Forum

Das Forum des Tanztreffens der Jugend richtet sich an Tänzer*innen, Tanzvermittler*innen, Choreograf*innen, tanzerfahrene Theatermacher*innen und Studierende. Es untergliedert sich in Praxis, Dialog und Fokus. Der Besuch der eingeladenen Produktionen des Tanztreffens der Jugend ist Bestandteil des Forum-Programms. Das Forum findet zum Teil in englischer Sprache statt.

Für die Teilnahme am Forum-Programm ist eine Anmeldung erforderlich.

Konzept und Leitung: Martina Kessel studierte Tanzpädagogik an den Akademien in Rotterdam und Essen und absolvierte im Anschluss ein Studium der Ethnologie, Islamwissenschaft und Pädagogik an der Universität zu Köln. Es folgten Anstellungen als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Georg-August-Universität Göttingen und der Universität zu Köln. Von 2003 bis 2013 war sie Projektleiterin von Take-off: Junger Tanz am tanzhaus nrw, wo sie den Bereich Tanz für junges Publikum aufgebaut hat. Aktuell ist sie Projektleiterin von ChanceTanz, einem Projekt von aktion tanz – Bundesverband Tanz in Bildung und Gesellschaft e. V. im Rahmen des Programms Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

Anmeldung

Für die Teilnahme am Forum-Programm ist eine Anmeldung erforderlich.

Bitte geben Sie Ihren vollständigen Namen und ggf. Ihre Institution und den/die von Ihnen gewünschten Workshop/s an. Ihre Anmeldung ist verbindlich nach unserer Bestätigung und erfolgter Zahlung der Teilnahmegebühr. Die Teilnahme an den Sektionen Dialog (Aufführungsgespräche) und Fokus ist immer kostenfrei möglich!
Anmeldung bitte per E-Mail an

Teilnahme an Praxis-Workshop I
CAPTURING THE MOVING BODY
Mit Carola Schmidt und Christin Schmidt
(zeitgleich mit Praxis-Workshop IV)
Samstag, 21. September 2019, 13:30–16:00
Sonntag, 22. September 2019, 9:30–12:00 & 13:30–16:00
Montag, 23. September 2019, 9:30–12:00
Tickets für die Aufführungen am 20., 21. und 22. September 2019
(Mittag-, Abendessen sowie alkoholfreie Getränke inkl.)
€ 155 / ermäßigt € 110

Teilnahme an Praxis-Workshop IV
Urbaner Tanz im Bühnenkontext
Mit Daniela Rodriguez Romero
(zeitgleich mit Praxis-Workshop I)
Samstag, 21. September 2019, 13:30–16:00
Sonntag, 22. September 2019, 9:30–12:00 & 13:30–16:00
Montag, 23. September 2019, 9:30–12:00
Tickets für die Aufführungen am 20., 21. und 22. September 2019
(Mittag-, Abendessen sowie alkoholfreie Getränke inkl.)
€ 155 / ermäßigt € 110

Teilnahme an Praxis-Workshop II
body/space/screen
Mit Jo Parkes
(zeitgleich mit Praxis-Workshop V)
Montag, 23. September 2019, 13:30–16:00
Dienstag, 24. September 2019, 9:30–12:00 & 13:30–16:00
Tickets für die Aufführungen am 23. und 24. September 2019
(Mittag-, Abendessen sowie alkoholfreie Getränke inkl.)
€ 110 / ermäßigt € 75

Teilnahme an Praxis-Workshop V
Urban, contemporary dance and acrobatics crossover workshop
Mit Melissa Ellberger
(zeitgleich mit Praxis-Workshop II)
Montag, 23. September 2019, 13:30–16:00
Dienstag, 24. September 2019, 9:30–12:00 & 13:30–16:00
Tickets für die Aufführungen am 23. und 24. September 2019
(Mittag-, Abendessen sowie alkoholfreie Getränke inkl.)
€ 110 / ermäßigt € 75

Teilnahme an Praxis-Workshop III
Wie Innen, so Außen – Partizipation, Kollaboration und Dokumentation in zeitgenössischen Tanzprojekten
Mit Anna-Carolin Weber
(zeitgleich mit Praxis-Workshop VI)
Mittwoch, 25. September 2019, 9:30–12:00
Donnerstag, 26. September 2019, 9:30–12:00 & 13:30–16:00
Tickets für die Aufführungen am 25. und 26. September 2019
(Mittag-, Abendessen sowie alkoholfreie Getränke inkl.)
€ 110 / ermäßigt € 75

Teilnahme an Praxis-Workshop VI
Transfering HipHop and Funk Styles
Mit Shailesh Bahoran
(zeitgleich mit Praxis-Workshop III)
Mittwoch, 25. September 2019, 9:30–12:00
Donnerstag, 26. September 2019, 9:30–12:00 & 13:30–16:00
Tickets für die Aufführungen am 25. und 26. September 2019
(Mittag-, Abendessen sowie alkoholfreie Getränke inkl.)
€ 110 / ermäßigt € 75

Ermäßigungen gelten für Studierende.

Praxis

Die Praxis-Workshops gehen von den künstlerischen Positionen der Workshopleiter*innen aus und bieten den Teilnehmer*innen Einblicke in deren Herangehensweisen und künstlerische Strategien. Sie dienen sowohl als Rechercheräume zur Entwicklung choreografischen Materials als auch zur Reflexion der eigenen künstlerischen Praxis in der Arbeit mit jungen Menschen.

Das diesjährige Forum setzt zwei Themenschwerpunkte. Drei Workshops widmen sich dem Themengebiet Tanz und Film und nähern sich diesem aus ganz unterschiedlichen Perspektiven an. Die Tanzkünstlerin Christin Schmidt gibt gemeinsam mit der Medien- und Performancekünstlerin Carola Schmidt Einblicke in die Entstehung von Tanzfilmen mit Jugendlichen. Was bedeutet die Arbeit mit der Kamera für den künstlerischen und pädagogischen Prozess und welche Ausdrucksmöglichkeiten bietet das filmische Einfangen von Bewegungen?

Jo Parkes behandelt in ihrem Workshop die Beziehung zwischen Live-Körpern und Video als Teile einer gemeinsamen Inszenierung und befragt das Potential dieses multimedialen Dialogs. Der Workshop von Anna-Carolin Weber beschäftigt sich unter anderem mit den Chancen, die sich durch den Einsatz digitaler (filmischer) Medien im Kontext partizipativer und kollaborativer Kreationsprozesse eröffnen können.

Digitale Medien erlauben uns heutzutage, auf vielfältige Art und Weise mit Visualisierungen bzw. Film umzugehen. Es entstehen eigenständige Kunstprodukte in Form von Tanzfilmen, Inszenierungen, in denen das Video neben beziehungsweise in Interaktion mit der Bühnenpräsentation steht, und schließlich bieten digitale Medien eine Plattform für gemeinschaftliche kreative Prozesse, die nach speziellen Methoden verlangen.

Die Herausforderungen in diesem Kontext sind vielfältig und so behandeln die Workshops unterschiedliche Aspekte dieses Phänomens.

In einem weiteren Themenschwerpunkt fokussieren wir auf das Zusammenspiel von urbanen und sogenannten zeitgenössischen Tanzformen. Dieses Zusammenspiel in einer theatralen Form zu inszenieren, ist häufig herausfordernd. Ein Wissen über das jeweilige Selbstverständnis dieser unterschiedlichen Ausdrucksformen wird nicht per se geteilt. In den Workshops lernen wir die Arbeiten dreier Künstler*innen kennen, die an der Schnittstelle von urbanem Tanz und zeitgenössischer Inszenierung arbeiten.

Die Choreografin und urbane Tänzerin Daniela Rodriguez Romero reflektiert über die unterschiedlichen Kontexte des zeitgenössischen und urbanen Tanzes und erforscht Möglichkeiten persönlicher und authentischer Ausdrucksformen im Spektrum urbaner Bewegungsfertigkeiten.

Die Tänzerin und Choreografin Melissa Ellberger zeigt in ihrem Workshop, wie die Verbindung von urbanen, zeitgenössischen und akrobatischen Elementen zu neuen Bewegungsformen führt, indem man durch den bewussten und akkuraten Umgang mit den jeweils grundlegenden Bewegungsprinzipien experimentiert.

Der Choreograf und Hip-Hop-Tänzer Shailesh Bahoran untersucht in diesem Workshop den Transfer urban geprägter Tanzformen in den theatralen Kontext und geht der Frage nach, wie man deren Bewegungsprinzipien jenseits von Form und Tanzstil als Ausdrucksmittel einsetzen kann.

Workshop I: CAPTURING THE MOVING BODY

Samstag, 21. September 2019, 13:30–16:00
Sonntag, 22. September 2019, 9:30–12:00 & 13:30–16:00
Montag, 23. September 2019, 9:30–12:00
Mit Carola Schmidt und Christin Schmidt

Was kann durch die Kamera anders eingefangen und zum Ausdruck gebracht werden als durch eine Performance auf der Bühne? Welchen Einfluss hat die Arbeit mit der Kamera auf die Entstehung von Bewegungsmaterial? Und welche Türen öffnet das Filmische insbesondere in der tänzerischen und pädagogischen Arbeit mit jungen Menschen und nicht-professionellen Tänzer*innen?

Seit drei Jahren verbindet die Tanzpädagogin Christin Schmidt und die Videokünstlerin Carola Schmidt eine enge Zusammenarbeit, in der sie gemeinsam die Möglichkeiten von Tanz- und Videokunst in der Arbeit mit jungen Menschen ausloten und entdecken. Im Workshop geben sie Einblicke in ihre Arbeiten und Arbeitsweisen und nehmen einzelne Ansätze und Aspekte theoretisch und praktisch unter die Lupe: die Arbeit mit Scores und dem Spontanen, die Arbeit mit Improvisation und dem Intimen, die Arbeit mit Raum und dem Ortsspezifischen, die Arbeit mit chorografischem Material und dessen Übersetzung für die Kamera.

Dabei werden gemeinsam, je nach Interessensschwerpunkten in der Gruppe, Ideen entwickelt, in der Gruppe weitergedacht und ausprobiert, gebrainstormt, getanzt, gefilmt und gesichtet, so dass neben Einblicken und praktischen Erfahrungen auch ein inspirierender Ideenpool entstehen kann, aus dem die Teilnehmenden im Anschluss an den Workshop schöpfen können.

Der Workshop wendet sich an Menschen aus den Bereichen Tanz-, Performance- und Videokunst und kultureller Bildung mit Interesse an künstlerischer und pädagogischer Arbeit an der Schnittstelle dieser Kunstformen. Teilnehmer*innen aus dem Bereich der Videokunst sind eingeladen, Kamera und eigenes Kameraequipment mitzubringen.
Arbeiten der Choreografinnen sind auf ihrer Homepage zu finden.

Carola Schmidt ist eine in den Bereichen Film, Fotografie, Multimedia und Performancekunst tätige Künstlerin. Sie studierte an der Universität für angewandte Kunst Wien und der Universität der Künste Berlin. Als Regisseurin, Fotografin und Produzentin liegt ihr Fokus auf Musikvideos, Dokumentationen, Portraits, Bühnenprojektionen und Visual Artworks. Sie ist international tätig und gewann mehrere Auszeichnungen für ihre Arbeiten, u. a. den Diagonale Best Newcomer Prize. Seit 2013 steht sie zudem als ihr Alter Ego Lulu Schmidt als Musikerin auf der Bühne und veröffentlichte 2019 ihr erstes Album.
www.carolaschmidt.com

Christin Schmidt arbeitet tanzpädagogisch, choreografisch und dramaturgisch in künstlerischen, soziokulturellen und schulischen Kontexten sowie bewegungs- und körperpsychotherapeutisch im klinischen Bereich. Sie studierte zeitgenössischen Tanz, Kultur- und Tanzwissenschaft und Körperpsychotherapie in Berlin, Paris und Lüneburg. Sie war Teil des Multiplikator*innenprogramms ÜberLebenskunst.Schule, arbeitete u. a. für Fokus Tanz, München, das Junge DT, Berlin, den TanzScout, das Heizhaus Leipzig und initiiert seit mehreren Jahren integrative Tanzprojektreihen im Psychiatriekontext. Sie lebt in Leipzig.
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Workshop II: body/space/screen

Montag, 23. September 2019, 13:30–16:00
Dienstag, 24. September 2019, 9:30–12:00 & 13:30–16:00
Mit Jo Parkes

Der Workshop untersucht die Beziehung zwischen dem Digitalen und dem Analogen, indem er die Relation von Video und Live-Körpern als Elemente einer Inszenierung befragt. Was bedeutet das Zusammenführen dieser unterschiedlichen Medien für den Planungsprozess, für die ko-kreative Arbeit und für die Präsentation von Tanz in partizipativen Kontexten?

Im Laufe der letzten 20 Jahre hat Jo Parkes in vielen ihrer künstlerischen Projekte mit dem Medium Video experimentiert. Es entstanden dabei Tanz- und Dokumentarfilme, Videoinstallationen, ein interaktiver Videowalk und Live-Performances, die Video integrieren. Anhand dieser Projekte werden wir die Rolle der Kamera und/oder des Videomaterials im kreativen Prozess untersuchen: Welches Potenzial birgt die Arbeit mit digitalen Medien, das Interesse am kreativen Prozess bei Teilnehmer*innen zu wecken und aufrechtzuerhalten? Wie gehen wir mit dem Spannungsverhältnis zwischen der detailreichen und kleinteiligen Arbeit, die für die Erstellung digitaler Bilder erforderlich ist, und der flüchtigen Zerbrechlichkeit einiger Prozesse, wie wir sie immer wieder mit Projektteilnehmer*innen erleben, um? Worin besteht das Potenzial für einen kreativen Dialog zwischen Filmmaterial und realen Körpern im künstlerischen Prozess? Darüber hinaus wenden wir uns auch der Präsentation von Videoarbeiten zu und befragen die Interaktion digitaler Bilder und lebendiger Körper in Form der Performer*innen und Zuschauer*innen im Raum. Wir suchen nach Präsentationsformaten, die neue Möglichkeiten in der Beziehung zwischen digitalem Bild, Live-Performer*innen und Publikum eröffnen können.

Jo Parkes ist freiberufliche Tanzkünstlerin. Sie arbeitet mit partizipativem Tanz und kreiert Installationen, Events, Performances und Videos. Parkesʼ künstlerische Praxis ist sozial engagiert. Sie versteht ko-kreative Prozesse im Sinne einer Erforschung des kollektiven Lebens: als Labor, in dem diverse Gruppen von Menschen die für sie interessanten und relevanten Themen untersuchen. Sie ist Gründerin und künstlerische Leiterin von Mobile Dance e. V., der Kunstprojekte an der Schnittstelle von künstlerischen und gesellschaftspolitischen Anliegen entwickelt. 1995 erhielt Jo Parkes ein Fulbright Stipendium, um ihren Master-Abschluss in Choreografie an der University of California (UCLA) zu machen. Sie erwarb einen Abschluss (First Class) in Englischer Literatur und Modernen Sprachen an der Universität von Oxford. Im Jahr 2002 gewann sie den Bonnie Bird New Choreography Award (UK). Das Projekt „Postcards from Berlin“ erhielt 2009 die Kinder zum Olymp-Auszeichnung. 2016 bekam sie ein Stipendium vom Berliner Senat. Mit ihrem Stück „On Tradition: die junge Generation“ wurde sie zum 4. Tanztreffen der Jugend eingeladen. 2019 erhielt Parkes den Ehrenpreis im Rahmen des DEUTSCHEN TANZPREIS 2019 für ihr herausragendes Wirken für den Tanz in Deutschland.
www.joparkes.com; www.mobile-dance.com
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Workshop III: Wie Innen, so Außen – Partizipation, Kollaboration und Dokumentation in zeitgenössischen Tanzprojekten

Mittwoch, 25. September 2019, 9:30–12:00
Donnerstag, 26. September 2019, 9:30–12:00 & 13:30–16:00
Mit Anna-Carolin Weber

Es ist spannend: Zeitgenössische Tanzprojekte werden mit dem Anspruch konfrontiert, kollaborative und partizipative Prinzipien einzubinden und zugleich erwarten Förderinstitutionen produktorientierte Dokumentationen der Aufführungen und Projektergebnisse, die spezifischen Standards genügen müssen. Hinzu kommt, dass dabei oft außer Acht gelassen wird, wie die im Arbeitsprozess gewählten Prinzipien und Methoden, die auf Kollaboration und Partizipation abzielen, sich u. a. auf die Ästhetik, die Kommunikation und Rezeption eines Tanzprojektes auswirken.

Digitale Medien – als aktiv eingebundene Kommunikations- und Arbeitsmittel – ermöglichen eine Veränderung der Hierarchien und des Machtgefüges in künstlerischen Prozessen: Künstlerische Arbeitsprozesse in Tanzprojekten können mittels digitaler Medien im Hinblick auf Partizipation und Kollaboration neu ausgerichtet werden. Der Einsatz digitaler Medien führt jedoch nicht per se zu veränderten Konstellationen, sondern er benötigt veränderte Methoden und Perspektivwechsel aller am Prozess beteiligten Personen.

Im Zentrum des Workshops steht die Auseinandersetzung mit digitalen Medien im Kontext künstlerischer Tanzprojekte. Mittels theoretischer und praktischer Ansätze, die verschiedene Formate der Exploration und Dokumentation von Körper, Bewegung und (digitalen) Medien ausloten, werden exemplarisch Einsatzmöglichkeiten digitaler Medien in Tanz- und Performance-Projekten im Hinblick auf kollaboratives und partizipatives künstlerisches Arbeiten erprobt und im gemeinsamen Austausch diskutiert. Konkretisiert am Einsatz von Smartphone und Videokamera stellen wir uns die Frage, wie die Dokumentation eines Tanzprojekts von innen konzipiert sein könnte. Wie kann bereits im Arbeitsprozess über die aktive, praktikable Einbindung digitaler Medien eine Zusammenarbeit aller Teilnehmenden ermöglicht werden? Was sind die Grundvoraussetzungen für kollaboratives und partizipatives Arbeiten in Tanzprojekten? Warum ist der Zusammenhang von Konzeption, Vermittlung, Kommunikation, Ästhetik und Rezeption dabei so wichtig? Wo beginnt der kollaborative Arbeitsprozess: beim Konzept, in der Vermittlung, in der Probe …? Wie lässt sich mit der Herausforderung umgehen, dass das Smartphone ein Kommunikations- und Arbeitsmittel zugleich ist, das neue Herangehensweisen und künstlerische Strategien in ein Tanzprojekt bringen kann?

Anna-Carolin Weber forscht, lehrt und inszeniert als Tanzwissenschaftlerin und Choreografin im Spannungsfeld von Medien und Performativen Künsten an der Schnittstelle zur tänzerischen Praxis. Die Auseinandersetzung von Tanz und digitalen Medien (Fotografie, Video, Virtual Reality) bildet dabei einen ihrer Arbeitsschwerpunkte. Als Tanzschaffende zeigt sie seit 2008 regelmäßig eigene choreografische Arbeiten, arbeitet als Dramaturgin und in der Beratung von Tanz- und Performanceprojekten mit unterschiedlichsten Zielgruppen und unterrichtet seit mehr als zehn Jahren an Universitäten, Kunsthochschulen und in der freien Tanz- und Theaterszene Nordrhein-Westfalens. So arbeitet Anna-Carolin Weber nach mehrjähriger Mitarbeit und Lehrtätigkeit am Zentrum für Zeitgenössischen Tanz an der Hochschule für Musik und Theater Köln (2010–2014) und an der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft in Köln (2008–2016) derzeit als Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt RUB arts & culture international (inSTUDIES) an der Ruhr-Universität Bochum und forscht zu ihrem tanzwissenschaftlichen Dissertationsprojekt zu transmedialen Choreografien am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft an der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Internationalen Austausch ermöglichten ihr Fellowships und Forschungsaufenthalte u. a. an der Library for the Performing Arts und bei Movement Research in New York City (2014–2015), an der Zürcher Hochschule der Künste (2014/2015/2017), am Getty Research Institute in Los Angeles (2017), bei Anna Halprin in San Francisco (2018) sowie an der Cinémathèque Québécoise in Montreal (2019).
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Workshop IV: Urbaner Tanz im Bühnenkontext

Samstag, 21. September 2019, 13:30–16:00
Sonntag, 22. September 2019, 9:30–12:00 & 13:30–16:00
Montag, 23. September 2019, 9:30–12:00
Mit Daniela Rodriguez Romero

Der Workshop gibt einen Überblick über unterschiedliche urbane Tanzkulturen, Kulturpraktiken und Bewegungsprinzipien und bietet eine Überleitung in den theatralen Bühnenkontext. In gemeinsamen Movement-Laboren initiiert die Choreografin den Perspektivenwechsel zwischen urbaner Tanzkultur und zeitgenössischer Bühnenkunst. Im gemeinsamen praktischen Austausch werden die Teilnehmer*innen des Workshops angeregt, über die verschiedenen Kontexte zu reflektieren. Der Workshop gibt außerdem einen Einblick in den tanzkünstlerischen Schaffensprozess der urbanen Choreografin. Die Prämisse ihrer Arbeit ist ein künstlerischer Vertiefungsprozess, der nach choreografischen Methoden und Ausgangspunkten forscht, mit denen sich ein authentischer und persönlicher Ausdruck im Spektrum urbaner Bewegungsfertigkeiten finden lässt. Es werden sowohl Arbeitsweisen, Methoden und Ziele in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen befragt als auch Themen und Inszenierungsideen skizziert, die die Choreografin in ihren Bühnenstücken und performativen Formaten erarbeitete.

Daniela Rodriguez Romero ist freischaffende Choreografin, Tanzvermittlerin und urbane Tänzerin. In ihrer künstlerischen Arbeit setzt sie sich mit urbaner Tanzkunst im Bühnenkontext auseinander. Neben eigenen Produktionen in der freien Szene choreografierte sie für Produktionen des Schauspielhaus Köln, der Göteborg Operan und des Saarländischen Staatstheaters. Im Anschluss an ihr Studium an der Deutschen Sporthochschule Köln im Jahr 2009 lehrte sie am Institut für Tanz- und Bewegungskultur und entwickelte dort das Fach Urbaner Tanz in der Schule, für das sie 2015 mit dem Lehrpreis für Dozierende ausgezeichnet wurde. Eine urbane Vermittlungskompetenz vermittelt sie in Workshops, Kursen sowie Fort- und Weiterbildungen. 2006 gründete sie die Initiative LADIES DANCE – women for women. LADIES DANCE setzt sich für Bildung, Mitwirkung und Stärkung urbaner Tänzerinnen in der informellen urbanen Tanzlandschaft in Deutschland ein. Daniela Rodriguez Romero ist Mitbegründerin von nutrospektif. Das Kollektiv hat sich zum Ziel gesetzt, den urbanen Tanz im Bühnenkontext sichtbarer zu machen und als Schnittstelle zwischen urbaner Tanzszene und zeitgenössischem Bühnentanz zu agieren. Mit dem Projekt street perspektif widmet sich das Kollektiv der tanzkünstlerischen Heranführung junger urbaner Tänzer*innen und bietet eine Plattform für urbanen Tanz auf der Bühne in Köln. Seit 2010 inszeniert sie Bühnenstücke für den Jungen Tanz. Als künstlerische Leitung des internationalen Jugendtanzensembles Ohne Stimme realisiert sie derzeit die vierte europäische Produktion „Passagen in Portbou“, die mit dem Bundespreis Aktiv für Demokratie und Toleranz des Bündnisses für Demokratie und Toleranz ausgezeichnet wurde.
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Workshop V: Urban, contemporary dance and acrobatics crossover workshop

Montag, 23. September 2019, 13:30–16:00
Dienstag, 24. September 2019, 9:30–12:00 & 13:30–16:00
Mit Melissa Ellberger
Arbeitssprache des Workshops ist Englisch.

In dem Workshop tauchen wir in einen Crossover von urbanem Tanz, Akrobatik und zeitgenössischem Tanz ein. Prinzipien der Bio-Mechanik und des Tensegrity-Modells nutzend, erforschen wir technische Aspekte der Bewegung und untersuchen deren Anwendung in Improvisationsübungen und choreografischen Settings.

Im Crossover der Bewegungstechniken arbeiten wir auf verschiedenen räumlichen Ebenen – dem Boden, aufrecht und in der Luft – und erforschen, wie man zwischen diesen Ebenen mühelos sowohl individuell als auch in Partnerarbeit wechseln kann. Mit spielerischem Geist werden wir uns die optimale Nutzung der Gravitationskraft einverleiben, indem wir uns der Schwerkraft hingeben oder ihre Gesetze zu missachten suchen. Der Schwerpunkt des Workshops liegt auf sensorischer Genauigkeit und rhythmischer Sensibilität. Wir erfahren, wie ein effizienter Transfer des Körperschwerpunktes, ein geschärftes Bewusstsein unserer Muskelisolationen und eine entsprechende Atmung das Bewegungsmoment verbessern können. Der Workshop unterstützt die Teilnehmer*innen sowohl bei der Suche nach ihrem „energetic grounding“ als auch bei der Verwendung kinästhetischen Feedbacks. Ziel ist es, das Körperbewusstsein zu stärken, das Bewegungsvokabular der Teilnehmer*innen zu erweitern und gemeinsam mit innovativen Ausdrucksformen zu experimentieren.

Melissa Ellberger ist eine Schweizer Choreografin, Tänzerin und Dozentin. Sie absolvierte ihr Studium an der Central School of Speech and Drama in London an der Fakultät für zeitgenössischen Zirkus. Ihre Fähigkeiten im Breakdance ließ sie mit verschiedenen renommierten Kompanien wie Accrorap (Frankreich) sowie Het National Ballet und ISH Dance Collective (Niederlande) zusammenarbeiten. Sie begann ihre eigene choreografische Arbeit im Jahr 2008 mit Unterstützung der Van den Einde-Stiftung und absolvierte den Intensivkurs für Choreografie an der SNDO (Amsterdam University of the Arts). Ihre anschließende künstlerische Entwicklung wurde insbesondere von The Performing Arts Fund Nederland und von Korzo Theater Productions unterstützt. An der Schnittstelle von Zirkus, urbanem Tanz, Parkour, zeitgenössischem Tanz und bildender Kunst schuf sie Werke für Kompanien und Institutionen wie das Tanzhaus Zürich, Cinedans, Danceworks Rotterdam, Kriztina de Châtel Dance Company und Waterland Films. Im Jahr 2013 wurde sie für den Choreografiepreis der Dutch Dance Days nominiert. Sie kombiniert choreografisches und pädagogisches Arbeiten und unterrichtet unter anderem in den Bachelor-Programmen der Codarts Dance and Circus University, Rotterdam, der Fontys Academy, Tilburg, der Tulane Dance University, New Orleans, und The National Center for Circus Arts, London. Melissa Ellbergers jüngstes Werk „SHIFT“, beauftragt von der Kompanie Barely Methodical Troupe (experimentelle Akrobatik), tourt derzeit in Großbritannien. The Guardian kommentierte diese Produktion mit „There is real invention“ (2018).
www.anthrop.ch
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Workshop VI: Transfering HipHop and Funk Styles

Mittwoch, 25. September 2019, 9:30–12:00
Donnerstag, 26. September 2019, 9:30–12:00 Uhr & 13:30–16:00
Mit Shailesh Bahoran
Arbeitssprache des Workshops ist Englisch.

In diesem Workshop nutzen wir Techniken des Hip-Hop und Funk Styles. Wir untersuchen, wie Bewegungsprinzipien dieser Techniken jenseits vorgegebener Formen in eine Bühneninszenierung Eingang finden können. Ausgehend von den grundlegenden Konzepten des Hip-Hop und Funk Styles übertragen wir deren Bewegungslogik in einen theatralen Kontext und erforschen, wie beispielsweise einfache Veränderungen des Rhythmus’, des Fokus’ oder der ursprünglichen Bewegungsintention neue Möglichkeiten eröffnen können.

Der Workshop gibt einen Einblick in Shaileshs Bahorans choreografische Arbeit, die sich durch die Verbindung zeitgenössischer Inszenierungsformen und Hip-Hop-/Funk Style-basiertem Bewegungsmaterial auszeichnet. Sein besonderes Interesse gilt unter anderem den Herausforderungen in der Arbeit mit unterschiedlichsten Körpern und Menschen mit diversen kulturellen und tänzerischen Hintergründen. Wie adaptieren Individuen urbane Bewegungsformen in ihre Kontexte und auf welchem Wege machen sie sich diese zu eigen, so dass sie als Darsteller*innen authentisch mit dem Material agieren können?

Shailesh Bahoran ist ein vielseitiger Hip-Hop-Tänzer und Choreograf. In seinen künstlerischen Arbeiten sucht er fortwährend nach visionären Möglichkeiten, Stimmungen und Emotionen beim Publikum zu erzeugen und Gegensätze aufzudecken. Seine Herangehensweise ließen innovative und experimentelle Stücke entstehen, die in der Tanzwelt bereits große Anerkennung erfuhren. Shailesh Bahoran ist künstlerischer Leiter der Illusionary Rockaz Company. Als Tänzer zeichnet er sich durch seine herausragende Technik, Originalität und Ausdruckskraft aus. Er ist fest in der Hip-Hop-Kultur verwurzelt und beherrscht verschiedene Stile wie b-boying (Breakdance) und popping, die er sowohl als Solokünstler als auch mit seiner Crew präsentiert. Er arbeitete unter anderem mit dem Niederländischen Nationalballett, Don’t Hit Mama, dem Niederländischen Symphonieorchester, Codarts Rotterdam, Fontys, VocaalLAB, Korzo, Den Haag, Spin off, Conny Janssen, der Amsterdam Academy for the Arts und dem ISH Dance Collective zusammen.

Im Jahr 2013 erhielt er die New-Makers-Förderung vom Performing Arts Fund Nederlands. Auf dieser Basis konnte er in Zusammenarbeit mit Korzo, ISH und Spin OFF die Produktionen „Heritage“, „Sat Cit Ananda“, „Lalla Rookh“, „Blood“, „Aghori“ und den Kurzfilm „SHAI“ realisieren, für den er seinen Hindustani-Hintergrund als Inspiration nutzte. Im Jahr 2015 wurde Lalla Rookh für den Publikumspreis Tanz vorgeschlagen. Seine Arbeit „lgnite“ wurde 2017 in der Kategorie Beeindruckendste Tanzproduktion für einen ZWAN nominiert und gewann darüber hinaus den Dioraphte-Preis für Internationalisierung. Im selben Jahr wurde Shailesh Bahoran als vielversprechender Choreograf mit dem Preis der Dutch Dance Days ausgezeichnet. Neben seiner künstlerischen Tätigkeit arbeitet er auch als Personal Coach mit Performer*innen und setzt sich für die Entwicklung der niederländischen Hip-Hop- und Funk-Szene in den Bereichen Tanz und Theater ein. Seine neue Produktion „REDO“ geht im Herbst dieses Jahres auf Tour.
www.ircompany.nl

Dialog

Die Aufführungsgespräche, die jeweils am Tag nach der Präsentation der in diesem Jahr ausgewählten Stücke stattfinden, stellen die Dialogplattform des Forums dar.

Aufführungsgespräche

21. bis 26. September 2019, jeweils 17:30–18:30
Konzept und Leitung Jo Parkes
Das tägliche Aufführungsgespräch wird durch Beschreibungen und Beobachtungen zu der am Vorabend gezeigten Produktion eingeleitet. Choreograf*innen, Juror*innen und Forumsteilnehmer*innen diskutieren hier die formalästhetischen, thematischen und inhaltlichen Aspekte der Produktionen. Gefragt sind Expertise und Kritik, Neugier und ein scharfer Blick sowie Lust auf neue Perspektiven im Gespräch.

Jo Parkes ist freiberufliche Tanzkünstlerin. Sie arbeitet mit partizipativem Tanz und kreiert Installationen, Events, Performances und Videos. Parkesʼ künstlerische Praxis ist sozial engagiert. Sie versteht ko-kreative Prozesse im Sinne einer Erforschung des kollektiven Lebens: als Labor, in dem diverse Gruppen von Menschen die für sie interessanten und relevanten Themen untersuchen. Sie ist Gründerin und künstlerische Leiterin von Mobile Dance e. V., der Kunstprojekte an der Schnittstelle von künstlerischen und gesellschaftspolitischen Anliegen entwickelt. 1995 erhielt Jo Parkes ein Fulbright Stipendium, um ihren Master-Abschluss in Choreografie an der University of California (UCLA) zu machen. Sie erwarb einen Abschluss (First Class) in Englischer Literatur und Modernen Sprachen an der Universität von Oxford. Im Jahr 2002 gewann sie den Bonnie Bird New Choreography Award (UK). Das Projekt „Postcards from Berlin“ erhielt 2009 die Kinder zum Olymp-Auszeichnung. 2016 bekam sie ein Stipendium vom Berliner Senat. Mit ihrem Stück „On Tradition: die junge Generation“ wurde sie zum 4. Tanztreffen der Jugend eingeladen. 2019 erhielt Parkes den Ehrenpreis im Rahmen des DEUTSCHEN TANZPREIS 2019 für ihr herausragendes Wirken für den Tanz in Deutschland. www.joparkes.com; www.mobile-dance.com

Fokus

Die Auftakt-Diskussion des Forums fokussiert diesmal auf Schnittstellen des urbanen und zeitgenössischen Tanzes und greift somit ein Thema auf, das eines von zwei Schwerpunktthemen des diesjährigen Praxis-Programms bildet.

Urban trifft zeitgenössisch – zeitgenössisch trifft urban

Samstag, 21. September 2019, 10:30–12:00

Urbane Tanzformen begegnen uns bereits seit Jahren im Kontext theatraler Inszenierungen. Dies gilt insbesondere für Tanzproduktionen mit Jugendlichen. Doch wie werden diese Bewegungsformen eingesetzt und wo verortet sich die urbane Szene selbst im Kontext des zeitgenössischen Tanzes? Im Gespräch mit Vertreter*innen der urbanen und zeitgenössischen Tanzszene werden diese und weitere Fragen verhandelt.

Spezial

Ein choreografisches Rechercheprojekt mit Seppe Baeyens bildet den Spezial-Teil des Forums.

Samstag, 21. bis Dienstag, 24. September 2019

Im Jahr 2018 war der flämische Künstler Seppe Baeyens mit „INVITED“ beim Tanztreffen der Jugend zu erleben. Zuvor war er bereits Workshopleiter im Forum-Programm für Choreograf*innen. Kennzeichnend für seine Arbeit ist die Frage nach der Interaktion, nach der Einbeziehung des Publikums in die Gestaltung der Stücke. Für sein neues Projekt „Birds“, das 2020 Premiere haben wird, setzt Seppe Baeyens seine in Brüssel und am tanzhaus nrw in Düsseldorf begonnene choreografische Recherche im Tanztreffen der Jugend fort, in der der öffentliche Raum zur Bühne wird. In einem Showing werden die Ergebnisse der Arbeit präsentiert.

Seppe Baeyens fing als Jugendlicher an, bei der belgischen Kompanie fABULEUS zu tanzen, bevor er später für das renommierte Produktionszentrum Kopergietery und Kompanien wie
kabinet k, Ontroerend Goed und Miet Warlop performte. Seit 2011 ist er eng mit Ultima Vez, der Kompanie des belgischen Choreografen Wim Vandekeybus, verbunden.

Das Rechercheprojekt in Berlin wird unterstützt durch die Regierung Flanderns

Veranstaltungsorte

Praxis-Workshops

Uferstudios
Uferstraße 8, 13357 Berlin
U8 Pankstraße / U9 Nauener Platz / S-Bahn Gesundbrunnen

Bühne, Dialog, Fokus

Haus der Berliner Festspiele
Schaperstraße 24, 10719 Berlin
U9 / U3 / Bus 204 Spichernstraße