich verstrickten Ebenen sozialer Identität. Im Fokus stehen hierbei Unterdrückungssysteme und Diskriminierung. Die Juristin Kimberlé Crenshaw hat diesen Begriff im Jahr 1989 geprägt, um die Situation auf dem Arbeitsmarkt von Schwarzen Frauen in den USA zu beschreiben. Intersektionalität beschreibt, wie die eigene race, Klasse, Herkunft, Alter, Behinderung, Sexualität, Nationalität und Religion die Erfahrung von „Frausein“ und Gender beeinflussen, statt diese als universal zu betrachten. Dabei geht es auch darum, wie diese sozialen Ungleichheiten sich gegenseitig beeinflussen und verwoben sind.

Intersexualität/inter*

Wird für Menschen verwendet, die biologische Merkmale haben, die nicht zu den gesellschaftlichen Erwartungen von „männlich“ und „weiblich“ passen. Diese physisch-biologischen Variationen verändern sich im Leben einer Person und sind unterschiedlich ausgeprägt. Intersexualität beschreibt biologische und physische Geschlechtsmerkmale und unterscheidet sich damit von dem Begehren oder der Genderidentität einer Person.

isiNgqumo

Eine Sprache, die in LSBTQIA+-Kreisen Südafrikas gesprochen wird, insbesondere bei den Nguni.

isiStabane/Stabane

Ist ein umgangssprachliches isiZulu-Schimpfwort, das sich gegen LSBTIQA+-Südafrikaner*innen richtet. Die direkte Übersetzung ins Englische bedeutet: Eine Person, die mit beiden, männlichen und weiblichen, „Geschlechtsteilen“ geboren ist.

Lesbe

Frauen, trans* Personen und nicht-binäre Personen, deren Begehren oder romantische Gefühle sich an andere Frauen oder nicht-binäre Femmes richten.

Lobola/Lobolo

Beschreibt eine Heiratstradition, in der die Familie und Verwandtschaft des Bräutigams verschiedene Güter übergeben, um eine Ehe verbindlich zu machen. Früher wurde oft Vieh angeboten, heute wird Geld bevorzugt. Dies entscheidet die Familie der Braut.

LSBTQIA+

Ein Kurzwort, das aus den Anfangsbuchstaben der Wörter lesbisch, schwul, bisexuell, trans*, queer, inter*, asexuell und agender gebildet wird und für diese als Sammelbegriff steht. Das Pluszeichen deutet auf die vielfältigen Begriffe hin, die es weltweit für sexuelle Orientierung und Gender gibt. Diese Auflistung ist nicht vollständig.

MSM

Ein Kurzwort für Männer, die Sex mit Männern haben. MSM können, müssen aber nicht, schwul, queer oder bisexuell sein.

Necklacing

Eine Foltermethode, die als sogenannte Selbstjustiz angewendet wird. Dabei wird einer Person ein brennender Reifen um den Hals gelegt. Während der Apartheid wurde diese Foltermethode manchmal innerhalb Schwarzer Communities angewendet, um diejenigen zu bestrafen, bei denen vermutet wurde, dass sie mit dem Apartheid-Regime zusammengearbeitet haben.

Nicht-binär

Nicht-binär (auch oft synonym mit dem Wort genderqueer verwendet) ist ein Sammelbegriff für Menschen, die sich weder mit der Bezeichnung „Mann“ noch „Frau“ identifizieren können. Die Selbstbezeichnung nicht-binär kann bedeuten, sich mit Teilen von „männlich“ oder „weiblich“ zu identifizieren oder auch beides komplett abzulehnen.

Outen

Wenn die sexuelle Orientierung oder Genderidentität einer LSBTIQA+-Person ohne deren Zustimmung öffentlich gemacht wird.

Pansexuell

Eine Person, deren Begehren und romantische Gefühle nicht an die Sexualität oder die Genderidentität von Personen gebunden ist.

Passbuch (Dompas)/Reference Book

Ein Dokument zur Identifikation im Apartheid-Regime, das jede Person of Colour und alle anderen, die als nicht-weiß klassifiziert wurden, ständig bei sich tragen mussten. Das Buch war zweiteilig und bestand einerseits aus einem laminierten Ausweis mit schwarz-weißem Porträtfoto und Informationen wie Name, Rassifizierungskategorie, Ausstellungsdatum und einer amtlichen Unterschrift. Zusätzlich gab es fünf weitere Abschnitte, die Informationen zu Zutrittsbeschränkungen zu bestimmten Stadtgebieten enthielten, sowie Nachweise medizinischer Pflichtuntersuchungen, Namen und Adressen von Arbeitgebenden, Informationen zur Berufstätigkeit sowie Steuerzahlungsnachweise. Dieser Pass wurde umgangssprachlich Dompas genannt, Afrikaans für „dummer/blöder“ Pass.

Patriarchat/patriarchal

Beschreibt eine Gesellschafts- bzw. Herrschaftsform, die Menschen in zwei Geschlechter einteilt, die in einer hierarchischen Beziehung zueinander stehen: Männer sind dominant, Frauen untergeordnet, andere Gender nicht vorgesehen bzw. marginalisiert. Die männliche Dominanz ist dabei Teil gesellschaftlicher Institutionen und Praktiken, in denen Frauen und andere Genderidentitäten prinzipiell benachteiligt werden.

Person oder Menschen of Colour (POC)

Ein Bündnisbegriff für Menschen, die systemische Rassismen erleben. Es ist eine Bezeichnung für alle Menschen, die nicht-weiß sind.

Pinkwashing

Ein Begriff mit verschiedenen Bedeutungen. Er wird oft verwendet, um den Missbrauch und die Aneignung der LSBTQIA+-Bewegung für politische oder kommerzielle Zwecke zu beschreiben. Wenn sich Unternehmen oder Organisationen als „queerfreundlich“ ausgeben, um sich bei progressiven Teilen der Gesellschaft beliebt zu machen sowie gleichzeitig ihr diskriminierendes und gewaltvolles Handeln verdecken, wird das als Pinkwashing bezeichnet.

Pronomina

Worte, mit denen wir im Gespräch auf die Genderidentität einer Person hinweisen. Im Deutschen beispielsweise „er“ oder „sie“, im Englischen das genderneutrale Pronomen „they“.

QTIPOC

Ein Kurzwort für Queer, trans*, inter* und Personen of Colour.

Queer

Ein Sammelbegriff für Menschen, die Heteronormativität ablehnen. Für manche Menschen ist das Wort ein Schimpfwort, die queere Community hat es sich als einen subversiven Begriff der Selbstermächtigung wieder angeeignet.

Race

Ein System, in dem Menschen in eine begrenzte Anzahl von (ursprünglich geografisch definierten) Gruppen anhand vermeintlich inhärenter biologischer Unterschiede, die auf körperlichen Merkmalen (z.B. Hautfarbe) beruhen, eingeteilt werden, die von Generation zu Generation weitervererbt werden. Um die soziale Konstruiertheit dieser Kategorie zu betonen, verwenden wir den englischen Begriff race und nicht den deutschen Begriff „Rasse“, da sich dieser im deutschsprachigen Kontext oft nur auf seine Verwendung im Nationalsozialismus bezieht und damit meist nur die wissenschaftlich nicht haltbare biologistische Konstruktion gemeint wird.

Racial Profiling

Eine Bezeichnung für diskriminierende Personen- und Fahrzeugkontrollen gegenüber Personengruppen, welche von Polizist*innen sowie anderen Beamt*innen als ethnisch oder religiös „andersartig“ und damit „verdächtig“ wahrgenommen werden.

Rassifizierung

Struktur oder Prozess, in denen Menschen nach rassistischen Merkmalen (Aussehen, Lebensformen oder imaginäre Merkmale) eingeteilt, stereotypisiert und abgewertet werden.

Safe(r) Space

Ein Ort, an dem sich alle Menschen, auch LSBTIQA+-Menschen, ohne Angst vor Angriffen oder Diskriminierung frei ausdrücken können. Das Verhalten und die Reaktionen von Einzelnen sind entscheidend dafür, ob ein Safe(r) Space Bestand hat oder verletzt wird.

Sangoma

Eine bestimmte Tradition südafrikanischer Heiler*innen. Sie sind darauf spezialisiert, körperliche und seelische Leiden zu heilen, indem sie in die Vergangenheit und Zukunft von Personen schauen und sie mit ihren Ahn*innen verbinden. Sie werden von ihren Ahn*innen zu dieser wichtigen und respektierten gesellschaftlichen Aufgabe berufen.

Schwarz

Wird verwendet, um die kulturelle Zugehörigkeit als afrikanisch oder afro-diasporisch zu beschreiben, es sei denn, einzelne Personen oder Gruppen bezeichnen sich anders. Schwarz wird dabei immer großgeschrieben, um zu markieren, dass es sich um einen politischen Begriff und eine Selbstbezeichnung handelt.

Schwarzer Lesbischer Feminismus

Eine politische Haltung, Bewegung und Theorie, welche die Kategorien Rassismus, Gender, Klasse, sexuelle Orientierung und ihre Verwobenheit aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet, mit Erfahrungswissen verbindet und als politischer Diskurs verstanden wird.

Schwul

Männer, trans* oder nicht-binäre Personen, die sich romantisch oder sexuell eher zu Männern hingezogen fühlen, können als schwul bezeichnet werden. Der englische Begriff „gay“ ist anders als „schwul“ auch in der Alltagssprache sehr verbreitet, um gleichgeschlechtliche Liebe bzw. queeres Begehren zu benennen.

Transgender/trans*

Ein Sammelbegriff für Menschen deren Geschlecht nicht mit dem Geschlecht übereinstimmt, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. Manche trans* Menschen identifizieren sich selbst als Mann und Frau, also entlang der Zweigeschlechtlichkeit, andere wiederum nicht.

Geschlechtsangleichung/Transition

Beschreibt die Veränderungen beziehungsweise Anpassungen, die eine trans* Person (durch)macht, um sich mit der Genderidentität wohl zu fühlen, in der sie leben möchte. Dieser Prozess ist für jede Person anders. Manche wählen medizinische Eingriffe oder geschlechtsangleichende Gesundheitsmaßnahmen wie Hormone oder Operationen, aber nicht alle trans* Menschen wollen oder können diesen Weg gehen. Transition bzw. Anpassung kann auch bedeuten, Familie und Freund*innen davon zu erzählen, sich anders anzuziehen, andere Pronomina zu verwenden und persönliche Dokumente anpassen zu lassen.

Transmisogynoir

Ein Begriff, der die Verwobenheit von Rassismus, Transfeindlichkeit bzw. Cissexismus und Misogynie Frauenhass) beschreibt. Der Begriff bedeutet, dass eine Schwarze trans* Frau eine andere Art von Frauenverachtung und Sexismus erlebt, nämlich eine Form, die zusätzlich von Rassismus und Transfeindlichkeit geprägt ist.

Transmysogynie

Ein Begriff, der die intersektionale Diskriminierung beschreibt, wenn Transfeindlichkeit bzw. Cissexismus und Misogynie (Frauenhass) aufeinandertreffen. Transmisogynie beschreibt negative Einstellungen, Hass und Diskriminierung gegenüber trans* Menschen, die eher „weiblich“ gelesen werden, insbesondere trans* Frauen und transfeminine Menschen.

Transfeindlichkeit

Ablehnung und Feindlichkeit gegenüber trans* Personen. Das beinhaltet auch das Ablehnen und Verdrängen ihrer Genderidentität und Selbstbezeichnungen.

Weiße Vorherrschaft

Eine rassistische Ideologie und Praxis, in der weiß gelesene Menschen über als nicht-weiß rassifizierte und klassifizierte Menschen und Kulturen gestellt werden und diese dominieren sollen.

WSW/FSF

Ein Kurzwort für Frauen, die mit Frauen schlafen. WSW/ FSF können, müssen aber nicht lesbisch, queer oder bisexuell sein.

Zulu

Eine Bevölkerungsgruppe und Sprache der Bantu im südlichen Afrika, die zur Gruppe der Nguni gehört. Die Zulu gehören zur südlichen Bantu-Familie und sind sowohl ethnisch als auch linguistisch und kulturell eng mit den Swazi und Xhosa verbunden. Etwa zehn Millionen Menschen in Südafrika sind Zulu und gehören damit der größten Bevölkerungsgruppe an, die hauptsächlich in der Gegend KwaZulu-Natal lebt.