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Um der Ausbreitung des Coronavirus entgegenzuwirken, musste die Festivalausgabe 2020 abgesagt werden.

Informationen zur Rückerstattung bereits gekaufter Tickets finden Sie auf der Ticketseite.

MaerzMusik 2021 findet vom 19. bis 28. März 2021 statt.

Reader MaerzMusik 2020

Reader 2020

Der Reader zur Festivalausgabe 2020 mit Originalbeiträgen von Künstler*innen, vertiefenden Essays zum Programm, Fotografien und weiteren Materialien gibt Ihnen einen Einblick in die Themen und Programme, die wir Ihnen gerne live präsentiert hätten!
US Letter Format, 164 Seiten zzgl. Umschlag
In englischer Sprache

Preis: € 8
Erhältlich im Webshop

Inhaltsverzeichnis und Leseprobe PDF, 5,2 MB

Zeit anders denken

MaerzMusik 2020 dreht sich um eine einfache und wirkmächtige Idee: den Beginn der Zeit. Eine Vorstellung, die so verbreitet und naturalisiert ist, dass ihre Besonderheit, ja Absonderlichkeit, leicht unbemerkt bleibt. Quer durch die Zeiten, Regionen und Kulturen haben Menschen Geschichten erfunden, die das zu erklären versuchen, was wir nicht wissen können. Ob in Form von Schöpfungsmythen oder wissenschaftlichen Theorien, diese Leiterzählungen konstruieren Ursprünge außerhalb der Reichweite menschlicher Erkenntnis und enthüllen die Beziehung ihrer Erfinder*innen zur Welt, ihre Philosophien, Prämissen, Imaginationen und ihre politische Einstellung.

Die sechste Ausgabe dieses Festivals für Zeitfragen schöpft ihre Energie aus der Poetik und der Politik „Unvordenklicher Zeit“ – einer Zeitlichkeit, die sich der Kontrolle und Berechenbarkeit entzieht: Musik und Praktiken, die in Kosmologien verwurzelt sind, die nicht durch Anfang und Ende begrenzt sind; Klänge, die in den Tiefenraum der Zeit reichen, unwissbar aber spürbar; Stimmen, die nicht erzählte Geschichten aus Vergangenheit und Gegenwart erzählen, flüstern, schreien. Zusammen bilden sie MaerzMusik 2020zehn Tage mit Konzerten, audiovisuellen Performances, Filmvorführungen, Lesungen, öffentlichen Gesprächen und einer Ausstellung, die die Vorstellungen von Anfang und Herkunft ins Wanken bringen.

Das Eröffnungsprojekt mit dem bolivianischen Orquesta Experimental de Instrumentos Nativos (OEIN) und PHØNIX16 arbeitet an einer gemeinsamen künstlerischen Basis jenseits kultureller Unterschiede und des komplexen Erbes des Kolonialismus, indem es die indigenen Musikpraktiken und Klänge der Anden mit experimentellen musikalischen Ansätzen verbindet (20.3.). Ein Abend mit Lesungen und intimen Konzertsituationen (21.3.) eröffnet polyperspektivische Landschaften aus Erzählungen vom Anfang (der Zeit). Der dritte Festivalabend mit Pierluigi Billones neuer Komposition „FACE Dia.De“ und Myriam Van Imschoots Film „Le Cadeau“ ist dem tiefen Raum der weiblichen Stimme gewidmet (22.3.). Unter der Sternenkuppel des Zeiss-Großplanetariums erklingt Éliane Radigues profunde, dreistündige „Trilogie de la Mort“, ein Werk, das die lineare Logik des „von der Wiege bis zur Bahre“ überschreitet (23.3.). Die Musik der französischen Komponistin taucht in zwei weiteren Konzerten mit dem Quatuor Bozzini (25.3.) und Erwan Keravec (27.3.) im eindrucksvollen Rahmen der Parochialkirche wieder auf. Beide Abende präsentieren weitere klangliche Imaginationen von Zeitlosigkeit: „Before the Universe Was Born“, Horaţiu Rădulescus fünftes Streichquartett (25.3.), sowie Mark Andres neuestes Ensemblestück „rwḥ 1“, gespielt vom Ensemble Resonanz (27.3.). Younghi Pagh-Paans Werk, das sich dem interkulturellen Dialog und einer Ethik der Sorgfalt verschrieben hat, steht im Mittelpunkt eines Porträtkonzerts mit dem Ensemble KNM Berlin (26.3.). Die Retrospektive „Here History Began“ („Hier begann die Geschichte“) in SAVVY Contemporary ist eine Hommage an den ägyptisch-amerikanischen Komponisten, Forscher und Lehrer Halim El-Dabh (1921 – 2017), dessen bedeutende Arbeit fast gänzlich in Vergessenheit geraten ist (Eröffnung am 24.3.). Das groß angelegte, 30-stündige Festivalfinale, The Long Now, aktiviert die postindustrielle Kathedrale des Kraftwerks Berlin mit räumlichen Interventionen von Les Percussions de Strasbourg, Myriam Van Imschoot, OEIN und PHØNIX16 und vielen anderen (28. & 29.3.).

Das Diskursformat Thinking Together hält die Fäden zusammen, die sich durch das Festival ziehen (21.–27.3.). Unter dem Titel „Of Time Immemorial“ („Über Unvordenkliche Zeit“) laden Vorträge, öffentliche Gespräche und Workshops dazu ein, Zeit und Herkunft anders zu denken – und damit gegenwärtige Praktiken für andere mögliche Zukünfte zu öffnen. Als Epilog zur diesjährigen Festivalausgabe präsentiert MaerzMusik in Verbindung mit der Stiftung Berliner Philharmoniker Gérard Griseys Hauptwerk „Les espaces acoustiques“ mit der Jungen Deutschen Philharmonie und dem Ensemble Modern unter der Leitung von Sylvain Cambreling (31.3.).

Es ist die tiefe Freude dieses Festivals, Momente des gemeinsamen Hörens zu schaffen und Räume zu öffnen für unterschiedliche Weisen in der Zeit zu sein. Seien Sie unser Gast.

Berno Odo Polzer
Künstlerischer Leiter
MaerzMusik – Festival für Zeitfragen

Trailer MaerzMusik 2020. Visual und Audio aus „Non-Face“ von Robert Lippok & Lucas Gutierrez
Schnitt und Design: Eps51

© Berliner Festspiele / MaerzMusik

Die MaerzMusik

MaerzMusik – Festival für Zeitfragen versteht sich als Ort für künstlerische Erfahrungen, für Begegnungen und das gemeinsame Nachdenken über unseren Umgang mit Zeit. Entwickelt aus der Perspektive des Hörens und getragen von der Musik der Gegenwart, öffnet das Festival mit Konzerten, Performances, Installationen, Filmpräsentationen und Diskursformate einen Raum, in dem Leben, Kunst und Theorie konvergieren können.
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