Oliver Grau

„IMMERSION: Werden wir uns jemals an sie gewöhnen? Zur historisch vergleichenden Bildforschung“

Keynote 18.11.2016, 18:00, in deutscher Sprache

Mark Zuckerbergs Dystopie virtueller Räume für vielleicht bald 2 Mrd. Facebook-Nutzer zielt auf emotionale Erlebniswelten für seine Kunden und erfüllt zugleich Wunschszenarien der Geheimdienste. Damit fügt sie sich in die Geschichte der Immersion, in der es immer wieder darum ging, visuelle Macht und Kontrolle über Seher zu erlangen. Der Vortrag greift wichtige Etappen dieser von Umwegen und Brüchen gekennzeichneten Bildgeschichte Europas heraus und mündet in Betrachtungen zur allerjüngsten Gegenwart. Das Jahrhundert der Panoramen, Eisensteins Raumfilm, Fresken der Renaissance und das Phänomen Weltausstellungen werden ebenso aufgegriffen wie jüngste Entwicklungen Digitaler Kunst und Massenphänomene der Popkultur. Zugleich markiert der Beitrag mit Cassirer, Adorno und Foster die kritische Distanz als Grundvoraussetzung ästhetischer Wahrnehmung und von Erkenntnis. Fokussiert wird das Paradox der Immersion, die eine Kerngröße zum Verständnis medialer Entwicklung definiert, jedoch erst eintritt, wenn das Medium unsichtbar wird. Nicht zuletzt werden Auswirkungen der Digitalen Revolution für die Geistes- und Kulturwissenschaften analysiert.

Biografie

Schule der Distanz No. 1
18.–20.11.2016