Gropius Bau Friends

Die Gropius Bau Friends sind an mehreren Tagen der Woche als Ansprechpartner*innen vor Ort im Gropius Bau. Sie vermitteln die Ausstellungen individuell und haben ein offenes Ohr für die Besucher*innen. Erkennbar sind die Friends an schwarzen T-Shirts mit dem Aufdruck „Gropius Bau“.

Foto: Laura Fiorio

Die Friends empfehlen

Die Gropius Bau Friends verbringen viele Stunden in den Ausstellungsräumen, Eingangsbereichen, Fluren und etlichen anderen Orten im Gropius Bau. Dort sprechen sie mit Besucher*innen über deren Fragen und Eindrücke und geben nützliche Tipps rund um den Besuch des Hauses. Was erleben sie bei dieser Arbeit? Was bleibt in Erinnerung? Worauf freuen sie sich gerade besonders? Die Kolumne Die Friends empfehlen gibt etwa einmal monatlich Einblick in die persönlichen Höhepunkte eines Gropius Bau Friend.

Foto: Luis Kürschner

Veronika Zimmer

zum Thema „selbst aktiv werden“

Hella Jongerius: Kosmos weben ist eine faszinierende Ausstellung: Sie verbindet jahrtausendealte Handwerkskunst mit moderner Technologie – ästhetisch, tiefgründig, anregend und achtsam. Sie beinhaltet Kunstobjekte, die mich verführen, sie zu berühren. Sie erinnern mich an eigene und/oder kulturelle handwerkliche Fähigkeiten. Und dann – was für eine Überraschung: Ich kann etwas ausprobieren, zusammen mit anderen Besucher*innen im Rahmen der Arbeit Dancing a Yarn ein Seil herstellen. In einem gemeinsamen Ritual in Form eines Tanzes konzentrieren wir uns, achten aufeinander, versuchen im gleichen Rhythmus, in die gleiche Richtung und möglichst auch noch in der gleichen Geschwindigkeit die herabhängenden Bänder zu drehen. Zusammenkommen. Bänder verbinden. Loslassen. Die Stoffbänder drehen sich nun allein zu einem Seil. Wir staunen. Freuen uns. Diese Arbeit und Aktivität ermöglicht es, zu verstehen und tiefer einzutauchen in diese Kunst. Mit ein bisschen Glück wird das von uns Geschaffene Teil der künstlerischen Installationen dieser Ausstellung, die sich prozesshaft weiterentwickelt. Mehr davon!

Veronika Zimmer, Gropius Bau Friend und freie Kulturmanagerin

Veronika Zimmer

Veronika Zimmer

Foto: Laura Fiorio

Amelie Hornung

zum Gropius Bau Journal

Als Studentin vermisse ich es, in vollen Bibliothekssälen zwischen rauchenden Köpfen zu sitzen und in meine Texte oder an die Decke zu starren. In meinem WG-Zimmer fehlen mir beim Lernen und Arbeiten Geräusche wie das leise Rascheln von Buchseiten, Gähnen, Seufzen und die Energie von vielen Körpern im Raum. So richtig ersetzen kann eine Online-Lesegruppe dieses Gefühl nicht. Begreift man aber das Studieren als „das Reden und Umhergehen mit anderen Menschen, das Arbeiten, Tanzen, Leiden…“ (wie Fred Moten und Stefano Harney in ihrem Buch The Undercommons), dann kann das gemeinsame Lesen und Austauschen von Gedanken eine kurze Atempause von den Herausforderungen des Alltags sein. Ein Versuch also, durch unsere Worte und die sie formenden Stimmen einen Moment der Verbindung zu schaffen, um Zuversicht und Hoffnung zu geben. Auf der Online-Plattform Gropius Bau Journal kann man sich in spannenden Essays, Interviews und Künstler*innentexten verlieren, sie laut oder leise, alleine oder gemeinsam lesen. Als Anreiz für eine selbst organisierte Lesegruppe – oder als Vorgeschmack auf kommende Veranstaltungen.

Amelie Hornung, Gropius Bau Friend und Studentin der Deutschen Philologie, Philosophie und Pädagogik

Amelie Hornung und andere Gropius Bau Friend bei einer Führung

Amelie Hornung und andere Gropius Bau Friends bei einer Führung

Zorica „Lola“ Radivojevic-Llalloshi

zu „Yayoi Kusama: A Bouquet of Love I Saw in the Universe“

In den letzten Wochen hat es mir sehr viel Spaß gemacht, mit meiner Enkeltochter einen Schneemann zu bauen. Und es ist immer so schön, aus dem Fenster zu schauen und die Jahreszeiten zu beobachten. In meinen Gedanken bin ich dann oft bei den immersiven Räumen von Yayoi Kusama. Ihre „Polka Dots“ haben für mich eine große Ähnlichkeit mit Schneeflocken, aber auch Blüten. Ich bin in großer Vorfreude, denn Kusamas Ausstellung eröffnet nun hoffentlich ab April im Gropius Bau.

Zorica „Lola“ Radivojevic-Llalloshi, Gropius Bau Friend und Museumsaufsicht im Gropius Bau

Zorica „Lola“ Radivojevic-Llalloshi

Zorica „Lola“ Radivojevic-Llalloshi

Foto: Laura Fiorio

Rosa-Lena Bösl

zu „Masculinities: Liberation through Photography“

Januar, Schneeregen und Lockdown: alles lädt dazu ein, es sich auf der Couch gemütlich zu machen. Um doch einmal aus diesem Grau auszubrechen, bietet sich der kleine Spaziergang mit der Kuratorin Alona Pardo durch die Ausstellung Masculinities: Liberation through Photography an. Beim digitalen Schlendern durch den Gropius Bau, vorbei an verschiedensten Bildern von Männlichkeiten im Verlauf der Zeit, bekommt man nicht nur einen Eindruck von der Ausstellung, sondern auch große Lust, bald selbst wieder durch die großzügigen Räume zu wandern.

Rosa-Lena Bösl, Gropius Bau Friend und freie Museumswissenschaftlerin

Rosa-Lena Bösl

Rosa-Lena Bösl

Foto: Laura Fiorio

Petra Petrick

zur Außenfassade des Gropius Bau

Ich sehe den Gropius Bau immer wieder gern von außen – eines der imposantesten Museumsbauten überhaupt! Und eine echte „Leistungsschau“ des Kunsthandwerks seiner Erbauungszeit, 1881. Denn man muss bedenken, dass sich zu dieser Zeit die Serienproduktion durchsetzte; handwerkliche Fähigkeiten und künstlerisches Urteilsvermögen drohten zu verkümmern. Die großen Darstellungen aus Terrakotta im Erd- und Obergeschoß, die um das ganze Haus herumreichen, zeigen Werkmeister lebensecht bei der Arbeit (hier Korbflechter und Drucker). Ein Spaziergang um das Gebäude erinnert auf eindrucksvolle Weise daran, dass der Gropius Bau als Kunstgewerbeschule gegründet wurde – und stellt mir immer wieder auch Fragen nach dem Verhältnis von Kunst und Handwerk heute.

Petra Petrick, Gropius Bau Friend und Fotografin

Foto: Petra Petrick

Hans Youssuf Kiesler

zu Otobong Nkangas „Carved to Flow“

There’s No Such Thing as Solid Ground heißt die Ausstellung von Otobong Nkanga – und genau darum geht es hier: denn „Ground“, das ist auch Erde. Im Arbeitsraum des Projektes Carved to Flow (2017–2020) arbeitet Nuno Vasconcelos, Architekt und Forscher. Er experimentiert mit verschiedenen Sorten Erde (grob, kieselig, steinig, fein…) um die richtige Mischung für eine solide Wand zu erschaffen. Das Highlight aber ist Nuno selbst. Man kommt ins Gespräch, erfährt Erde neu, teilt Ansichten, entdeckt Inhalte und kann dabei selbst mit anpacken.

Hans Youssuf Kiesler, Gropius Bau Friend und Schauspieler

Hans Youssuf Kiesler

Hans Youssuf Kiesler

Foto: Laura Fiorio

Sehnaz Layikel

zu Lee Mingwei: „Guernica in Sand“

Nichts ist permanent, alles ist wandelbar und zeitlich begrenzt. Die Installation Guernica in Sand (2006/2020) von Lee Mingwei gefällt mir besonders, weil sie eine Möglichkeit für die Umwandlung von Traumata thematisiert. Sand kann fortgespült werden von Meereswellen, vom Wind oder durch ein Ritual. So ein Ritual war die Performance, in der Lee Mingwei seine an Picassos berühmtes Kriegsgemälde Guernica (1937) angelehnte Sandmalerei in ihre aktuelle abstrakte Form umwandelte. Obwohl die Spuren des Früheren immer noch zu sehen sind und Erinnerung ermöglichen, begegnen wir einem ganz neuen Bild. Für mich ist das eine Metapher für Zeit und Hoffnung.

Sehnaz Layikel, Gropius Bau Friend und Promovendin an der Universität der Künste Berlin

Sehnaz Layikel

Sehnaz Layikel

Foto: Laura Fiorio

Lindi B.

zu Otobong Nkanga: „Manifest of Strains“

Luft, Wasser, Feuer – mir gefällt die Arbeit Manifest of Strains (2017) besonders gut, weil sie diese natürlichen Elemente mit emotionalen, gesellschaftlichen und politischen Zuständen verbindet und das auch gegenständlich anschaulich macht: Wie Wasser durch Hitze in die Luft geht, gehen auch andere Zustände ineinander über und es entsteht Spannung, die sich im Kreislauf der Installation mit einem lauten Luftzischen entlädt – da bekomme ich immer wieder einen kleinen Schreck.

Lindi B., Gropius Bau Friend und Studentin der Kulturwissenschaften

Lindi B.

Lindi B.

Foto: Laura Fiorio

Petra Petrick

zu Akinbode Akinbiyi: „Six Songs, Swirling Gracefully in the Taut Air“

In der Ausstellung von Akinbode Akinbiyi, Six Songs, Swirling Gracefully in the Taut Air, finde ich im letzten Raum mit dem Titel Lagos: All Roads das ungerahmte Großformat rechts von der Tür besonders spannend: Ich möchte die Besucher*innen dazu anregen, sich auf eine imaginäre Reise durch die raue Metropole auf dem Bild zu begeben – was steckt hinter dem eindringlichen Blick des jungen Mannes auf dem Foto?

Petra Petrick, Gropius Bau Friend and Fotografin

Foto: Luis Kürschner

Zu den Gropius Bau Friends gehören derzeit:
Rosa-Lena Bösl, Christopher Hahn, Amelie Hornung, Hans Youssuf Kiesler, Sehnaz Layikel, Duc Vu Manh, Erikas Montoya, Vera Moré, Mila Panic, Petra Petrick, Zorica Radivojevic-Llalloshi, Niusha Ramzani, Veronika Zimmer

Ehemals:
Lindi B., Nataša Jagdhuhn, Ralph-Jürgen Lischke und Paul Maragnoli

Zu Beginn wurde das Projekt extern beraten von Julia Moritz und begleitet von einem interdisziplinären Fachbeirat, der von Jens Dierkes, Kolja Kohlhoff, Necati Öziri, Carlos Rodriguez und Stephanie Rosenthal gebildet wurde.

Im Wintersemester 2019/20 fand an der Leuphana Universität Lüneburg ein von Prof. Dr. Söntgen und Alia Rayyan geleitetes projektbegleitendes Seminar mit Studierenden der Kulturwissenschaft stattfinden.

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