Auswahl 2020

Für die Teilnahme am diesjährigen Tanztreffen der Jugend bewarben sich 51 Ensembles und Solist*innen mit ihren Arbeiten.

Die Entscheidung der unabhängigen Jury erfolgte in diesem Jahr ausschließlich auf Grundlage der eingereichten Videos und des beschreibenden Materials, Vorstellungsbesuche vor Ort und Gespräche mit den Ensembles konnten leider nicht stattfinden. Folgende Ensembles sind für das Tanztreffen der Jugend 2020 zu einer Begegnung eingeladen, in der sie sich gegenseitig ihre Arbeiten vorstellen und darüber ins Gespräch kommen. Wir freuen uns mit und auf Euch:

Academy Bühnenkunstschule und Produktionshaus

Academy Bühnenkunstschule und Produktionshaus

© Etienne Girardet / BAR PACIFICOimages

#10 BEAT

ACADEMY Bühnenkunstschule & Produktionshaus, Berlin

Von und mit
Noomi Aldinger, Paulina Alvensleben, Luis-Felipe Julio Barrera, Tomy Anh Duc Dang, Bjela Eymann, Matti Goltz, Jonathan Hilliger, Leonie Jepp, Isabel Kittmann, Eleni Murkudis, Lara Scholz, Juna Wendisch

Künstlerische Leitung / Choreografie Stella Caric
Assistenz Tatjana Mahlke
Künstlerische Beratung Steffi Garke

academy-buehnenkunstschule.de

Beats können übermächtig und dominierend sein, sie geben Impulse und lassen nicht nur Tanzende Zeit und Raum vergessen. Die Choreografin Stella Caric ist mit ihrem Ensemble der Frage nachgegangen, wie sich Beats individuell und auf Gruppen auswirken. Welche Bedeutung haben sie und was passiert mit unserem Körper, unserer Laune, wenn wir uns auf sie einlassen? Was ist eigentlich ein Beat und welche Beats bestimmen unseren Alltag? Wie können wir auf Beats tänzerisch kommunizieren? Das Stück kommt ohne Sprache aus und ist dennoch nicht pantomimisch. Mit und ohne Musik schafft es immer wieder unterschiedliche Atmosphären, das Publikum wird vom Ensemble durch verschiedene Räume und Gemütszustände geführt. „#10 BEAT“ ist physisch anspruchsvoll, strotzt von der Energie und Leidenschaft des Ensembles und verknüpft verschiedene Techniken urbaner Tanzstile wie House und Hip-Hop mit Konzepten des zeitgenössischen Tanzes.

Die 12 Tänzer*innen zwischen 16 und 21 Jahren probten insgesamt 12 Wochen intensiv an dem Stück. Sie alle sind Teilnehmer*innen der ACADEMY Bühnenkunstschule & Produktionshaus, einem soziokulturellen Projekt der Alten Feuerwache e. V. in Berlin Kreuzberg.

Saltazio

Saltazio

© Judith Hölscher

ENVY

Jugendensemble Saltazio, Hildesheim

Von und mit
Patricia Bendel, Meeri Beste, Merle Degenhardt, Josefine Elze, Frida Flohr, Leonard Flohr, Amelie Gruntowski, Noah Krischke, Marie Lamb, Pauline Makowski, Annkristin Mansen, Nike Mazur, Katharina Rittmeier, Alicia Simon, Florentine Steinhaus, Jakob Sundermeier, Johannes Wiosna

Künstlerische Leitung Uta Engel, Judith Hölscher

saltazio.de

„What terrifies me most is how we foam at the mouth with envy when others succeed, but sigh in relief when they are failing. Our struggle to celebrate each other is what’s proven most difficult in being human“.
Rupi Kaur

Worauf bin ich neidisch? Worauf sind andere bei mir neidisch? Wie fühlt sich Neid an? Wie zeigt er sich und wie findet er statt? Ist er laut oder leise, direkt oder subtil, grell oder dezent?

Das Zitat von Rupi Kaur hat uns inspiriert, uns diese Fragen zu stellen und uns ihnen konzeptionell und physisch anzunähern. Hierbei haben sich sehr deutlich zwei Perspektiven herauskristallisiert: die Sicht nach innen, wo Neid sich anfühlt wie die Verwandlung in einen Werwolf, die man erfolglos zu unterdrücken versucht. Und die Sicht nach außen, in der sich der Neid zwar oft gemein zeigt, aber dennoch auf zumeist sozialverträgliche Art. Er tut Schlechtes, verschleiert es jedoch oder hat es dann „nicht so gemeint“, verteilt Spitzen und versucht, diese Hässlichkeit zu überdecken. In „ENVY“ zeigen wir den Neid in seiner Gänze, wie er sich fühlt, wie er sich verhält, wie er aussieht und klingt.

Das Jugendensemble Saltazio besteht aktuell aus 17 Tänzer*innen zwischen 15 und 25 Jahren und ist eine sehr dynamische Mischung aus den unterschiedlichsten Tänzer*innen verschiedenster Altersstufen und Tanzstile, die darstellende Kunst als ihr Medium verstehen und die ständig neue Perspektiven, Meinungen und viel Individualität mitbringen.

Lenny und Elias

Lenny und Elias

© Sabine Mader

Fühling 2020

Lenny und Elias, München

Tanz Lenny Sarmiento
Text Elias Langermann

Konzept/Schnitt Chris Hohenester
Kamera Sabine Mader

Mit unserem Videoprojekt wollten wir die Stimmung dieses besonderen Frühlings einfangen und (uns) Mut machen. Auf der einen Seite die Corona-Pandemie, auf der anderen die Natur, die sich davon nicht beeindrucken lässt und uns immer wieder daran erinnert, wie schön die Welt ist. Auf den Frühling können wir uns verlassen, er kommt und rettet uns nach dem grauen Winter. Alles ist in Bewegung und miteinander verbunden. Das Schöne mit dem Schrecklichen – das Helle mit dem Dunklen – der Winter mit dem Frühling. Ein Frühling, der uns trotz seines Schreckens – oder vielleicht gerade dadurch – gezeigt hat, was wirklich wichtig ist. Und dass es Hoffnung gibt.

Elias Langermann und Lenny Sarmiento kennen sich nicht persönlich. Sie wurden unabhängig voneinander um eine Interpretation des Frühling 2020 gebeten und ihre Arbeiten wurden anschließend zusammengeführt. Beide verbindet der starke Wunsch nach Freiheit und Selbstbestimmung. Sie sind junge Künstler, die ihren Gefühlen und Gedanken Ausdruck verleihen, ohne sich dabei Regeln, Begrenzungen oder Vorgaben unterwerfen zu wollen.

Clara Helene Gerhardt

Clara Helene Gerhardt

© Helene Hacker

Grenzgänger – Ein Versuch

Clara Helene Gerhardt, Berlin

Von und mit Clara Helene Gerhardt

Grenzen verschieben, Grenzen überschreiten, Grenzen setzen. Die eigenen oder die der anderen. Physisch oder psychisch. Jeden Tag begegnen wir den unterschiedlichsten Grenzen.

Gerade jetzt werden uns vor allem Grenzen gesetzt. Die eigenen vier Wände, nicht loskommen. Die aktuelle Situation hat mich dazu inspiriert, mich mit meinen eigenen Grenzen auseinander zu setzen und dem Wunsch, Grenzen zu überwinden und zu überschreiten. Ich als Grenzgänger. Für mich standen zunächst viele Fragen im Raum. Fragen, die ich an mein Publikum und an mich richte: „Wer sind Grenzgänger*innen? Was macht sie aus? Bin ich ein Grenzgänger? Was fühle ich bei einer Grenzüberschreitung? Was bedeutet es für mich und andere, eine Grenze zu überschreiten?“

Vielleicht habe ich für mich darauf eine Antwort gefunden. Vielleicht können mir Zuschauer*innen ihre Antworten geben. Freiheit, Selbstbestimmung, Alltagsrebellion, Verlust, Bereicherung, Bereuen, Ausreizen …

Von 2012 bis 2019 war ich Mitglied im Tanztheater Lysistrate Schwerin. Durch die Ensemblearbeit zunächst in der Juniorcompany und später bei den Älteren durfte ich in viel Eigenverantwortung an den unterschiedlichsten Projekten mitarbeiten. Eigene Anstöße, eigene Ideen, eigene Bewegungen finden. Diese Arbeitsweise hat mich früh geprägt und jetzt auch in meinem eigenen Projekt ihren Platz gefunden.

Cie Chandra

Cie Chandra

© Anna Makarova

Innerer Konflikt

Cie Chandra, Saarbrücken

Tänzerin Daria Makarova

Choreografie/Konzept Hannah Chandra Mahler
Musik Carsten Thiele, Anthony Mejeh
Fotos/Video-Aufnahmen Anna Makarova

„Innerer Konflikt“ ist ein urban-zeitgenössisches Solo, das in der Corona-Zeit während des gelockerten Shutdowns in sieben Tagen konzipiert, entwickelt und produziert wurde. Ein Tanzstück, das sich mit dem Thema der Isolation und des Gefangenseins von Menschen auseinandersetzt.

Dieses Solo zeigt nicht den Stillstand, sondern verkörpert den inneren Zustand und die Gedanken des Menschen.
Der Mensch versucht, zu begreifen, zu verstehen, sucht nach Antworten, die ihn beruhigen und trösten. Doch nicht immer ist der Mensch emotional stabil, es kommt zu einem inneren Dilemma, zum Konflikt.
Das Tanzstück verkörpert die Gefangenschaft im eigenen Raum der Gedanken.

Choreografin Hannah und Tänzerin Daria kennen sich aus der Saarbrücker Tanzszene. Beide standen als Teenager zusammen auf der Bühne und haben an diversen Jugendprojekten in Saarbrücken teilgenommen.

Bühne Art&shok e. V.

Bühne Art&shok e. V.

© Alexander Varekhine

nullachtsiebzehn

Bühne art&shoK e. V./Tanztheater GRAZIA, Hamburg

Von und mit
Daniel Ahmetzanov, Emilia Czajkowski, Lisa Faber, Laura Kisselmann, Lydia Koch, Marcel Mamedov, Angelina Schwarz, Alina Vichnevski

Künstlerische Leitung / Choreografie Alexander Varekhine

art-shok.com

„nullachtsiebzehn“ behandelt die Phase des Erwachsenwerdens. Dem Gefühl von Leichtigkeit und Geborgenheit der Kindheit folgt das aufreibende und mechanische Wachstum des Körpers. Es kommt zu Veränderungen sowohl im eigenen Körper als auch im Umgang mit den Mitmenschen. Stärken und Schwächen treten immer deutlicher zutage. Druck und Leistungserwartungen steigen stetig an. Man zieht mit oder bleibt gefühlt zurück. Überforderung und Erschöpfung. Identitätskonflikte. Übernehme ich die Meinung anderer oder bilde ich mir einen eigenen Standpunkt? Der Umgang mit Selbstzweifeln und Unsicherheit ist eine der schwersten und prägendsten Aufgaben, auch weit über die Pubertät hinaus. Selbstzweifel und Unsicherheit wiederum beeinflussen den Umgang mit Nähe und Distanz in Beziehungen zu anderen Menschen. Es geht um die Kunst, in all dem Chaos eine eigene Balance zu finden.

Das Tanztheater GRAZIA gehört zu Bühne art&shoK e. V. und ermöglicht Kindern und Jugendlichen, sich tänzerisch und kreativ auszuleben. An diesem Projekt sind acht Tänzer*innen zwischen 15 und 18 Jahren beteiligt.

Ensemble CeWe24 bei der TanzTangente

Ensemble CeWe24 bei der TanzTangente

© Alicja Hoppel

Through Walls

CeWe24, Jugendcompany der TanzTangente Berlin

Von und mit
Franziska Engstler, Anna Gelbe, Carlotta Geßler, Borbala Blanka Sandor, Paula Schasiepen, Ella Schlotbohm

Künstlerische Leitung / Choreografie Camilla Przystawski, Johanna Jörns
Projektionen Johannes Schuchardt

Das Projekt „Exchange through walls“ wurde gefördert vom Deutschen Kinderhilfswerk e. V.

tanztangente.de

Kennst du das Gefühl, dir etwas fest vorgenommen und es dann so richtig gegen die Wand gefahren zu haben? Wie viel denkst du darüber nach? Bereust du dein Handeln und gibt es so etwas wie eine sinnvolle Strafe?

Auf Grundlage dieser und weiterer Fragen setzen sich sechs junge Tänzerinnen mit dem Thema Gefängnis auseinander und bringen ihre Gedanken in Bewegung.

Die Recherche für das Stück fand u. a. in Form von Workshops in den Justizvollzugsanstalten für Frauen in Berlin-Pankow und Berlin-Lichtenberg statt. Über Bewegungen, Zeichnungen und Texte kam es zum Austausch zwischen den Tänzerinnen und den inhaftierten Frauen. Auf Grundlage dieses Austauschs stellten sich die Tänzerinnen gegenseitig Aufgaben und entwickelten Bewegungen und Szenen mit- und füreinander.

„Through Walls“ ist die siebte Tanzproduktion der Jugendcompany CeWe24 der TanzTangente Berlin. Das aktuelle Ensemble bildete sich im September 2019 innerhalb des Gesamtprojekts „Exchange through walls“, das vom Deutschen Kinderhilfswerk e. V. gefördert wurde, und besteht aus sieben Tänzerinnen zwischen 16 und 21 Jahren.

Klaraadama

Klaraadama

© Richard Lukas

Why don’t you

Klaraadama, Berlin

Von und mit Adama Bance, Klara Liebig

Das Stück „Why don’t you“ trägt den Namen des zugehörigen Songs von Cleo Sol. Wir, Adama und Klara, fühlten uns von den Mustern dieses Liedes inspiriert und ließen uns davon intuitiv in unseren Bewegungen leiten. Während der Erarbeitung einer Choreografie merkten wir schnell, wie sich unsere persönliche Tanzgeschichte in der Musik widerspiegelt. Wir haben uns als Duo über die Ebene des Contemporary kennengelernt und setzen Elemente dieser Tanzrichtung im Stück um. In unserer gemeinsamen Tanzerfahrung fühlten wir uns auch sehr verbunden durch die Tanzstile Afro und Hip-Hop. Das Stück zeigt unsere Entwicklung als Tanzpartner*innen, unsere Gemeinsamkeiten und Unterschiede. In der Erarbeitung stellten wir fest, dass wir zu mehr fähig sind, wenn wir (tänzerische) Gewohnheiten „loslassen“ und eine Mischung einbringen, die uns bewegt. „Why don’t you just let go“ ist ein Leitspruch, den wir in unserem Stück verfolgen. Sich von Erwartungen zu lösen, sich selbst Raum zu geben, um sich zu entfalten, aber auch grenzenlos voneinander zu lernen und außerhalb von Kategorien zu denken, ist ein Motto, dem wir gerne nachgehen und das wir weitergeben wollen.

Wir sind Klaraadama und wie unser Ensemblename schon verrät, bestehen wir aus zwei Tänzer*innen. Klaras Ursprung liegt im zeitgenössischen Tanz, während Adama sich im Kern des Hip-Hop und Afro bewegt. Wir sind beide in der urbanen Tanzszene Berlins aktiv.