Programmvorschau 2019

Die Berliner Festspiele eröffnen das Jazzfest Berlin 2019 am 31. Oktober mit einer transatlantischen Kooperation, der dritten Aufführung weltweit von Anthony Braxtons „Sonic Genome“. Die künstlerische Leiterin Nadin Deventer setzt damit ihre bereits im letzten Jahr begonnene Ausrichtung des Festivals mit Freiräumen für internationale Begegnungen und interdisziplinären Grenzgängen fort. Bis zum 3. November werden an vier Tagen rund 200 Musiker*innen aus 15 Ländern in verschiedensten Formationen auftreten. Das Festival präsentiert 28 musikalische Acts und ein Rahmenprogramm, das rund um das Werk und Wirken Anthony Braxtons konzipiert ist.

Der Kartenvorverkauf für „Sonic Genome“ läuft, und beginnt für alle weiteren Acts am 10. September (Programmveröffentlichung am 3. September).

Der US-amerikanische Komponist und Multi-Instrumentalist Anthony Braxton greift in „Sonic Genome“ auf das Prinzip seiner „Ghost Trance Music“ zurück. Dieses ermöglicht es 60 Musiker*innen, in einer ca. sechsstündigen Performance aus bis zu 450 seiner Kompositionen zu schöpfen und sich mal im dirigierten Großensemble, mal in vier- bis zwölfköpfigen Ensembles immer wieder neu zu formieren und – wie auch das Publikum – frei durch die Räumlichkeiten des Gropius Bau zu bewegen. Der Eröffnungsabend bietet damit die Gelegenheit, in das mehr als fünf Jahrzehnte umspannende, einzigartige Œuvre Braxtons einzutauchen – und dabei zeitgenössische Kunst im Ausstellungshaus der Berliner Festspiele zu erleben.

Donnerstag, 31.10.2019

Der Hauptspielort des Festivals – das Haus der Berliner Festspiele – wird auch in diesem Jahr umgestaltet. Die Hauptbühne wird vom klassischen Theatersaal in eine flexible Auftrittsfläche verwandelt, die von drei Seiten mit Publikum umgeben ist. Am Freitagabend zu später Stunde teilen sich drei Trios um Anja Lauvdal, Petter Eldh und Lukas König diese Fläche im ersten von zwei Late Night Labs, einem neuen Format beim Jazzfest Berlin 2019. Samstagnacht begegnen sich an gleicher Stelle im zweiten Lab vierzehn renommierte Improvisationskünstler*innen aus Europa, den USA und Brasilien – darunter Mette Rasmussen, Julien Desprez, Susana Santos Silva, Guilherme Granado, Lotte Anker und Rob Mazurek – in einer interdisziplinären Performance. Wie die Musiker*innen den Raum und die Zeit in den jeweils ca. 100 Minuten gestalten, ist ihnen völlig freigestellt und wird von den Akteuren beider Begegnungen im Vorfeld gemeinsam erarbeitet. In ständig wechselnden Besetzungen werden sie ihr Repertoire neu interpretieren und mit neuen Elementen zu einer ganzheitlichen Dramaturgie verbinden.

Ein weiteres Highlight verspricht das Auftragswerk „Mass of Hyphae“ des 13-köpfigen KIM Collective. Mit einer Klanginstallation verlässt das Berliner Kollektiv seinen im Vorjahr geschaffenen „UN(TER)ORT“ auf der Unterbühne des Festspielhauses und breitet sich im Verlauf des Festivals rhizomartig über das Foyer aus, um am Abschlussabend mit einer „Fungus Opera“ die Große Bühne zu bespielen.

Die Saxophonistin Mia Dyberg ist dieses Jahr die Berliner Vertreterin beim europäischen Kooperationsprojekt für Nachwuchsinnovator*innen melting pot, welches nach Auftritten in Saalfelden und Oslo Station im A-Trane in Berlin machen wird.

Die Konzerte des Jazzfest Berlin 2019 werden von den ARD-Rundfunkanstalten und Deutschlandfunk Kultur aufgezeichnet und teilweise LIVE gesendet.

Late Night Lab 1 (creation):
Kaos Puls: Petter Eldh, bass | Lukas König, drums | Otis Sandsjö, sax
Mopcut (German premiere): Julien Desprez, e-guitar | Lukas König, drums | Audrey Chen, vocals, electronics, cello
Moskus (German premiere): Anja Lauvdal, piano, synth| Fredrik Luhr Dietrichson, double bass | Hans Hulbækmo, drums

Late Night Lab 2 (creation):
T(r)opic (German premiere): Susana Santos Silva, trumpet | Mette Rasmussen, sax | Isabel Sorling, vocals, electronics | Lotte Anker, sax | Mauricio Takara, e-percussions | Gerald Cleaver, drums | Ingebrigt Haker Flaten, bass | Rob Mazurek, trumpet, cornet, electronics | Julien Desprez, e-guitar | Mathieu Constans, 3D video maker, light designer
São Paolo Underground: Mauricio Takara, e-percussions | Guilherme Granado, keys, electronics | Rob Mazurek, trumpet, cornet
COCO (German premiere): Julien Desprez, e-guitar | Julien Loutelier, percussion | Pauline Simon, Dance, performance | Ana Rita Teodoro, dance, performance

Garden of Hyphae / The Mass Of Hyphae - a KIM Collective fungus opera (creation):
KIM Collective: Max Andrzejewski | Paul Berberich | Brad Henkel | Simon Kanzler | Liz Kosack | Raphael Meinhart | Dora Osterloh | Julia Reidy | Otis Sandsjo | Max Santner | Elias Stemeseder | Dan Peter Sundland | Laura Winkler
Georg Schütky, stage director | Jonas Hinz, sound design

Melting pot (creation): Mia Dyberg, sax | Signe Emmeluth, sax | Kobe Boon, bass | Zbigniew Kozera, bass | Katharina Ernst, drums
Partner Melting Pot: Jazztopad, Breslau; Handelsbeurs, Gent; Nasjonal Jazzscene Victoria, Oslo; International Jazzfestival Saalfelden