Campus

Das Campus-Programm richtet sich an die Teilnehmer*innen des Theatertreffens der Jugend und ist nicht öffentlich. Es untergliedert sich in die Bereiche Praxis mit verschiedenen Theaterworkshops und Dialog mit den täglichen Nachgesprächen.

Praxis

Die Workshops erstrecken sich über mehrere Tage. Am Ende werden die Erfahrungen aller Teilnehmenden ggf. in einem gemeinsamen Workshop-Showing geteilt.

Workshop-Zeiten:
Fr, 28.5.21, 14:00–16:00 Uhr
Sa, 29.5.21, 9:30–12:00 und 13:30–16:00 Uhr
So, 30.5.21 – keine Workshops
Mo, 31.5.21, 9:30–12:00 und 13:30–16:00 Uhr
Di, 1.6.21, 9:30–12:00 und 13:30–16:00 Uhr
Mi, 2.6.21, 9:30–12:00 Uhr und Workshop-Showing 13:30–16:00 Uhr

Der Workshop in visible touch – (un)möglich, hier jetzt mit euch verbunden zu sein beginnt erst am Samstag.

„Selbstverteidigung Kunst“
Dieser Workshop will eine Übung sein. Eine Übung, durch die ihr Impulse bekommen könnt, autonom eure künstlerische Handschrift zu entwickeln.
Ich. Ist das der Anfang jedes Sprechens? Ist mein Selbstporträt immer eine Erzählung und welche Geschichten bestimmen, wer ich bin? Wie beeinflusst meine Biografie meinen Zugang zur Kunst und mit welchen Ästhetiken kann ich mich so darstellen, wie ich will?
Auf der Suche nach Möglichkeiten der Selbstdarstellung können sich dabei individuelle Wege entwickeln, das eigene Ich in seiner Verwundbarkeit auszustellen und die Bühne hierfür als Schutzraum zu begreifen. Ziel dieser Mitverhandlung der eigenen Biografie auf der Bühne kann es sein, mit einer performativen Theaterarbeit auf die Lücke im Ablauf zu stoßen, in der die eigene Identität, das „Selbst“, nicht mehr eine unabdingbare Zwangsläufigkeit ist, sondern eine Möglichkeit.
Im Zentrum kann hierbei die Frage nach den Momenten stehen, in denen jemand sich sein Selbstbild aneignet, sich gegen die herrschenden Werte und Normen wendet, sie als veränderbare Fiktionen benennt und damit an die Öffentlichkeit tritt, um in diese einzuwirken und an der vermeintlich fixierten sozialen Wirklichkeit zu rütteln – oszillierend zwischen Verwundbarkeit und Selbstbehauptung.
Gemeinsam und in Einzelcoachings wollen wir uns verschiedene künstlerische Gestaltungsmöglichkeiten anschauen und herausfinden, was euren Begriff von Kunst ausmacht. Welche Themen möchtet ihr in eurer Kunst verhandeln? Welche Ästhetiken interessieren euch? Von uns kriegt ihr die Impulse – euren Prozess und eure Kunst dürft ihr autonom kreieren

Mit: Antigone Akgün
Und: Sebastian Mauksch

Ich bin alles – Schauspielen frei von klischierten Rollenbildern
Das Theater ist ein Ort der unbegrenzten Fantasie. Den Fokus beim Schauspiel sollten unsere Emotionalität und unsere Körper bilden. In der aktuellen Theaterszene sieht es leider anders aus. Da liegt der Schwerpunkt auf unserem Aussehen, unserem Alter und Geschlecht. Unser Körperbau und unsere Herkunft sind Hauptkriterien, nach denen wir besetzt werden. In diesen sehr begrenzten Räumen dürfen wir uns dann vermeintlich „frei entfalten“. Als Regisseurin arbeite ich bewusst gegen diese Stigmata an. Ich will losgelöst sein von Rollenbildern und jeder Person die Möglichkeit geben, jede nur erdenkliche Figur auf der Bühne spielen zu können. Schauspiel steht für Kreativität, und diese sollte man unabhängig von seiner eigentlichen Persönlichkeit entdecken und umsetzen dürfen. Das konservative Muster, nach dem an deutschsprachigen Theatern besetzt wird, muss aufgebrochen und Spieler*innen sollten nicht mehr nach äußerlichen und rassistischen Kriterien ausgesucht werden. Denn dabei wird die Wurzel des Schauspiels vergessen: grenzenlose Fantasie, pure Emotionalität und absolute geistige und körperliche Freiheit. Bei mir könnt ihr alles sein, sämtliche Klischees in Rollen sprengen: Stereotype spielen hier keine Rolle. Nach diesem Prinzip will ich mit euch arbeiten, alles nur Erdenkliche behaupten – wo sonst sollte das so einfach möglich sein wie am Theater?

Mit: Salome Dastmalchi wurde in Berlin geboren und studierte von 2002 bis 2006 an der Hochschule der Künste in Bern Schauspiel, anschließend tourte sie mit „Return to Sender“ von Helena Waldmann um die Welt. 2010 spielte sie u. a. Katarina in einer Basler Inszenierung von „Dämonen“. In Berlin spielte sie in „Das blaue, blaue Meer“ am Heimathafen Neukölln und in „Die Fozen“ am Ballhaus Ost. Zusätzlich debütierte sie als Autorin und Regisseurin am HAU 3 mit „Mein Herz ist voller Hass – und das liebe ich“. 2011 spielte sie in „Bloodshed in Divercity“ am Ballhaus Naunynstraße, 2012 wurde dort ihre zweite Inszenierung „Run Brother Run“ uraufgeführt, 2013 entwickelte sie ebenda mit der akademie der autodidakten „SCHIZO!“, das für die Teilnahme am Theatertreffen der Jugend nominiert wurde. 2014 erarbeitete sie mit Jugendlichen „An!“, das im Rahmen der Jugendfestspiele an den Sophiensaelen lief. Seit 2012 gibt sie Schauspielworkshops an Schulen, u. a. in Kooperation mit der Schaubühne, dem Berliner Ensemble und dem Ballhaus Naunynstraße. 2016 startete sie ihre Zusammenarbeit mit dem Jungen DT, Berlin, 2018 führte sie Regie bei der Uraufführung von „Draufgängerinnen“ von Tanja Sljivar und „Mein ziemlich seltsamer Freund Walter“ von Sibylle Berg. Im Februar 2020 inszenierte sie „Das Gewächshaus“ von Jordan Tannahill für das Junge DT und im März 2021 die digitale Reihe „Time to Die – V.I.P.s am Abgrund“. Seit April 2020 ist sie Gastdozentin an der Universität der Künste Berlin im Fachbereich Schauspiel. Aktuell schreibt sie an ihrem neuen Stück „Max im Cosi“ über fünf Väter und ihr bitteres Schicksal, das voraussichtlich im Winter 2022 seine Premiere feiern wird.

Im Hier und Jetzt!
„Online“ ist die Devise und stellt uns vor eine neue Herausforderung!

Wir werden verschiedene Möglichkeiten erforschen, sich durch die digitale Plattform im Raum zu bewegen, und gemeinsame Kompositionen, Interaktions- und Performance-Sequenzen kreieren.
Durch Bodypercussion-Übungen und Einsatz der Stimme nehmen wir unseren Körper wahr und sensibilisieren unsere Reaktionsfähigkeit.
Mit Körperbewegungen der Ideokenesis und Body-Mind-Centering schärfen wir unsere Sinne.
Wir experimentieren mit Soundcollagen und Videos.

Mit: Jarita Freydank ist eine afrodeutsche Schlagzeugerin, Sängerin und Musikpädagogin. Sie war u. a. mit Judith Holofernes und Astrid North auf Tour und veröffentlichte 2017 ihr Debüt „JARITA & THE AFROBEATMOVEMENT – Live At Planet Earth EP“. 2019 war sie als musikalische Leitung, Komponistin und Performerin in der Performance „PATTERNS“ von Magda Korsinsky am Ballhaus Naunynstraße, Berlin tätig. Neben ihrer künstlerischen Tätigkeit gibt Jarita Drumset- und Gesangsunterricht. Sie arbeitet mit Menschen jeden Alters und nutzt die Kraft der Musik als ein gemeinsames therapeutisches Erlebnis. Außerdem ist sie Jurymitglied des Treffens junge Musik-Szene der Berliner Festspiele.

Und: Tatiana Mejia, Tänzerin, Choreografin und Musikpädagogin, lebt in Berlin. Geboren und aufgewachsen in der Dominikanischen Republik studierte an der Nationalen Tanzschule in Santo Domingo. Dort entwickelte sie verschiedene Arbeiten mit ihrer eigenen Gruppe Desdoblados und war Gründungsmitglied des Nationalen Ensembles für zeitgenössischen Tanz. Sie war Artist in Residence” beim American Dance Festival, Bates Dance Festival, Iberescena und Ponderosa. Seit 2011 war sie in Berlin in den Sophiensaelen, im Dock 11, im HAU Hebbel am Ufer, in der Schaubühne, im Maxim Gorki Theater und im Ballhaus Naunynstrasse zu sehen.

in visible touch -
(un)möglich, hier jetzt mit euch verbunden zu sein

Wie fühlt es sich an, verbunden zu sein – mit mir selbst, mit anderen, mit der Welt? Wie fühlt es sich an, getrennt zu sein? Was sind das für Momente, in denen ich mich in meinem Leben verbunden oder getrennt fühlte? Diese Fragen sind umso bewegender, wenn Treffen im gleichen Raum nicht mehr möglich sind. Und sie bewegen uns, weil diese Zeit Verbindung braucht, wenn wir gemeinsam eine gute Zukunft schaffen wollen, eintreten für mehr Gerechtigkeit, Solidarität und ökologischen Wandel.

Doch was ist überhaupt Verbundenheit?
In diesem Workshop erforschen wir das gemeinsam. Wir erproben unterschiedliche Möglichkeiten, uns zu verbinden: mit uns selbst, mit den anderen und der Welt.

Dieser Workshop ist der richtige für dich, wenn du …

  • herausfinden willst, was dich gerade bewegt, dich lebendig macht
  • dich dafür interessierst, was die anderen bewegt
  • dich ohne Bewertung zeigen und ausprobieren möchtest
  • Lust hast auf spielerische Übungen mit deiner Wahrnehmung, dem Körper, dem Atem und der Stimme
  • Lust hast, dich frei zu bewegen, zu schütteln und zu tanzen und auch mal ganz still zu werden
  • (wieder) in deine Power kommen willst

#empowerment #körperarbeit #achtsamkeit #freedance #performancekunst

Mit: Julia Lemmle entwickelt mit dem Kollektiv Fräulein Bernd Performances für Räume und Veranstaltungen, in denen es um Begegnung und politische Veränderung geht und ist Coach und Trainer*in für Kommunikation, persönliche Veränderung, Empowerment und Diversity.

Und: André Vollrath entwickelt mit dem Kollektiv Fräulein Bernd Performances für Räume und Veranstaltungen, in denen es um Begegnung und politische Veränderung geht und ist Coach und Trainer*in für Kommunikation, persönliche Veränderung, Empowerment und Diversity.

Grenzen erweitern – Clownerie
Raus aus der Komfortzone, rein ins Vergnügen!
Ohne Angst neue Wege gehen. Neues wagen und Mögliches anstreben.
Angst ist manchmal ein guter Ratgeber – in den meisten Fällen aber nicht. Dann bleiben wir lieber in unserer Komfortzone. Da fühlen wir uns sicher. Tätigkeiten in der Komfortzone gehen uns leichter von der Hand, bieten uns aber keine Möglichkeit, durch Herausforderung zu wachsen.
Mit dem Online-Clownsspiel wollen wir Grenzen erweitern, mutig sein und Neues ausprobieren. Eine neue Art des Miteinanders ausprobieren, im Raum und vor der Kamera. Hinzu kommen technische Herausforderungen, die für sich schon viel Potenzial bieten, zu scheitern – scheitern als Geschenk für das Miteinander.
Die Grundlagen des Clownsspiels: Wir wollen Stimme und Körpersprache trainieren und herausfinden, wie wir unsere eigenen Clownsfiguren entwickeln können.
Hierbei geht es in erster Linie nicht darum, witzig zu sein, sondern ums „voll da sein“.
Der Clown entdeckt seine Umgebung mal spielerisch, mal still, mal chaotisch, mal rebellisch oder anarchisch. Vor allem aber entdeckt er seine Welt in jedem Moment neu.
Weiterhin wollen wir folgenden Fragen nachgehen:
Was macht eigentlich den Clown aus? Welche Stärken verbergen sich im scheinbar chaotischen Clown? Welche Anteile von mir sind für das Clownsspiel „geeignet“?

Mit: Canip Gündogdu ist Erziehungswissenschaftler und Theaterpädagoge und leitet interkulturelle und integrative Theaterprojekte mit Schüler*innen. Seine Leidenschaft sind Clownerie- und Theaterworkshops mit Kindern und Jugendlichen.

Bühnenpoesie und Spoken Word Werkstatt
Wie klinge ich, wenn ich spreche, was ich denke?
Und wie spreche ich, wenn ich denke, wie ich klinge?
Und wie denke ich, wenn ich klinge, wo ich spreche?
Wie halte ich mich –
und wie schreibe ich dann?
In dieser Werkstatt nähern wir uns der gesprochenen Literatur und performativen Dichtung. Mit verschiedenen Schreib- und Performancemethoden versuchen wir, die Schnittstellen zwischen Text, Körper und Stimme zu orten, eigene Inhalte und Ideen zu versprachlichen und die Nähe von Wort und Laut zu erspüren.
Die Impulse hierfür gibt die Dichterin und Spoken-Word-Künstlerin Tanasgol Sabbagh.

Mit: Tanasgol Sabbagh schreibt Lyrik und Spoken-Word-Texte. Sie studierte Orientwissenschaften in Marburg und seit 2018 Literaturwissenschaft an der Freien Universität Berlin. Seit über zehn Jahren performt sie als freischaffende Bühnenpoetin auf vielzähligen Bühnen im deutschsprachigen Raum, u. a. Volksbühne Berlin, Deutsches Schauspielhaus Hamburg, Elbphilharmonie Hamburg. Ihre Texte sind in verschiedenen Bühnen- und Videoformaten inszeniert worden (Solothurner Literaturtage, Hellerau – European Center for the Arts, ZEIT Online). Sie ist Gründungsmitglied des Künstler*innenkollektivs parallelgesellschaft und der gleichnamigen Veranstaltungsreihe in Berlin. Außerdem setzt sie sich für literarische Nachwuchsförderung ein und leitet Schreibworkshops für Jugendliche und Schüler*innen. Tanasgol lebt in Berlin.

Pixel-Theater
Minetest wird zur Bühne

Eine Theatervorstellung in einem Videospiel? In Minetest ist alles möglich. Ob schauspielern, Kostüme schneidern, Regie führen, Kulissen bauen, Story schreiben oder mit Effekten verzaubern: In Minetest können wir uns digital ausleben, lernen das Handwerkszeug und werden gemeinsam kreativ. Worum es gehen soll, ist euch überlassen … Liebesromanze, Monstermovie, Superheldinnen-Komödie oder eine Schatzjagd – am Ende bringen wir ein fantastisches Stück auf die Bühne!

Mit: Kemal Amet studiert den Games Master an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW) Hamburg mit dem Schwerpunkt Game Design. Zuvor absolvierte er dort den Bachelorstudiengang Media Systems. Kemal ist neben dem Studium auch in der Forschung im Bereich Thermo-Haptik in VR Games tätig.
Freiberuflich führt er, mit der Initiative Creative Gaming sowie der ComputerSpielSchule in Hamburg und Online, diverse medienpädagogische Angebote mit Kindern und Jugendlichen aus. Dabei sind Themen wie Game-, Level- und Characterdesign seine Hauptgebiete. Aber auch alle anderen Punkte rund um die Spieleentwicklung gehören dazu. Seit 2020 arbeitet er als Werkstudent im Bereich Game Design bei Tiny Roar in Hamburg. In seiner Freizeit spielt er gerne jegliche analoge wie auch digitale Spiele. Zu seinen Lieblingsspielen gehören Pen and Paper Spiele, wie Dungeons and Dragons, und Baldurs Gate.

Und: Jennifer Jason arbeitet seit sieben Jahren freiberuflich in der Games- und Filmbranche. Anfang 2020 konzentrierte sie sich auf den medienpädagogischen Aspekt von Spielen. Als Teil der Initiative Creative Gaming setzt sie sich dafür ein, dass digitales Spiel als spannendes Medium gesehen und sein Potential erkannt und genutzt wird. So engagiert sie sich in der Konzeption, praktischen Umsetzung und Begleitung verschiedener auf Workshops basierender Projekte. In der Vergangenheit war sie an zahlreichen Projekten aus der Film- und Games-Branche beteiligt und half, sowohl Bild und Spielgefühl wie auch Geschichten zu erschaffen. Für das Berliner Spieleunternehmen Broken Games war sie in der Entwicklungszeit drei Jahre lang für die Gestaltung der Animationen von „Rise of Legions“ verantwortlich. Außerdem ist sie seit 2019 als freie Dozentin für Animation und Storyboarding im Studiengang Game Design an der Media Design Hochschule in Berlin tätig.

Digitale Nähe und Körperliche Präsenz
In dem mehrtägigen Workshop mit Graham Smith geht es um die praktische Arbeit mit dem Körper und um die Erarbeitung von Choreografien und filmischem Material. Wir werden uns auf die Vielfalt der physischen Ausdrucksmöglichkeiten im Rahmen theatraler Formen, aber auch im Alltag konzentrieren. Dabei wird der Fokus auf Körperarbeit und Improvisation gelegt. Der zweite Schwerpunkt ist die Erkundung des öffentlichen Raums im eigenen Radius und die Entdeckung von Außergewöhnlichem im Alltag. Wir werden im eigenen Zimmer, aber auch draußen agieren und uns austauschen, z. B. mit Soundfiles, die wir uns gegenseitig schicken, bis wir gemeinsam im Anschluss einen kleinen Film erschaffen haben.

Mit: Graham Smith, geboren 1972, Studium an der Idyllwild Arts Academy in Kalifornien und State University of New York; 1993 Merce Cunningham R.U.G. Seit 1994 enge Zusammenarbeit mit Joachim Schlömer, Engagements u. a. am DNT Weimar, Theater Basel, Luzerner Theater, Theater am Neumarkt, Zürich und bei den Salzburger Festspielen. 2006 bis 2011 war er Mitgründer von pvc Tanz Freiburg/Heidelberg und des Finkenschlags im Freiburger Stadtteil Haslach und arbeitete mit unterschiedlichen Regisseur*innen wie Sandra Strunz, Volker Hesse, Philipp Becker, Tom Schneider, Anna Frick, oder Sebastian Nübling zusammen. Seit 2012/13 Künstlerische Leitung Junges Theater im Bereich Tanz, in diesem Rahmen Konzeptionierung und Leitung des Bildungsreform-Projektes „Learning by Moving“. Seit mehreren Jahren leitet Smith generationsübergreifende Laientanzensembles am Theater Freiburg. SoLD (School of Life and Dance) recherchiert die eigene tänzerische Entwicklung und sucht nach neuen Produktionsformen. Smith ist auch Leiter des Stadtraumprojekts „Die Andere Seite“, das Formen des Zusammenlebens und des Stadtbaus in der Zukunft untersucht. 2015 Preisträger SolidarEnergie Preis. 2020 Preisträger Reinhold Schneider Preis.

WHAT I EAT IN A DAY
Workshop zur Schnittstelle von Videokunst und Theater
Every story has its food. Every food has its story. Ein Rezept ist ein wohl behütetes Geheimwissen, weitergereicht ein unermessliches Geschenk. Früher hat das gemeinsame Kochen genervt, jetzt ist es ein wehmütiger happy place. Und Essen? Dinner every night we called it food for the soul. Essen ist eine politische Handlung. But why? Und was bedeutet decolonize your diet?
Welche Gerichte und Essgewohnheiten sind unter welchen historischen Umständen entstanden? Love Our People Like U Love Our Food!
Wie können wir diese Geschichten nicht nur erinnern, sondern weitertragen?
Haben Gerichte eine Message?
Wenn Food eine Kunstform ist, wie könnte dann das Story-Telling dazu aussehen?
Im Zentrum des Workshops steht die Annahme, dass die Zubereitung und Einnahme von Essen eine intergenerationale und interkulturelle Kommunikationsform darstellt, die durch zeitgenössische Pop-Kultur geprägt und vermittelt wird. Einen Referenzpunkt bildet die Eat Art der 1960er- und 70er-Jahre, deren Vertreter*innen Lebensmittel und den sozialen Kontext des gemeinsamen Speisens als Material für ihre Arbeiten verwendeten. Wie aber können zeitgemäße Adaptionen der Eat Art aussehen, die feministische, dekoloniale und antirassistische Diskurse sowie aktuelle Ansätze zum Körper einbeziehen? Essen-to-Go ist angesichts der Covid-19-Pandemie zu einem der wenigen Trägermedien von Berührung geworden, mit denen wir nicht nur regelmäßig in Kontakt kommen, sondern das wir uns auch einverleiben. Anknüpfend an diesen Gedanken möchten wir im Rahmen des Workshops die durch das digitale Format bedingte Unmöglichkeit der Berührung unter den Teilnehmenden thematisieren und andererseits die Berührung selbst zu einem zentralen Thema machen. Ausgehend von Musikvideos, die sich auf unterschiedliche Weise mit dem Sujet des Essens befassen, werden wir eigene künstlerische Experimente entwickeln und die Schnittstelle von Video, Installation, Film und Theater ausloten. Die Teilnehmenden sind eingeladen, in kleinen Gruppen eigene Videoarbeiten zu realisieren und über eine geeignete Präsentationsweise für diese zu sprechen. Dabei entscheiden die Teilnehmenden selbst, ob sie Reenactments der Musikvideos inszenieren oder freie Interpretation entwickeln möchten. Bildgebendes Verfahren sind gemeinsam editierte Handyvideos, Produktionsorte sind die eigene Wohnung und der öffentliche Raum.

Mit: Hai Anh Trieu ist eine deutsch-vietnamesische Künstlerin und Filmemacherin. Als Kultur-und Sozialanthropologin begegnete sie dem Medium Film erstmals im Form des Ethnografischen Films. An der Schnittstelle zwischen Film, Kunst und Performance setzt sie sich mit Identitätsarbeit innerhalb von Familien und ihren Geschichten auseinander. Dabei lotet sie die Grenzen der Medien aus und versucht in ihren Arbeiten, das Phänomen des Displacement in der Diaspora visuell und physisch erfahrbar zu machen. Als Stipendiatin der Robert Bosch Stiftung Crossing Borders, drehte Trieu ihren ersten dokumentarischen Essayfilm „Birds of a Feather“. Ausgehend davon entwickelte Trieu die Performancereihe „Everybody Has Their Own Agenda”, zusammen mit dem Wolf Kino Berlin und dem Grünen Salon der Volksbühne Berlin. In Kollaboration mit Natasha A. Kelly, Henning Fehr und Philipp Rühr zeigte sie auf der Berlin Biennale 2018 die Videoarbeit „Millis Erwachen“, die u. a für „Best Documentary Feature” mit dem Black Laurel Preis ausgezeichnet wurde. Derzeit entwickelt sie im Rahmen des Stipendiat*innen-Programms #TakeCare der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) die Performance „Wandern“.

Und: Philipp Rühr ist Filmemacher und Übersetzer. Arbeitet in wechselnden kollaborativen Konstellationen, in denen er unterschiedliche Rollen erfüllt. Seine künstlerische Arbeit bewegt sich an der Schnittstelle von Film, Video, Installation und Theater. Anlässlich des kürzlich im S. Fischer Verlag erschienenen Romans „1000 serpentinen angst” von Olivia Wenzel inszenierte er mit Olivia Wenzel und Anh Trieu ein gleichnamiges Video. Für die Berliner Produktionsfirma Schuldenberg Films entwickelte er den Spielfilm „NEUBAU“ (2020) und realisierte als Producer den Kurzfilm „AMYGDALA“ (2020). Zuvor befasste er sich mit Hieu Hoang und Henning Fehr im Rahmen der Lecture-Performance „if equal affection cannot be, let the more loving one be me“ mit den Transferprozessen interkultureller Übersetzungsleistungen. In Zukunft möchte Philipp als Teil eines Regiekollektivs Filmprojekte umsetzen und ein Schreibzentrum gründen.

Dialog

Die Nachgespräche zu den Produktionen sind neben den Aufführungen und dem Workshop-Programm ein wichtiges Element des intensiven inhaltlichen Austauschs der Gruppen untereinander. In kleineren Gesprächsgruppen haben alle Spieler*innen täglich Gelegenheit, persönliche Reflexionen und Kritik gemeinsam zu artikulieren und zu teilen Diese Gespräche werden von Jungjuror*innen und ehemaligen Teilnehmer*innen des Theatertreffens der Jugend angeleitet.

Mit: Antigone Akgün, Sakiye Boukari, Fynn Steiner und Laura Völkel