Highlights Programm 2019

Gropius Bau

Pressemeldung vom 16.10.2018

2019 bringt der Gropius Bau nationale und internationale Künstler*innen zusammen, die einige der wichtigsten Debatten unserer Zeit vorantreiben und neue Perspektiven eröffnen.

Wir beginnen und beenden das Jahr mit Ausstellungen, die die tiefe Verbindung des Gropius Bau mit Berlin als Ort kreativer Produktion zeigen. Mit seiner Position in unmittelbarer Nähe zur ehemaligen Berliner Mauer kommt dem Gebäude als Raum des Austauschs für Künstler*innen und Besucher*innen eine besondere Bedeutung zu. In diesem Jahr möchte das Programm unsere Wahrnehmungen zu Themen wie Identität, Gender und den physischen und psychologischen Grenzen, die unsere Gesellschaften geprägt haben, aufbrechen.

Neben anregenden und herausfordernden Ausstellungen, Vorträgen und spannenden Abendveranstaltungen wird sich der Gropius Bau 2019 auch räumlich öffnen mit innovativen Ausstellungsformaten und Interventionen, die uns das Gebäude als Ganzes, als Organismus entdecken lassen. Ich freue mich schon jetzt darauf, Ihnen im neuen Jahr weitere Details mitzuteilen.
— Stephanie Rosenthal

Im Fokus der ersten Ausstellung im neuen Jahr steht die zeitgenössische künstlerische Szene Berlins. Thematischer Rahmen für die Gruppenausstellung And Berlin Will Always Need You. Kunst, Handwerk und Konzept Made in Berlin ist der Gropius Bau selbst, der 1881 als erstes Kunstgewerbemuseum in Deutschland eröffnet wurde und sich ausgehend davon auch als Lehr-, Produktions- und Ausstellungsstätte etablierte. Die Ausstellung, die während des 100-jährigen Jubiläums des Bauhaus stattfindet, lädt mehr als 20 in Berlin lebende Künstler*innen wie Chiharu Shiota, Dorothy Iannone, Nevin Aladağ und Theo Eshetu ein, bestehende und neue Installationen und Arbeiten zu zeigen, die sich mit Handwerk, Dekor, Materialität und Artefakten auseinandersetzen. Die Werke geben sowohl Einblicke in handwerkliche und künstlerische Techniken innerhalb gegenwärtiger Produktionskreisläufe als auch in das Konstrukt der Institution eines Ausstellungshauses mit seinen Displays, Deutungshoheiten und Machtstrukturen.

Garten der irdischen Freuden ist gleichermaßen Raum für Inspiration und kritische Reflexion. In dieser groß angelegten Gruppenausstellung interpretieren Künstler*innen wie Pipilotti Rist, Rashid Johnson, Maria Thereza Alves, Uriel Orlow, Jumana Manna, Taro Shinoda und Heather Phillipson das Motiv des Gartens als eine Metapher für den Zustand der Welt und als poetische Ausdrucksform, um die komplexen Zusammenhänge unserer zunehmend prekären Welt zu erforschen. Ihre häufig neu konzipierten Arbeiten behandeln in zum Teil erstmals gezeigten raumgreifenden Installationen soziale, politische und ökologische Phänomene wie Migration, die postkoloniale Neubetrachtung des botanischen Gartens und die technisierte Nutzung von Pflanzen durch den Menschen. Neben der bekannten Lesart des Garten als Sehnsuchtsort voller meditativer, spiritueller und philosophischer Möglichkeiten thematisiert die Ausstellung den Garten auch als einen Ort des politischen Widerspruchs sowie als Grenzbereich zwischen Realität und Fantasie, Harmonie und Chaos, Lust und Perversion sowie Utopie und Dystopie.

Das seit Beginn 2018 bestehende Programm In House: Artist in Residence bringt Künstler*innen und ihre kreativen Prozesse in den Gropius Bau zurück: Anknüpfend an seine Geschichte, wird das Haus wieder zu einem Ort der künstlerischen Kreation und Produktion. Wu Tsang hat im Februar das Studio bezogen und erforscht mit ihren Arbeiten Zustände von Verbundenheit und Dazwischen-Sein in der Gesellschaft und hinsichtlich der eigenen Identität. Diese ungewissen Beziehungen zeigen sich meist als Kollaborationen oder im Verschmelzen von Performance, Film, Skulptur und Installation – so etwa mit Untitled Lip Sync (for Ana Mendieta), eine Performance von boychild vor einer eigens von Wu Tsang entworfenen Vorhangkulisse, die im Juli dieses Jahres im Gropius Bau zu sehen war. Im Anschluss an die Residence ist eine Einzelausstellung geplant.

2019 wird das Programm In House: Artist in Residence von Otobong Nkanga fortgeführt. Ihre Performances, Skulpturen, Zeichnungen und Installationen kennzeichnet ihr Engagement, ökonomische und ökologische Prozesse umfassend zu ergründen und zu teilen. Ausgehend von natürlichen Ressourcen wie Sand, Mineralien und Ölen, erforscht sie materielle, begriffliche und geschichtliche Strukturen. Zusätzlich zu ihrem Atelier im Gropius Bau bespielt sie auch einen Raum im Erdgeschoss des Hauses, wo sie das bei der documenta 14 gestartete Projekt Carved to Flow fortführen wird. Im Rahmen dessen wurde in Athen schwarz marmorierte Seife produziert, in der sich die Inhaltsstoffe und Traditionen verschiedener Regionen aus dem Mittelmeerraum, dem Nahen Osten, Nord- und Westafrika vermischen. Anschließend wurde diese in einer zweiten Phase in Kassel verteilt. Die dritte Phase des Projekts, „Germination“ (Keimung), dient schließlich als Plattform für Forschung, öffentliche Gespräche und Workshops.

Das Jahr endet mit der Ausstellung Durch Mauern gehen und zeigt mit Werken von Jose Dávila, Mona Hatoum, Nadia Kaabi-Linke, Christian Odzuck, Anri Sala, Regina Silveira und weiteren Künstler*innen ein zeitgenössisches Panorama der künstlerischen Reaktionen auf von Menschen geschaffene Barrieren, Trennungen, Grenzen und Mauern. In Auseinandersetzung mit der Lage des Gropius Bau entlang der ehemaligen Berliner Mauer bietet die Ausstellung sowohl eine nationale als auch eine internationale Perspektive auf die physischen und psychischen Folgen des Zusammenlebens in gespaltenen Gesellschaften. Im Kontext des 30. Jahrestages der deutschen Wiedervereinigung beschreibt sie, wie Mauern Gefühle von Verletzlichkeit und Angst artikulieren und individuelle und kollektive Identitätsvorstellungen repräsentieren können.

And Berlin Will Always Need You. Kunst, Handwerk und Konzept Made in Berlin
22.3.–16.6.19
Kuratiert von Natasha Ginwala, Julienne Lorz und Stephanie Rosenthal
Künstler*innen: Nevin Aladağ, Leonor Antunes, Alice Creischer und Andreas Siekmann, Mariechen Danz, Haris Epaminonda, Theo Eshetu, Olaf Holzapfel, Dorothy Iannone, Antje Majewski und Olivier Guesselé-Garai, Willem de Rooij, Chiharu Shiota und weitere

Garten der irdischen Freuden
26.7.–1.12.19
Kuratiert von Stephanie Rosenthal mit Clara Meister
Künstler*innen: Maria Thereza Alves, Rashid Johnson, Jumana Manna, Uriel Orlow, Heather Phillipson, Pipilotti Rist, Taro Shinoda und weitere

Durch Mauern gehen
12.9.19–12.1.20
Kuratiert von Till Fellrath und Sam Bardaouil
Künstler*innen: Jose Dávila, Mona Hatoum, Nadia Kaabi-Linke, Christian Odzuck, Anri Sala, Regina Silveira und weitere

In House: Artist in Residence
2019
Otobong Nkanga

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