Thinking Together

Discourse and Listening

Das Diskurs-Format Thinking Together widmet sich dem Phänomen Zeit in seinen gesellschaftlich-politischen, philosophischen und künstlerischen Dimensionen.

Frei zugänglich, stellt das Projekt Zeit und Raum zur Verfügung, gemeinsam mit internationalen Gästen aus den Bereichen Philosophie, Politische Theorie, Kultur- und Sozialwissenschaften, Computer- und Neurowissenschaften, sowie Musik, Tanz, Performance und Bildender Kunst über aktuelle Zeitfragen nachzudenken.

Thinking Together 2020

Of Time Immemorial

„Wir, die wir durch die Heilige Schrift zur Erkenntnis der Wahrheit geschult sind, kennen sowohl den Anfang als auch das Ende der Welt.“
Lactantius (c. 250 – c. 320)

Thinking Together 2020 beschäftigt sich mit einer einfachen und wirkmächtigen Idee: dem Anfang der Welt und der Zeit selbst. Diese Vorstellung ist so verbreitet und naturalisiert, dass ihre Besonderheit, ja Absonderlichkeit, leicht unbemerkt bleibt.

Quer durch die Zeiten, Regionen und Kulturen haben Menschen Geschichten erfunden, die das zu erklären versuchen, was wir nicht wissen können. Ob Schöpfungsmythen, wissenschaftliche Theorien oder andere Kosmogonien – dies sind Leiterzählungen, die nicht nur Ideen vomUrsprung konstruieren, sondern auch unser Verhältnis zu Gegenwart und Zukunft beeinflussen. Diese Geschichten enthalten und enthüllen die Beziehung ihrer Erfinder zur Welt, ihre Philosophien, Sehnsüchte, Prämissen, Imaginationen und ihre politische Einstellung. Und umgekehrt setzen sie Grenzen. Eine Welt, die angeblich einen Anfang und ein Ende hat, ist eine gänzlich andere Lebenswelt als jene, die sich in endlosen Zyklen des Wandels bewegt. Die Menschen, die in diesen Welten leben, denken, fühlen, träumen und handeln unterschiedlich. Was uns interessiert, ist die Politik hinter der Idee, dass die Zeit einen Anfang hat.

In einer globalen und transhistorischen Landschaft solcher Erzählungen fällt die jüdisch--christliche Kosmogonie durch ihre Obsession auf, einen wissbaren und berechenbaren Anfang der Welt und der Zeit zu konstruieren. Für das frühe Christentum, das nach staatlicher Macht strebte, war es entscheidend, Wissen und Kontrolle über die Zeit zu behaupten, ihren Anfang ebenso wie ihr Ende. So wuchs die Vision und Erfahrung einer Welt mit Ablaufdatum – jene Welt, die die westliche Kultur und ihre Lebensweise verursacht hat.

Die Betrachtung verschiedener Ideen und Vorstellungen vom Beginn – bzw. deren Abwesenheit – schärft unseren Blick auf die Gegenwart. „Of Time Immemorial“ („Über Unvordenkliche Zeit“) ist eine Einladung, Zeit und Herkunft anders zu denken – und damit gegenwärtige Praktiken für andere mögliche Zukünfte zu öffnen.

Die Gäste von Thinking Together 2020 aus Bolivien, Peru, Chile, China, Indien, Europa und den USA bringen unterschiedlichste Kenntnisse, Einsichten und Lebensweisen ein.

Am ersten Tag, dem 21. März, wird die Thinking Together-Konferenz Perspektiven auf die oben beschriebenen Fragen behandeln. Der zweite Tag, der 22. März, ist einem freien Gedankenaustausch mit Gästen und Publikum gewidmet. Vom 23. bis 27. März bietet Thinking Together verschiedene Workshop-Formate an. Details werden in Kürze bekannt gegeben.

Samstag, 21.3.2020

Sonntag, 22.3.2020

Montag, 23.3.2020

Dienstag, 24.3.2020

Mittwoch, 25.3.2020

Donnerstag, 26.3.2020

Freitag, 27.3.2020