Wanwu Council 萬物社

Dreitägiges internes Arbeitstreffen

6. bis 8. August 2021

Das Treffen findet im Gropius Bau, auf der Plattform im Gropius Hain und im alten Buchenwald von Grumsin in Brandenburg statt.

„Wir können nicht weiter in der Fantasie leben, dass dieser Planet den Menschen gehört. Wie können sich Kunstinstitutionen in Richtung einer mehr-als-menschlichen Zukunft bewegen?“
– Zheng Bo

Zheng Bo: Wanwu Council 萬物社, Installationsansicht, 2021, Gropius Bau © Foto: Luca Girardini

Wie kann der Gropius Bau eine mehr-als-menschliche Zukunft willkommen heißen?

Der daoistische Begriff wanwu lässt sich als „zehntausend Dinge“ oder „Vielzahl von Ereignissen“ übersetzen, aber auch als „mehr-als-menschlich“ und steht so für die unendlichen Möglichkeiten des Lebens in all seinen Formen. Im Kontext der aktuellen Klima- und Umweltkrise hat Zheng Bo das Wanwu Council ins Leben gerufen. Zwölf Künstler*innen, Wissenschaftler*innen, Aktivist*innen und Gärtner*innen kommen als Ratsmitglieder drei Tage im August zusammen, um gemeinsam zu überlegen, wie der Gropius Bau wanwu werden kann.

Während des Treffens sind die Teilnehmenden dazu eingeladen, andere Lebensformen oder Materien wie Licht, Platanen, Wasser, Bienen, Füchse, Unkraut, Jahreszeiten, Boden, Geschichte, Gemeinschaften, Geister und Mikroben zu vertreten, die alle in Verbindung zum Gropius Bau stehen. Ziel des Treffens ist es, ein gemeinsames Manifest zu verfassen, das neue Sensibilitäten und Praktiken für eine mehr-als-menschliche Zukunft im Gropius Bau und darüber hinaus kultiviert.

Das Manifest wird ab Oktober 2021 im Gropius Bau ausgestellt.

Teilnehmende: Zheng Bo, Marco Clausen, Yolanda Ariadne Collins, Mandu dos Santos Pinto, Hanin Hannouch, Regine Hengge, Hans Youssouf Kiesler, Luïza Luz, Adrien Missika, Clare Molloy, Matthias Rillig, Joulia Strauss

Teilnehmende

Zheng Bo vertritt Unkraut

Zheng Bo ist Künstler und Theoretiker, der derzeit auf Lantau Island in Hongkong lebt und arbeitet. Als In House: Artist in Residence im Gropius Bau untersuchte er 2020 Möglichkeiten zur Gleichstellung der Arten auf diesem Planeten. Seine Recherche basiert auf dem Austausch mit Wissenschaftler*innen und der Öffentlichkeit in Form von Gesprächen und Workshops. Er hat das Wanwu Council ins Leben gerufen.

Marco Clausen vertritt Wasser

Marco Clausen hat 2009 den Prinzessinnengarten und 2015 die Nachbarschaftsakademie mitbegründet. Clausen organisiert Veranstaltungen, Workshops und internationale Besuchsprogramme zu Themen Recht auf Stadt, Ernährungssouveränität, sozial und ökologisch zukunftsfähige Stadtentwicklung und sozial-ökologische Transformation. Sein besonderes Augenmerk liegt auf selbstorganisierten Formen kollektiven Lernens.

Yolanda Ariadne Collins vertritt Platanen

Yolanda Ariadne Collins ist Umweltsozialwissenschaftlerin und arbeitet derzeit an der School of International Relations der University of St. Andrews in Schottland. Zuvor war sie Fellow am ICI - Institute for Cultural Inquiry Berlin. In ihrer Arbeit untersucht sie, wie koloniale Geschichte die Umweltpolitik und die Aktivitäten zur Eindämmung des Klimawandels in den Amazonaswäldern des Guayana-Schildes beeinflusst und ihnen widersteht.

Mandu dos Santos Pinto vertritt Bienen

Mandu dos Santos Pinto ist Architekt und Städteplaner. Seine Architektur- und Beratungsfirma entwickelt innovative und nachhaltige Lösungen für die Städte des globalen Südens. Mit seinem partizipativen Ansatz initiiert er Transformations- und Heilungsprozesse von Stadtquartieren, ihren Bewohner*innen und ihrer Umgebung. Zurzeit leitet er EcoCar Solaire, ein Mobilitätsprojekt in Dakar.

Hanin Hannouch vertritt Geister

Hanin Hannouch ist Post-Doc am Ethnologischen Museum Berlin in Kooperation mit dem Kunsthistorischen Max-Planck-Institut in Florenz. Neben ihrer bevorstehenden Monographie zur Farbfotografie im Deutschen Kaiserreich ist sie Herausgeberin des Bandes Gabriel Lippmann’s Colour Photography: Science, Media, Museums. Am IMT, School for Advanced Studies in Lucca promovierte sie 2017 zu Sergei Eisenstein.

Regina Hengge vertritt Mikroben

Regine Hengge ist Professorin für Mikrobiologie und Principal Investigator am Exzellenz-Cluster Matters of Activity (MoA) an der Humboldt-Universität zu Berlin. Am Beispiel von Escherichia coli untersucht ihre Forschungsgruppe u.a. die genetischen Mechanismen und regulatorischen Netzwerke, die dem Wachstum und der Morphogenese von Biofilmen und deren Interaktion mit Pflanzen zu Grunde liegen.

Hans Youssouf Kiesler vertritt Gemeinschaften

Hans Youssouf Kiesler studierte Kunstgeschichte und Anglistik am Institut Catholique de Paris und Schauspiel am Stella Adler Studio of Acting in New York. Seit 2020 arbeitet er als Gropius Bau Friend. Die Arbeit am Projekt Kinder Kuratieren_Takeover mit der Unterstützung von Ephra bringt seine Herzensangelegenheit auf den Punkt: Die Zusammenarbeit mit Kindern.

Luïza Luz vertritt Jahreszeiten

Luïza Luz ist ein*e brasilianische*r transdisziplinäre*r Künstler*in und Forscher*in, die zwischen Städten und Wäldern lebt. Luïzas Arbeit setzt sich mit ökologischen und performativen Beziehungen zwischen Subjektivität, digitaler Kultur, Umwelt und Kommunikation auseinander. Luïza studiert im Masterstudiengang am Institut für Kunst im Kontext der Universität der Künste in Berlin und koordiniert die AsTA-Abteilung für Nachhaltigkeit und Klimagerechtigkeit.

Adrien Missika vertritt Licht

Adrien Missika ist Künstler und Gärtner. Nach einem Jurastudium an der Université Sorbonne Paris studierte er Kunst an der Ecole Cantonale d’art de Lausanne. Er erforscht auf humorvolle Weise das Natürliche und das Kulturelle. Mit Hilfe verschiedener Medien wie Video, Fotografie, Skulptur und Aktionen setzt er sich künstlerisch mit den unterschiedlichen Natur- und Umweltwissenschaften wie Biologie, Landschaftsarchitektur und Geografie auseinander.

Clare Molloy vertritt Geschichten

Clare Molloy ist Kuratorin. Seit 2018 arbeitet sie im Team des Gropius Bau, zunächst als kuratorische Volontärin und derzeit als Assistenzkuratorin. Sie ist die Co-Kuratorin von Zheng Bo: Wanwu Council 萬物社. Ein unabhängiges kuratorisches Projekt ist die kommende Ausstellung Katie Schwab: small wares im Vleeshal Centre for Contemporary Art, Niederlande.

Matthias Rillig vertritt Erde

Matthias Rillig ist Professor für Ökologie am Institut für Biologie an der Freien Universität Berlin und leitet dort die Arbeitsgruppe Ökologie der Pflanzen. Er ist außerdem Direktor des Berlin-Brandenburgischen Instituts für Biodiversitätsforschung. In seiner wissenschaftlichen Arbeit beschäftigt er sich u.a. mit der Symbiose der Mykorrhizapilze mit Pflanzen sowie mit den Auswirkungen von Globalem Wandel auf Bodenprozesse und Bodenbiodiversität.

Joulia Strauss vetritt Füchse

Joulia Strauss ist Künstlerin und Aktivistin. Sie gehört den Mari, der letzten animistischen indigenen Kultur Europas an, lebt und arbeitet in Athen und Berlin. Sie ist die Gründerin von Avtonomi Akadimia in Athen, einer dauerhaften Kunstarbeit und Praxis, die das westlich Bildungssystem hinterfragt. Gegenwärtig arbeitet sie an der Hybridisierung von Schamanismus und Politik, einer „Transindigenous Assembly“ sowie an der Etablierung von „Environmental Personhood“ in Europa.