Theatertreffen-Auszeichnung

Als Erinnerung an ihre Theatertreffen-Einladung erhalten die Teams der 10er Auswahl ein kleines Kunstwerk, das seit 2016 von Eva Veronica Born gestaltet wird.

Theatertreffen-Auszeichnung 2021

Theatertreffen-Auszeichnung 2021

© Eva Veronica Born

Splitter, Text und Eis

Theater macht man niemals alleine. Erst durch das komplexe Zusammenspiel der unterschiedlichsten Beteiligten entsteht ein Ganzes, das mehr ist als die sprichwörtliche Summe seiner Einzelteile. In der durch die Pandemie geprägten Spielzeit 2020/2021 wurde das für Theaterschaffende umso schmerzhafter erfahrbar. Für das Theatertreffen 2021 hat Eva Veronica Born daher eine Auszeichnung entworfen, die das Theater als Kunst der Gemeinschaftsbildung würdigt. Zehn individuelle und aus knallig buntem Beton gegossene Pokale wurden in Bruchstücke zerlegt, die Künstler*innen der 10er Auswahl erhalten je ihren eigenen Betonsplitter. Die Splitter sind so das Dokument einer Zeit der Vereinzelung und weisen gleichzeitig voraus auf die Möglichkeit, sich im künstlerischen Arbeiten wieder zu begegnen.

Splitter der Theatertreffen-Auszeichnung 2021

Splitter der Theatertreffen-Auszeichnung 2021

© Eva Veronica Born

Theatertreffen-Auszeichnung 2017–2020

Theatertreffen-Auszeichnung 2017–2020

© Piero Chiussi

Auch in den Vorjahren begab sich Eva Veronica Born mit ihrer Variante der Theatertreffen-Auszeichnung auf die Suche nach etwas, das den Erfahrungen im und mit dem Theater eine Form gibt. So wie die Zuschauer*innen mit ihrem Theaterbesuch eine individuelle Erfahrung mit nach Hause nehmen, sollte auch den Künstler*innen ein Teil ihrer eigenen Erinnerungen zurückgegeben werden. Diese Erinnerungen speisen sich im Nachhall des gemeinsamen kreativen Arbeitens und Entwickelns aus Begegnungen und der Auseinandersetzung mit Menschen und Texten. Das Textbuch einer Inszenierung birgt sinnbildlich diesen Erfahrungsschatz. Ab 2017 erhielten die Teams der 10er Auswahl daher ihre eigenen Regiebücher, als Pokal gestanzt.

Ähnlich wie die Betonsplitter 2021, entwarf Eva Veronica Born schon 2016 eine Theatertreffen-Auszeichnung, die einen Transformationsprozess markierte: In Form eines „Eispokals“. Als Grundlage dafür nahm sie den Augenblick zwischen An- und Abwesenheit und hinterfragte die Form der bleibenden Auszeichnung, die im Gegensatz zur unmittelbaren Erlebbarkeit, aber auch Vergänglichkeit eines Theatermomentes steht. Ihre nicht archivierbare Konsistenz schmilzt und zurück bleibt eine individuelle Erinnerung.

Eva Veronica Born (*1981) arbeitet nach ihrem Architerkturdiplom an der Universität der Künste Berlin als freie Bühnenbildnerin u. a. an den Münchner Kammerspielen, dem Deutschen Schauspielhaus Hamburg und der Ruhrtriennale. In den Jahren 2012 und 2013 war sie als Bühnenbildnerin mit dem Regisseur Johan Simons zum Theatertreffen eingeladen. Für das Theatertreffen entwirft sie seit dem Jahr 2015 die Festival-Räume im Haus der Berliner Festspiele. Seit 2016 entwirft sie als Künstlerin die offizielle Auszeichnung des Theatertreffens.

Theatertreffen-Auszeichnung 2016

Theatertreffen-Auszeichnung 2016

© Piero Chiussi

Theatertreffen-Auszeichnung 2015

Theatertreffen-Auszeichnung 2015

© Piero Chiussi

Geknülltes Aluminium

Davor war die Theatertreffen-Auszeichnung vom Münchner Bildhauer Olaf Metzel entworfen worden, der mit seiner Version an den „Focus Fassbinder“ und die parallel im Gropius Bau gezeigte Ausstellung „Fassbinder – JETZT“ anknüpfte. Formal war die Theatertreffen-Auszeichnung 2015 eine Weiterentwicklung von Metzels Reliefserie „Fassbinderfragmente“ von 2012. Aluminiumplatten wurden beidseitig bedruckt und anschließend so verbogen, verformt, geknickt und gefaltet, dass die Assoziation an geknülltes Papier entstand. Als Druckvorlagen dienten Seiten aus Drehbüchern Fassbinders, Manuskriptseiten, Filmstills, Portraits, Kritiken und anderes.

Gewundenes Armierungseisen

2014 gestaltete die Theatertreffen-Auszeichnung Ai Weiwei, der mit seinen Trophäen für die Produktionsteams ein gesellschaftlich einschneidendes Ereignis aufgriff: Die Kunstwerke waren aus gewundenem Armierungseisen gearbeitet – Überreste von Schulgebäuden, die beim verheerenden Erdbeben in Sichuan 2008 zerstört wurden. Schon mehrere Arbeiten, die auch in der Ausstellung „Evidence“ im Gropius Bau zu sehen waren, hatte Ai Weiwei aus dem Schutt hergestellt, den er damals tonnenweise an den Unglücksorten aufgesammelt hatte. Durch das gewählte Material der Trophäen erinnerte der Künstler bewusst an die Kinder unter den fast 100.000 Toten.

Theatertreffen-Auszeichnung 2014

Theatertreffen-Auszeichnung 2014

© Piero Chiussi