Eine Farbfotografie zeigt eine Gruppe Frauen, im Kreis sitzend, die eine Feinmühle betätigen.

People’s Archive of Rural India, The Grindmill Songs Project, 2020–heute. Installationsansicht (Detail)

© People’s Archive of Rural India

YOYI! Magazin

YOYI ist der Name einer zeremoniellen Zusammenkunft mit Gesang und Tanz, die für die Kultur der Tiwi im Norden Australiens von zentraler Bedeutung ist. Die Gruppenausstellung YOYI! Care, Repair, Heal bezieht sich auf diesen Ausruf: eine Einladung zusammenzukommen, um gemeinsam zu feiern und zu trauern.

YOYI! Einführung

Über das YOYI! Magazin

Von Stephanie Rosenthal

Jede*r der 25 eingeladenen Künstler*innen und Kollektive in der Ausstellung YOYI! Care, Repair, Heal verfolgt unterschiedliche Strategien, die Begriffe Fürsorge, Reparatur und Heilung zu hinterfragen, neu zu erfinden, zu erweitern, aufrechtzuerhalten oder sich von ihnen loszusagen. Ihre Arbeiten erforschen Wege der Verwandtschaftlichkeit, die Aufrechterhaltung Indigener Wissenssysteme, die Politisierung von Gesundheit, gerechte Landnutzung, Dekolonisation und die Rechte von nicht-menschlichen Agierenden und Organismen. In den letzten Jahren sind diese Themen durch die Verschärfung des Klimanotstands, globale Pandemien, politische Instabilitäten und die Zunahme autoritärer und populistischer Regime immer deutlicher geworden. In der Ausstellung eröffnen einige Arbeiten kritische Perspektiven darauf, wie das Konzept der Fürsorge missbraucht wurde. Andere schlagen Methoden der Reparatur vor, die sich grundlegend von westlichen Herangehensweisen unterscheiden. Wieder andere fragen, ob Heilung möglich oder überhaupt notwendig ist.

Das YOYI! Magazin greift die unterschiedlichen Stimmen und das facettenreiche Programm der Ausstellung auf und bietet eine digitale Plattform, die Leser*innen einlädt, sich mit den zentralen Themen und Fragen rund um die Begriffe Fürsorge, Reparatur und Heilung auseinanderzusetzen. In der Rubrik YOYI! Feature werden im Laufe der Ausstellung in regelmäßigen Abständen Einzelinterviews der Audioserie YOYI! Voices mit den Co-Kurator*innen veröffentlicht. Die Interviews geben Einblicke in die Vielfalt der künstlerischen und kuratorischen Ansätze, die in die Konzeption der Ausstellung eingeflossen sind. Begleitet werden die Gespräche von einer wechselnden Auswahl an Videobeiträgen und umfassenden Texten, die mit dem jeweiligen kuratorischen Ansatz verbunden sind. Neue Essays und wiederveröffentlichte Texte, die das breite Spektrum unterschiedlicher Perspektiven innerhalb der Ausstellung abbilden, werden in der Sektion YOYI! Readings zusammengeführt und in den digitalen Raum erweitert. Das Magazin enthält außerdem das YOYI! Archiv, eine Auswahl von Vorträgen und Gesprächen zu Ámà: 4 Tage zu Fürsorge, Reparatur und Heilung – ein Veranstaltungsprogramm, das im November 2021 als Auftakt zur Ausstellung stattfand.

YOYI! Programm

Hier finden Sie eine einwöchige Vorschau des umfangreichen Programms mit Performances, Talks und Workshops, welches die Ausstellung begleitet. Alle Veranstaltungen sind in der Programmübersicht zu finden.

2022

YOYI! Feature #1

Stephanie Rosenthal

Stephanie Rosenthal, Portrait, 2022

Stephanie Rosenthal © Robert Rieger

In der ersten Folge von YOYI! Voices spricht Magnus Elias Rosengarten mit Stephanie Rosenthal, Co-Kuratorin der Ausstellung YOYI! Care, Repair, Heal und Direktorin des Gropius Bau. Der folgende Abschnitt On that Note beinhaltet eine Auswahl an Videos und weiterführenden Texten, welche die Perspektive der Kuratorin auf die komplexen Begriffe Fürsorge, Reparatur und Heilung prägten.

On that Note

Ámà: 4 Tage zu Fürsorge, Reparatur und Heilung

YOYI! Voices

YOYI! Voices ist eine fortlaufende Audio-Reihe, in der Magnus Elias Rosengarten, Autor, Künstler und Kurator des Diskursprogramms Breathe, mit den Co-Kurator*innen der Ausstellung über ihr Verhältnis zu den Begriffen Fürsorge, Reparatur und Heilung spricht. Neue Episode werden hier während der Ausstellungsdauer regelmäßig veröffentlicht.

Brook Andrew

in Kürze verfügbar

In der zweiten Folge von YOYI! Voices spricht Magnus Elias Rosengarten mit Brook Andrew, Co-Kurator und Künstler der Ausstellung YOYI! Care, Repair, Heal. Andrew ist ein australischer Künstler, Kurator und Forscher, der den Wiradjuri angehört. Er ist auch Professor für interdisziplinäre Praxis an der Fakultät für Bildende Künste und Musik und Direktor von Reimagining Museums and Collections an der Universität von Melbourne. In seiner Arbeit entwirft er alternative Zukunftsvisionen, die anhaltende koloniale Praktiken hinterfragen und Indigene Lebensweisen in den Vordergrund stellen.

Brook Andrew, 2021

Brook Andrew, 2021

© Giacomo Sanzani

Natasha Ginwala

in Kürze verfügbar

In der dritten Folge von YOYI! Voices spricht Magnus Elias Rosengarten mit Natasha Ginwala, Co-Kuratorin der Ausstellung YOYI! Care, Repair, Heal und Assoziierte Kuratorin at Large am Gropius Bau, die bereits an den ersten Recherchen für die Ausstellung beteiligt war. Als Co-Kuratorin der 13. Gwangju Biennale 2021 richtete sie den Fokus auf matriarchale Ansätze zur Wiederherstellung überlieferten Wissens.

Natasha Ginwala

Natasha Ginwala

© Victoria Tomaschko

Bárbara Rodríguez Muñoz

in Kürze verfügbar

In der vierten Folge von YOYI! Voices spricht Magnus Elias Rosengarten mit Bárbara Rodríguez Muñoz, Co-Kuratorin der Ausstellung YOYI! Care, Repair, Heal. Sie ist Direktorin für Ausstellungen und der Sammlung des Centro Botín in Santander sowie Mitherausgeberin der Health (Documents of Contemporary Art series, 2020) der Whitechapel Gallery. Auch während ihrer Tätigkeit als Kuratorin der Wellcome Collection in London stand das Thema Gesundheit im Mittelpunkt ihrer Arbeit.

Bárbara Rodríguez Muñoz

Bárbara Rodríguez Muñoz

© Belen de Benito

Kader Attia (mit Giscard Bouchotte)

in Kürze verfügbar

In der fünften Folge von YOYI! Voices spricht Magnus Elias Rosengarten mit Kader Attia, Künstler und Kurator der Ausstellung YOYI! Care, Repair, Heal. Seine langjährige Forschungs- und Kunstpraxis kreist um die Idee der Reparatur und die weitreichenden Auswirkungen der kulturellen Hegemonie des Westens und des Kolonialismus.

Kader Attia

Kader Attia

© Nicole Tanzini di Bella

SERAFINE1369

in Kürze verfügbar

In der letzten Folge von YOYI! Voices spricht Magnus Elias Rosengarten mit SERAFINE1369, In House Artist in Residence 2021 am Gropius Bau. Im Zentrum von SERAFINE1369s Praxis und Forschung steht der Körper. Die Arbeiten kreisen um die Integrität von Strukturen, Multiplizität, Sinnlichkeit und Beziehung. Mit visions konzipierte SERAFINE1369 ein Live-Programm als Teil der Ausstellung YOYI! Care, Repair, Heal mit unterschiedlichen Formaten, das eine Akupunkturklinik, Performances und Soundinstallationen umfasst.

SERAFINE1369, 2020

SERAFINE1369, 2020

© Katarzyna Perlak

YOYI! Readings

YOYI! Readings versammelt eine Auswahl von neuen Essays, wiederveröffentlichten Texten und Artikeln aus dem Gropius Bau Journal. Gemeinsam bilden die Beiträge ein Echo des breiten Spektrums unterschiedlicher Perspektiven innerhalb der Ausstellung YOYI! Care, Repair, Heal und übersetzen dies in den digitalen Raum.

YOYI! Archive

Vom 4. bis 7. November 2021 veranstaltete der Gropius Bau Ámà: 4 Tage zu Fürsorge, Reparatur und Heilung, ein viertägiges Programm, das sich mit verschiedenen Ansätzen zu Fürsorge, Reparatur und Heilung auseinandersetzte. Die mehrtägige Veranstaltung bildete den Auftakt zu der Ausstellung YOYI! Care, Repair, Heal. YOYI! Archive versammelt eine Auswahl von Gesprächen, die für die Vorbereitung der Ausstellung von besonderer Relevanz waren.

Vor dem Hintergrund einer beispiellosen globalen Gesundheitskrise und ihren sozialen, politischen, ökonomischen und psychologischen Folgen brachte Ámà: 4 Tage zu Fürsorge, Reparatur und Heilung eine Vielzahl unterschiedlicher Perspektiven zusammen. Lokale und internationale Organisationen, Forscher*innen, Aktivist*innen und Künstler*innen waren dazu eingeladen, Gedanken, Erfahrungen und Ideen auszutauschen.

Emeka Ogbohs Installation Ámà: The Gathering Place im Lichthof des Gropius Bau diente als räumliches Zentrum der vier Tage. Die Veranstaltung bot den Rahmen für einen weitreichenden Austausch über Fürsorge, Reparatur und Heilung zwischen diversen Communitys. Dabei bezog sie nicht-westliche und bisher unterrepräsentierte postkoloniale und Indigene Wissenssysteme mit ein. Die Teilnehmenden – Aktivist*innen, Künstler*innen und Theoretiker*innen sowie die Besucher*innen – waren dazu eingeladen, diese Themen zu untersuchen und sie weiterzudenken. Der Austausch mit Initiativen aus der unmittelbaren Nachbarschaft des Gropius Bau spielte im Programm ebenfalls eine zentrale Rolle.

Ámà: 4 Tage zu Fürsorge, Reparatur und Heilung
Mit Francisco Godoy Vega und Brook Andrew

Ich verstehe dich nicht. Über die Unmöglichkeit der Dekolonisation

Dekolonisation ist zum Schlagwort geworden. In diesem Vortrag und im Gespräch mit Brook Andrew nähert sich der Forscher Francisco Godoy Vega diesem Thema über persönliche Erfahrungen. Er erzählt von seiner Kindheit in Chile in der Zeit nach der Diktatur während der 1990er Jahre.

Ámà: 4 Tage zu Fürsorge, Reparatur und Heilung
Mit Brook Andrew, Kader Attia, Natasha Ginwala, Clare Molloy, Dmitry Paranyushkin, Stephanie Rosenthal, SERAFINE1369 und Magnus Elias Rosengarten

Zu Fürsorge, Reparatur und Heilung

Diese Gesprächsrunde versammelt Kurator*innen und Künstler*innen, die an der Konzeption von Ámà: 4 Tage zu Fürsorge, Reparatur und Heilung und an der darauffolgenden Ausstellung YOYI! Care, Repair, Heal beteiligt waren. In der Präsentation der verschiedenen Ansätze wird die Vielzahl an Perspektiven, die das Projekt begleitet haben, sichtbar.

Ámà: 4 Tage zu Fürsorge, Reparatur und Heilung
Mit Grace Ndiritu, Nadja Ofuatey-Alazard, Dirk Sorge und Prem Krishnamurthy

Das Museum heilen? Das Potenzial des Museums als Ort der Fürsorge und Heilung

Obwohl Kunstinstitutionen sich immer mehr um Inklusion und Diversität bemühen, sind sie weiterhin Räume, die ausschließen. In diesem Gespräch sprechen Künstler*innen und Aktivist*innen über die Möglichkeit von strukturellem Wandel in Kunstinstitutionen.

Ámà: 4 Tage zu Fürsorge, Reparatur und Heilung
Mit Johanna Hedva und Clare Molloy

Nichts heilt

Der Begriff „Care“ (Fürsorge) entwickelt sich mehr und mehr zu einem sloganhaften Tugendbeweis. Doch im institutionellen Kontext steht der Begriff bestenfalls für Bevormundung, wenn nicht gar für Gewalt. In Johanna Hedvas neuer Arbeit wendet sich die*der Autor*in, Künstler*in und Musiker*in ab von verheißungsvollen Vorstellungen von Fürsorge und Heilung.

Ámà: 4 Tage zu Fürsorge, Reparatur und Heilung
Mit Natasha Ginwala, Eeva-Kristiina Nylander und Marian Pastor Roces

Orte der Gegenseitigkeit und Rematriierung schaffen

Eeva-Kristiina Nylander (ehemals Harlin) und Marian Pastor Roces befassen sich mit der Politik der Indigenität und Formen von kinship, die vorherrschende Machtverhältnisse im Bereich der kulturellen Repräsentation in Frage stellt. In diesem Gespräch diskutieren sie, wie Museumsarbeit ein sensorisches Vokabular, Gegenseitigkeit und kollektive Zugehörigkeit schaffen kann.

Ámà: 4 Tage zu Fürsorge, Reparatur und Heilung
Mit Marcia Langton und Brook Andrew

Die Heilung sozialer Gefüge unter der Last der Geschichte

Die Indigene Bevölkerung Australiens kämpft seit Langem um ihre politische Vertretung und Beteiligung. In diesem Gespräch stellen Marcia Langton und Brook Andrew die Schwierigkeiten bei der wirksamen Anerkennung von Indigenen Australier*innen in den Fokus.

Ámà: 4 Tage zu Fürsorge, Reparatur und Heilung
Mit Kader Attia, Injonge Karangwa, Ulrike Kluge und Margareta von Oswald

Verwundbarkeiten und Reparatur

Sprache ist zentral, wenn es um Fürsorge, Reparaturen und Heilung geht. In dieser Gesprächsrunde diskutieren Akteur*innen aus Kunst, Psychologie und Anthropologie, wie das Konzept der Reparatur über disziplinäre und professionelle Grenzen hinweg angewandt und produktiv gemacht werden kann.

Ámà: 4 Tage zu Fürsorge, Reparatur und Heilung
Mit Betty Muffler, Brook Andrew, Yatjiki (Vicki) Cullinan und Kathrina Küster

Ngangkari und künstlerische Arbeit

Im Gespräch mit Brook Andrew berichtet die Künstlerin Betty Muffler von ihrer künstlerischen Praxis und ihrer Arbeit als ngangkari (traditionelle Heilerin). Dem digitalen Gespräch geht eine Einführung von Andrew und Katharina Küster voraus.

Ámà: 4 Tage zu Fürsorge, Reparatur und Heilung
Mit Kader Attia und Stephanie Rosenthal

Reparatur

Im Gespräch mit Stephanie Rosenthal, der Direktorin des Gropius Bau, stellt Kader Attia sein Verständnis des Begriffs „Reparatur“ vor und dessen Einfluss auf seine künstlerische Praxis.

Impressum

Redaktion: Sonja Borstner, Katharina Küster, Robert Maharajh

YOYI! Care, Repair, Heal wurde in Zusammenarbeit mit Mindscapes, dem internationalen Kulturprogramm zum Thema psychische Gesundheit von Wellcome realisiert; gefördert durch die Peter und Irene Ludwig Stiftung