Installationen

Palast der Republik

Thomas Demand: Fotoecke

2009, C-Print / Diasec, 180 x 198 cm

Thomas Demand fand das Bild, das ihn zu „Fotoecke“ inspirierte, in einem Bericht im „Spiegel“, wo es eine Geschichte über eine Haftanstalt für politische Gefangene in Gera bebilderte. Laut dieser Geschichte vergifteten dort Justizbeamte die politischen Häftlinge, indem sie sie wiederholt von vorne fotografierten und sie dabei von hinten starker Bestrahlung durch einen Röntgenapparat aussetzten. Diese Anschuldigungen wurden erst zehn Jahre nach Schließung der Haftanstalt laut, als sich herausstellte, dass Gefangene, die in Gera festgehalten wurden, überdurchschnittlich oft an Leukämie erkrankten.

Neša Paripović
N.P. 77

1977, Video, ohne Sound, 22:35 min
Courtesy Trajkovic Collection, Belgrad

Eine Kamera verfolgt den Künstler Neša Paripović bei einem Spaziergang durch das sommerliche Belgrad. In schnellem Lauf erkundet er, von einem Park am Stadtrand über Vorstadt und Zentrum zurück zur Peripherie, die Stadt, ohne sich dabei von Hindernissen und Abgrenzungen aufhalten zu lassen. Paripović klettert über Zäune, erklimmt Mauern oder rutscht Regenrinnen herab auf seinem vermeintlich zielstrebigen Pfad, der ihn immer geradeaus führt, ohne Ab- oder Umwege.

Sturzlage

Ein Projekt von Gabriele Dolff-Bonekämper

In einem Abstellraum in Pankow wurden im vorigen Sommer die wohl berühmtesten Möbel der Wendezeit wiedergefunden: die Tische und Stühle vom zentralen Runden Tisch. Tischplatten und Stühle, gestapelt, aufgetürmt, verstaubt, voller Spinnweben. Mit den Jahren hat sich die Lagerkonstruktion zu einer Skulptur verfestigt, die nun, als „Sturzlage“, ins Haus der Berliner Festspiele versetzt wird. Sie soll den Runden Tisch als wichtigsten Verhandlungsort im Jahr der Wende in Erinnerung bringen.

Felix Grütsch
Die Wand der Wende. Alles knorke! /
The Great Historic Wimmelpicture

2019, Wandbild

Bahro, Bohley, Wolf, Kohl, Reagan, Stalin, Honecker, Belafonte ... es wimmelt nur so von Ikonen der sich wendenden 80er-Jahre und auch aktuelleren Personen, die der in Wien lebende Künstler und Illustrator Felix Grütsch auf einer Wand versammelt, da es ja (wie uns versichert wurde) in Berlin keine Mauer mehr gibt. Ein Schnappschuss von der Wende als pop-artiges affirmatives Wandbild, das kollageartig und assoziativ die Protagonist*innenen, Situationen und Beweg- gründe verknüpft, die diesen kurzen Moment kollektiver Erlösung geprägt haben.